Kolumnen
02/19/2021

Auf Samtpfoten

Dass Wien insbesondere in Transdanubien wächst, weiß man nicht erst seit gestern. Ein Grund mehr für besondere Sorgfalt.

von Barbara Mader

Immer, wenn wir im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten das Thema Bauen ansprechen, kommt viel Post. So regt Ingrid W. aus Wien 22 an, man möge bei Bauvorhaben grundsätzlich „mit menschlichen Samtpfoten“ agieren.

Das hätte sich auch Herr P. aus Oberlaa gewünscht. Ein privater Bauträger baut ihm nun den Nachbarsgarten komplett zu, obwohl Herr P. diesen gerne gekauft und das Grün erhalten hätte. Er richtet besagter Baufirma folgende Pfadfinder-Devise aus: „Verlasse die Welt besser, als du sie vorgefunden hast.“

Zum Kapitel Neues schaffen, ohne Altes abzureißen erinnert Herr B. daran, dass es in Hernals eine alte Fabrik gibt, die seit 2006 unter Denkmalschutz steht und daher für die Anforderungen moderner Produktion eine Herausforderung darstellt. Ihr Besitzer, die Firma Manner, ist trotzdem geblieben. Zwar war, als der damalige Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder die unter Denkmalschutzstellung der Fabrik ankündigte, die Begeisterung des Unternehmens enden wollend. Heute gehört es zur Marke, dass die Mannerschnitten direkt in Wien hergestellt werden. Damit ist die „große Erzählung“, die man als Marke heute braucht, nicht nur schön, sondern auch noch wahr. Gar nicht blöd, wenn verantwortungsvolles Handeln auch ein Top-Marketingasset ist.

Apropos Verantwortung: Gegen den Donaustädter Bezirksvorsteher wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. Er soll interne Infos an eine Immobiliengesellschaft weitergeleitet haben. Das tut besonders weh, weil gerade die Donaustädter unter der extrem dichten, rasant fortschreitenden Verbauung ihres Bezirks leiden. Unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe gegen den Bezirkschef erhärten: Dass die „Transdanubien“ genannten Bezirke zu den am stärksten wachsenden gehören, das weiß man schon lange. Spätestens seit 1850, als das Bevölkerungswachstum begann, sich in die Außenbezirke zu verlagern. Genug Zeit also, um besonders verantwortungsvoll mit der Frage umzugehen, welche Politiker dieses Wachstum begleiten.

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