Kolumnen
27.07.2018

Crossropes im Bodyblog: Kabelsalat für Springinkerl

Wie neuartige Springseile zum Krafttraining werden – und zu schmerzhaften Zehenbrechern.

Als hätten wir nicht schon genug Kabelwirrwarr: TV, PC, Handy, Kopfhörer, Küchengeräte, Fön, die Aufladestation für die elektrische Zahnbürste, ... – ich könnte ständig Kabel auseinander klauben, entknoten und schön zusammenrollen. Kaum schaut man einmal weg, bricht wieder Anarchie aus.

Dank meines Liebsten haben sich jetzt noch mehr Quälgeister dazugesellt: Springseile in verschiedenen Farben und Gewichtsklassen – im Neu-Fitness-Sprech sagt man dazu Crossropes (Infos unter www.crossrope.com). Manche sehen aus wie dünne Handykabel, andere könnten als dickes Stromkabel durchgehen. Dazu gehören freilich austauschbare Griffe mit ausgefeiltem Drehlager. Yeah.

Seit er im Internet Fitnessvideos und -Gruppen verfolgt, in denen sich Durchschnittsmenschen mit Seilspringen in Höchstform trainieren, ist er wie besessen davon – also von den Videos. Wie leichtfüßig da gehüpft wird, wie akrobatisch das Seil links, rechts, überkreuzt schwingt.

Im Selbstversuch sieht das etwas anders aus – das dicke, schwarze Kabel, äh, Springseil, heißt bei mir „Zehenbrecher“. Jede Umdrehung mit dem zwei Pfund (ca. 0,9 Kilo) schweren Ding ist ein Kraftakt. Wenn es einmal schwingt, klingt es, als hätte jemand eine Turbine angeworfen.

Seilspringen gewinnt vor allem deshalb wieder mehr an Bedeutung, weil es doppelt so viele Kalorien verbrennt wie Joggen. Statt einer Stunde laufen zu gehen, reicht also eine halbe Stunde springen. Mit dem dicken Seil geht’s sicher noch schneller – nur muss man das erst einmal schaffen.

Ich übe derweil lieber mit den leichten Modellen. Das Schöne daran: Wenn man dran bleibt, wird man schnell besser. Das Schlechte: Es ist trotzdem ein Kabelsalat.

Wenigstens rollt sich das Kabel vom Staubsauger auf Knopfdruck selbst ein.

Fazit:

Für ungeduldige Ausdauersportler und alle, die gerne schnell Fortschritte erzielen. Seilspringen gilt nicht umsonst seit jeher als effektives Ganzkörper-Workout. Wichtig: Auf weichen Untergrund achten, um die Gelenke zu schonen.

laila.daneshmandi@kurier.at