Kolumnen
02/02/2019

Großes Kino in Erdberg

Warum auf dem ehemaligen Schlachthof-Areal in St. Marx ein Hauch von Hollywood weht

von Barbara Mader

Die alte Tante Stadthalle in Fünfhaus hat ausgedient. Internationale Stars sollen künftig in einer Halle mit dem nicht sehr sexy Namen „Wien Holding-Arena in Neu Marx“ auftreten.

Dafür spricht, dass dieser Gegend ein Hauch von Hollywood innewohnt. Nein, nicht weil der ORF einst hierher wollte. Sondern weil schräg gegenüber am Rande der Aspang-Gründe, wo unlängst das gefühlt 4000ste Einkaufszentrum des Bezirks eröffnete, der Regisseur Fred Zinnemann einen Platz bekommen hat.

Aber warum, fragt der geschichtsbewusste Erdberger, ausgerechnet Zinnemann? Aus Erdberg stammen Promis von Joe Zawinul bis Thomas Klestil, beide mit Park und Platz im Bezirk verewigt. Auch Schriftsteller Peter Henisch verbrachte seine Kindheit hier. Dass er später die Toskana bevorzugte, wird sich den Erdbergern nie erschließen, aber das ist eine andere Geschichte.

Und Fred Zinnemann? Der Regisseur von „Verdammt in alle Ewigkeit“? Nein, er war kein Landstraßer. Dass man hier an ihn erinnert, ist trotzdem eine gute Idee. Denn Zinnemann hat unter anderem auch beim Polit-Thriller „Der Schakal“ Regie geführt, in dem sich Polizei, Geheimdienst und Untergrundorganisationen Scharmützel liefern. Es passt ganz gut, dass der Zinnemann-Platz just gegenüber dem hier beheimateten Verfassungsschutz (BVT) liegt.

Und er ist nicht das einzige Hollywood-Souvenir im Grätzel. Bei den vis-à-vis liegenden ehemaligen Schlachthöfen von St. Marx drängt sich eine Episode rund um die Besetzung des Films „Verdammt in alle Ewigkeit“ auf.

Die Mafia soll Druck gemacht haben, damit Frank Sinatra eine Hauptrolle bekommt. Wie sie das gemacht hat, wurde eindrucksvoll im Film „Der Pate“ veranschaulicht: Ein Filmproduzent findet den Kopf seines Lieblingspferdes im Bett. Regisseur Zinnemann beteuerte sein Leben lang, dass nie ein Pferdekopf in irgendjemandes Bett gelegen habe. Doch schon der Verdacht einer derart mörderischen Geste passt zum Erbe der Schlachthöfe und verspricht großes Kino für künftige Unterhaltungsvorhaben.