Kolumnen
07/24/2021

Fabelhafte Welt: "Jööö, waren das Zwillingsbierchen?"

Vea Kaiser mag Menschen. Aber manchmal muss sie Grenzen setzen - vor allem, wenn es um ihren Kugelbauch geht.

von Vea Kaiser

Unser Signorino Hündchen ist ein wirklich süßes Exemplar Fellfreund. Er sieht aus wie der Hund auf den Nimm-ein-Sackerl-für-mein-Gackerl-Schildern, nur niedlicher. Und das sehe nicht nur ich so, sondern auch viele Menschen im öffentlichen Raum. Daher verstehe ich den inneren Drang mir Unbekannter, sich zum Hund runterzubeugen und ihm den Kopf zu streicheln.

Ich verstehe auch andere Hundebesitzer, die ihre Hunde zu meinem hinlaufen lassen, obwohl beide an der Leine sind – aber ich mag das nicht. Mein Hund ist ein Freund der Menschheit, dennoch sollen ihn Wildfremde nicht abtätscheln. Und angeleinte Hunde haben auch nicht zu spielen, das kann, wenn sich die Leinen verheddern und einer Panik kriegt, blutig enden. Irgendwann kam mir also eine Idee, um unerwünschte Annäherungen zu unterbinden: Ich sage zu Streichelwütigen: „Bitte nicht, mein Hund hat Würmer!“ Und zu Hundebesitzern: „Ich würd Ihren Hund fernhalten, meiner hat ansteckenden Durchfall!“ Das funktioniert so gut, dass ich nun überlege, diese Strategie auch bei mir selbst anzuwenden. Und zwar, wenn mir, wie es zurzeit öfter vorkommt, Menschen ungefragt die Hand auf den Kugelbauch legen wollen.

Ich mag Menschen. Trotzdem entscheide ich gern selbst darüber, wer mich wo berühren darf. Falls Sie schwanger waren, kennen Sie das Problem wahrscheinlich. Falls nicht: Dann bitte schließen Sie die Augen und stellen sich vor, in der U-Bahn dreht sich plötzlich eine fremde Frau zu Ihnen, streichelt Ihren Gössermuskel und staunt: „Jööö, waren das Zwillings-Bierchen?“ Oder kneift Sie ins Hüftgold: „Jööö, was für ein Glück! Ihnen geht’s aber gut!“

Den nächsten, sich meinem Bauch unerlaubterweise nähernden Händen überlege ich daher zuzurufen: „Bitte nicht berühren, ich hab Würmer und Diarrhoe!“ Was tut man nicht alles, um nicht wie ein putziger Welpe behandelt zu werden.

Vea Kaiser, das Ausnahmetalent aus Niederösterreich, ist seit ihrem umjubelten Buch-Erstling „Blasmusikpop“ von 2012 („großer Literaturspaß!“, „schwindelerregendes Debüt“) unumstrittene Lichtgestalt der jungen heimischen Literatur. Sie schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

vea.kaiser@kurier.at

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