Kolumnen
06/12/2019

Besser als Sex

Die wichtigste Währung im Selfie-Zeitalter ist die Aufmerksamkeit.

von Guido Tartarotti

„Nichts korrumpiert den Menschen mehr als Sex und guter Geschmack“, bemerkte der Schokoladen-Fabrikant Alfred Ritter im KURIER-Interview.

Das ist fast richtig. Denn am meisten korrumpiert: Aufmerksamkeit. Wir leben im Aufmerksamkeits-Zeitalter. Das ist der Grund dafür, warum die Österreicher lieber sieben Tage lang auf Sex und Alkohol verzichten würden als aufs Smartphone: Sie müssen nachschauen,  ob sie auch Aufmerksamkeit bekommen. Denn nur, was Aufmerksamkeit bekommt, existiert. Darum fotografiert man sich so gerne selber: Um sich seiner Existenz zu versichern. Die größtmögliche Distanz, die man heute zum eigenen Ego einnimmt, ist die Länge eines Selfie-Sticks.

Darum gilt auch Widerspruch in den sozialen Medien als so brutale Zumutung. Der Wahrheits-Pächter fühlt sich in seiner Existenz bedroht, wenn man seine Wahrheit hinterfragt. Dann braucht er mindestens sieben Tage lang Selfies, bis er wieder feste Nahrung zu sich nehmen kann.

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