Kolumnen
05/01/2021

Tagesordnung

Femizide sind an der Tagesordnung, aber nicht auf der Tagesordnung. Das könnte sich jetzt ändern.

von Birgit Braunrath

Ordnung muss sein. Und Tagesordnung hat Vorrang. So lange, bis etwas Wesentlicheres passiert, etwa dass Österreich europaweit die meisten Tötungsdelikte an Frauen im bisherigen Jahr verzeichnet. Wenn häusliche Gewalt an der Tagesordnung ist, hat die Tagesordnung kurz Pause.

"Bevor ich zur Tagesordnung übergehe, würde ich gerne drei Sätze sagen …", fiel Leonore Gewessler am Freitag bei einer Pressekonferenz aus ihrer Umweltministerinnenrolle und sagte, was zu sagen war: "… mein tief empfundenes Mitgefühl mit den Angehörigen … die neunte Frau, die in diesem Jahr ermordet wurde … da müssen wir etwas tun."

Ja, auch schon nach dem achten, siebenten, sechsten Fall hätte man "etwas tun" müssen, hätten - parteienübergreifend - Maßnahmen zur Gewaltprävention beschlossen und Einsparungen rückgängig gemacht werden müssen. Aber wenn es eines prominenten mutmaßlichen Täters bedarf, um endlich aktiv zu werden, dann ist eben jetzt der Zeitpunkt dafür. Hoffentlich vor dem zehnten, elften und zwölften Fall - und bevor alle wieder zur Tagesordnung übergehen.

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