Kolumnen
02/02/2019

Anleitung zum Unglücklichsein

Warum wir tierischen Voraussagen hin und wieder Glauben schenken sollten

von Barbara Mader

Die Schrecken des Eises und der Finsternis ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Christoph Ransmayr. Er handelt nicht von Wien in der Zeit zwischen November und Februar, sondern von einer Inselgruppe im Polarmeer.

Unlängst lichtete sich die schwere Wolkendecke über Wien. Der Gatschregen machte Pause. Ein paar Sonnenstrahlen ließen sich blicken und die ersten grünen Spitzerln an Bäumen und Sträuchern waren zu erahnen. Die Erinnerung an Frühlingsblumen wurde wieder lebendig. Doch die Sonne war auch unbarmherzig. Sie brachte zutage, was Schnee und Eis verdeckt hatten. Etwa, dass ausnahmslos alle Wiener Autos Farben in fünfzig Schattierungen von Grau haben. Ebenso wie alle Wiener Winterjacken. Und dass man dringend Fenster putzen müsste.

Aus dem asiatischen Raum stammt folgende Weisheit: „Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.“

Konkret heißt das: Monatelang haben wir uns nach ein paar Sonnenstrahlen gesehnt. Jetzt, wo sie da sind, ist’s auch wieder nicht recht, denn es ist aus mit der Gemütlichkeit.

Anleitung zum Unglücklichsein“ ist ein berühmtes Buch des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick. Eine Persiflage auf die boomende Sachbuchliteratur, die zum Bestseller wurde. Wohl auch, weil sie der Wiener Seele entspricht. Je strahlender der Sonnenschein, desto auffallender die vielen Staubflankerln darin! Reden wir uns folgerichtig also auch die schönen Stunden schlecht: Davon, dass die Tage länger werden, nämlich schon seit dem 21. Dezember, haben wir lang nichts gemerkt. Ab dem 2. Februar, im Volksmund Maria Lichtmess, ging’s rasant.

Allerdings, sagt eine Bauernregel: „Sonnt sich der Dachs in der Lichtmess-Woch’, kriecht er noch sechs Wochen in sein Loch.“

Auch wenn Meteorologen die Glaubwürdigkeit von tierischen Voraussagen vehement anzweifeln: Nach den vergangenen schönen Tagen kommt der Winter am Montag zurück. Der Dachs hat somit eindeutig recht und wir können beruhigt weiter über das Wetter jammern. Die Wiener Seele ist gerettet! barbara.mader