Flaschenpost
02/21/2020

Beaujolais Querdenker

Juliane Fischers Flaschenpost war im Beaujolais und befindet: Ist sein Ruf erst ruiniert, trinken sich die Ausnahmen ganz ungeniert.

von Juliane Fischer

Ja so einen Beaujolais, oiso so einen Beaujolais kriegst du ned amoi in Beaujolais!“, sagt einer meiner Lieblingskabarettisten, Gerhard Polt, in einem humorvollen Beitrag über Gemeinderatssitzungen, bei dem eben auch der französische Wein eine Nebenrolle spielt.

Das Beaujolais gehört geografisch zum Burgund. Doch die Gegend wird als eigenständig betrachtet, beziehungsweise wird man wahrscheinlich keinen Burgund-Winzer finden, der das Beaujolais dazuzählt. Weil dort Granitböden vorwiegen (statt Kalk und Mergel) und weil nicht Pinot Noir und Chardonnay, sondern 98 Prozent aller im Beaujolais gepflanzten Rebstöcke von der Sorte Gamay sind.

Traditionell landet er mitternachts zum dritten Donnerstag im November in Lyon. „Le Beaujolais nouveau est arrivé – der junge Beaujolais ist eingetroffen“, heißt es aber immer weniger. Durch den Hype um den Jungwein (bekannt als Nouveau oder Primeur) ist nämlich die Produktion massiv angestiegen und der Beaujolais dem Industrieweinwahn geopfert worden.

Angestoßen durch Visionäre wie Jules Chauvet oder Marcel Lapierre denken nun aber ein paar Junge um: Sylvère Trichard von Séléné lässt seinem Beaujolais mehr Zeit, aber ungeschwefelt und unfiltriert. Was übliche Kennzeichen des sogenannten Naturweins sind, ist hier eigentlich archetypisch: Schließlich wurde der Wein früher fassweise, also genau in diesem Zustand nach Lyon und Paris gebracht. Und rasch getrunken.

Sie kostet sich durch die Weinwelt, arbeitet als freie Journalistin und zum Ausgleich in ihrem Weingarten in Niederösterreich.
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