Ein Storch zwischen Konik-Pferden

© Heinz Wagner

Kiku
05/21/2019

Wie polnische Pferde Störchen in Marchegg helfen

KiKu- und schauTV-Lokalaugenschein Im WWF-Reservat Marchegg, wo Konik-Pferde Landschaft und Lebensraum für viele Vögel, Insekten und Pflanzen gestalten.

„Wir sind da bei den Störchen und die essen Mäuse, Frösche, Käfer und Schlangen“, sagte Paulina, eine der Jüngsten aus dem Montessori-Kindergarten Marchegg ins Mikrophon der Fernseh-Kamera von schauTV. Der Sender des Medienhauses KURIER und der KiKu dürfen die Kinder zur Storchenkolonie hier begleiten. Und als sie sich verabschieden bevor wir weiterziehen, mit ihren Händen lautstark versuchen das Klappern der Störche nachzuahmen.

Marchegg beherbergt die größte auf Bäumen nistende Weißstorchkolonie Mitteleuropas - wenige Gehminuten vom Schloss mit seinem kleinen Besucher-Zentrum entfernt. Auf toten Eichen haben Störche ihre Horste gebaut. Diese Nester wiegen gute 800 Kilo. Aber ein Storch selbst ist schon einen Meter hoch. Spannt er seine Flügel, erstrecken sich die ebenfalls auf ein Meter Länge. Und in einem Nest muss Platz für ein Paar und später noch die Kinder sein. Derzeit brüten die Väter und Mütter abwechselnd, halten die Eier warm, damit im Mai so zwei, drei Storchenjunge schlüpfen.

Zum Greifen nah

Vom hölzernen Aussichtsturm sind die ersten Bäume mit ihren Störchen und ihren Nestern sogar ohne Fernglas gut zu beobachten, fast zum Greifen nah. Im Juni kannst du dann ziemlich wahrscheinlich sehen, wie die Eltern angeflogen kommen und ihre Jungen füttern. Die müssen schnell wachsen und kräftig werden, weil sie schon im Juli ihre eigenen Flugversuche unternehmen (müssen). Mitte August geht’s schließlich in Richtung Afrika, dabei sind die Jungvögel die ersten, die sich auf die Reise begeben. Nach drei, vier Jahren kommen sie erstmals zurück - immer daher wo sie geboren worden sind.

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Besondere Pferde

Nicht weit hinter den Bäumen mit den Störchen (rund 50 Paare wohnen hier) weiden Pferde. Und die beiden Tierarten hängen zusammen.
Echt jetzt?
Ja, ganz wirklich. Der WWF (World Wide Fund For Nature, eine der größten Natur- und Umweltschutzorganisationen der Welt) hat vor vier Jahren die Konik (Polnisch für kleines Pferd) hier angesiedelt. Warum - das erklärt Michael Stelzhammer dem Kinder-KURIER und dem schauTV - das ausführliche Interview mit ihm findest du in einem eigenen Abschnitt.

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Robuste Landschafts- und Lebensraum-Gestalter

Diese Pferde sind robuste Nachkommen einer Wildpferdeart und können ganzjährig frei im Freien leben. Sie bekommen sogar im Winter Fohlen, die dann mit Winterfell auf die Welt kommen. UND: Sie mähen sozusagen auf natürliche Art und immer wieder an anderen Stellen die Wiesen, die damit nicht zuwachsen.

Wenn man sich so einen Storch ansieht, wenn er über die Wiese geht und Futter sucht, braucht er diesen Blick zum Boden. In hohem Gras findet er ganz schlecht Nahrung“, erzählt Stelzhammer.

Symbiosen

Somit helfen ihnen die Pferde. Aber nicht nur ihnen, sondern auch anderen Vögeln. Und weil die Koniks mit ihren Hufen an so manchen Stellen der Wiese auch richtige Löcher in die Erde schlagen, siedeln sich dort auch wiederum so manche Insekten- oder Pflanzenarten an.

Dort wo sich die Pferde im Sand wälzen sind in kürzester Zeit wieder schon verschwundene Heuschrecken-Arten aufgetaucht, erzählt der WWF-Mitarbeiter.

Natur als Lehrmeisterin

„Das Programm ist sozusagen ein Lernen von der Natur?“, fragen wir den WWF-Mitarbeiter.
Michael Stelzhammer antwortet so: „Ja, Pferde sind die viel besseren Landschaftsgestalter, aber auch Lebensraumgestalter für andere Pflanzen- und Tierarten. Wir schauen uns das auch in einem umfangreichen Programm an, die Vegetation und auch Insekten wie zum Beispiel die Heuschrecken oder Vögel. Da kann man auch schon nach ein, zwei Jahren Veränderungen feststellen.

Bei den Insekten schauen wir uns ganz gezielt die Heuschrecken an, weil das eine Tiergruppe ist, die sehr schnell auf Veränderungen reagiert. Und da konnten wir feststellen, dass ganz seltene Arten, die es trocken mögen, jetzt wieder zurückgekommen sind. Man findet sie genau dort, wo sich zum Beispiel die Pferde im Sand wälzen oder mit den Hufen scharren, den Boden von der Vegetation freihalten.“

Totholz lebt

Aus dem Zusammenspiel der Natur lernten Menschen übrigens auch, dass sogenanntes Totholz, also ein abgestorbener Baum, nichts Unnützes ist, ganz im Gegenteil. „Oft leben in einem toten Baum viel mehr Lebewesen als in einem lebendigen“, sagt Stelzhammer und zeigt zum Beispiel in einer toten Eiche, die oft noch Jahrzehnte ziemlich fest und aufrecht stehen, relativ große, längliche Löcher. „In die legt der Eichenbock“ - das ist ein Käfer und Stelzhammer spreizt Daumen und Zeigefinger auf fast zehn Zentimeter Länge - „seine Larven“.

Follow@kikuheinz

Die Löcher des Eichbocks, ...

... eines Käfers, der seine Larven - nur - in toten Eichen ablegt.

Hier der schauTV-Beitrag

gedreht von Selma Taskin

Besichtigungstouren

Du kannst verschiedene Exkursionen zu Störchen und anderen Marchegger-Au-Bewohnern machen: Siehe eigener Abschnitt.