Kolumnen
10/22/2021

Guter alter Granit

Alles grün und gut? Ein schöner Platz ist kein Beserlpark

von Barbara Mader

Am Neuen Markt wird ja jetzt alles anders. Die Autos sollen unter die Erde. Besser wär’s ganz ohne gewesen, aber das traut sich keiner, der in Wien Wahlen gewinnen will. Vom neu gestalteten Platz ist noch nicht viel zu sehen, aber dass hier Bäume gepflanzt werden, gilt als fix. Alles grün und gut. Aber ein Platz ist kein Beserlpark. Guter Stein wird zu wenig gewürdigt. Hier eine Geschichte dazu.

Sie wissen ja: Am Stephansplatz gab es zwischen 1255 und 1732 einen Friedhof. Im Zuge des U-Bahnbaues 1973 begann die Diskussion, wie mit den Spuren der Vergangenheit umzugehen sei. Man überlegte künstlerische Interventionen. Bildhauer um den Künstler Karl Prantl befürworteten eine Neufassung des Platzes und fanden: Auf diesen besonderen Platz gehört Naturstein. Zu teuer, sagte die Stadt. Also beschlossen die Bildhauer, sämtliche Grabsteindepots Wiens zu durchforsten und mit den Funden einen Entwurf zu gestalten. Sie verlegten ein strahlenförmiges Musterfeld aus historischem Steinmaterial. Es gibt Entwürfe davon, sie sind beeindruckend. Es wurde trotzdem nichts daraus. Das Einzige, was von der Bildhauer-Idee übrig blieb, war der Umriss der Maria-Magdalena-Kapelle von Hannes Haslecker (darunter befindet sich heute die Virgilkapelle), allerdings auch nicht mehr in der ursprünglichen Form. Architekt Otto Häuselmayer aber, der die Bildhauer fachlich begleitet hatte, trug die Idee von (recyceltem) Naturstein weiter mit sich herum. Als er viele Jahre später die Oberfläche der Freyung umgestaltete, gab’s ein Déjà-vu. Seinem Wunsch nach Naturstein entgegnete die Stadt: Zu teuer. Der Architekt ließ nicht locker, Naturstein musste es sein. Altes Steinmaterial, unter anderem von der kurz zuvor umgebauten Triester Straße, liegt heute auf der Freyung. Guter alter Granit aus der Kaiserzeit. Aus Steinbrüchen aus Böhmen und Mähren kam er einst auf die Triester Straße. Lag dort mehr als hundert Jahre und kommt nun auf der Freyung zur Ruhe, neben Steinresten aus dem Mittelalter. Er wird noch länger dort liegen.

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