Kolumnen
05/08/2021

Ein Blick wie Moses Jr. nach drei Tagen Schilfkörbchen

Warum man als Mutter immer richtig versagt. Und darauf trinken sollte!

von Polly Adler

Die Rechnungen werden kommen – vom anderen Ende der Welt“, seufzte die alleinerziehende Tochter meiner Freundin K im Absprung in einen Kübel Himbeereis. „Me no understand Madame talking“, antwortete ich in meinem besten Indglish.

„Das Kind muss mit zwei Jahren schon ganztags in die Fremdbetreuung“, sagte sie, während sie rosa Eisgebirge in ihren Mund wuchtete, „weil die böse Mutti mit ihren 36 so eine Selbstverwirklichungs-Bitch ist. Sie wird mir ihre Psychotherapie- Rechnungen kommentarlos von ihrem exotischen Wohnsitz schicken, den sie auf Grund von emotional distancing von ihrer Rabenmutter gewählt hat.“ Allein der Begriff Fremdbetreuung sagt schon viel über die hiesigen Brutsitten.

In keiner anderen Sprache existiert überdies das Wort Rabenmutter. Ich erzählte ihr davon, dass mir der Fortpflanz (es wird noch an meinem Sterbebett darum gehen) bis heute Vorwürfe macht, dass ich ihre Volksschul-Abschluss-Show zu Gunsten einer heißen Celebrity-Hochzeit in Israel abgesagt habe. Zwar hatte ich mich auf der Party unter all den Glamour-Gästen wie eine arme Verwandte aus osteuropäischem Karstland gefühlt, dennoch wäre ich bis heute auf keiner Trauung in Tel Aviv gewesen.

„Siehst du“, sagte sie, „da hast du’s: Dein Fortpflanz ist traumatisiert bis ans Ende deiner Tage.“ – „Es ist egal: Sie machen dir in jedem Fall Vorwürfe. Kreist du als voll bewusste Helicopter-Mami in der Dauerschleife über deinem Kind, wird es dir spätestens in deiner Menopause vorwerfen, dass du eine Versagerin bist und nichts aus deinem Leben gemacht hast. Ich kann mir dauernd anhören, dass ich ihre ganze Kindheit über vor einem Laptop gehangen bin und sie sich so allein gefühlt hat.

Dazu schickt das Luder dann einen Blick wie Moses Junior nach drei Tagen im Schilfkörbchen.“ – „Man kann es also nur richtig falsch machen?“ – „Ja, meine Süße. Champagner für alle Mütter, die so richtig versagt haben!“

Buchtipp: Polly Adlers „Echt. Jetzt!“-bei K & S.

www.pollyadler.at
polly.adler@kurier.at

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