Kolumnen
01/24/2020

Blick in den Libanon - Neue Regierung, alte Weinbautradition

Die Flaschenpost schaut, anstatt zu tief ins Glas, gerne über den Glasrand hinaus. Diesmal in die Bekaa-Ebene

von Juliane Fischer

Ich denke an Beduinenzelte, an Taboulé und Falafel, an Tempel und den Auto-Boss, der im Kontrabasskoffer vor der japanischen Justiz geflohen ist. Dieser Carlos Ghosn hat nicht nur auf Unternehmenskosten auf ziemlich großem Fuß gelebt, sondern auch ein 12-Millionen-Dollar schweres Weingut mitgegründet. Im Libanon.

Ich gebe gleich zu: Bei libanesischem Wein habe ich ungefähr so viel Ahnung wie bei Autos. Aber gerade, weil einen das persönliche Umfeld und die Weine, die man aus der Nähe kennt, so prägen, will ich mich öfter Neuem widmen. Das Jahr ist jung. Der Weinbau im Libanon alt. Nachweise deuten auf 7000 vor Christus. Und vor 3000 Jahren – auch kein Bemmerl – haben die Phönizier ihren Wein nach Ägypten, Zypern, ja bis nach Spanien exportiert. Hierzulande kriegt man „Musar Jeune 2017“ bei Wein&Co. Wissende Bekannte bestätigen, was die Google-Suche ergibt: Chateau Musar ist der bekannteste Name außerhalb des Landes.

Daneben gibt es immer mehr Betriebe, mittlerweile zirka 50 andere. Sie sitzen in der Bekaa-Ebene zwischen Beirut und Damaskus, die oft heftige Konfliktzone ist. Den viel gerühmten Serge Hochar konnte selbst der Krieg nicht vom Weinmachen abhalten. Nach seinem Tod 2014 führen die Söhne das Chateau Musar weiter. Was ihre jugendliche Cuvée aus Cinsault, Syrah und Cabernet Sauvignon so spannend macht, ist, dass sie anregt, sich mit der Geschichte dieses Landes auseinanderzusetzen!

Sie kostet sich durch die Weinwelt, arbeitet als freie Journalistin und zum Ausgleich in ihrem Weingarten in Niederösterreich.
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