Szenenfoto aus "Mozart ist gestorben"

© Pablo Leiva

Kiku
04/06/2019

Wenn der Fisch begraben würde ...

Humorvolles, tiefsinniges (kinder-)philosophisches Musik-Theaterstück um Vergängliches und Bleibendes: „Mozart ist gestorben“.

von Heinz Wagner

Magisch wirkt bei diesem Stück schon der komplett veränderte Theatersaal im Dschungel Wien im MuseumsQuartier: Eine große - einfache - Drehbühne um die herum das Publikum sitzt. Auf dieser runden Bühne, die über kleine Räder händisch von Zeit zu Zeit um etwa eine Vierteldrehung gerollt wird, erhebt sich eine ums Eck gehende Treppe - mit der ersten Assoziation an eine Himmelsleiter (Bühne: Vincent Hendus). Unter der Treppe steht ein alter Ohrensessel, davor ein Teppich.

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Engel

Von der Decke des Theatersaals hängen - nicht nur über dieser Drehbühne - rund ein Dutzend kleine und größere weiße Kugeln - Sterne? Eine ähnliche Kugel ist ein Ball, mit dem einer der Darsteller vor sich hin spielt. Ein Kollege und zwei Kolleginnen von ihm haben - wie er - auf dem Rücken Anflüge von Flügeln. Engel zwischen Himmel und Erde.

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Opa und Enkelin

Dann schlapft ein junger, auf alt hergerichteter Mann (Lukas Lauermann) aus einer Seitentür in Richtung dieser Bühne, holt das Cello aus seinem Transportbehälter und beginnt zu streichen. Er spielt einen Opa - und eine traurige Melodie. Immer und immer wieder von Zeit zu Zeit. Irgendwie nervt das die später eintreffende Enkelin, die einzige, die hier im Stück einen Namen trägt, nämlich Tilda. Irgendwie wirkt der Opa abwesend, in Gedanken versunken. Aus den Gesprächen ergibt sich: Er denkt an seine - offenbar erst kürzlich verstorbene - Frau, Tildas Oma.

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Die Erinnerung lebt

Und trotzdem ist das rund einstündige Stück - ein Mix aus Schauspiel und Musik bzw. Gesang - die meiste Zeit nicht wirklich traurig. Enkelin und Opa philosophieren über Leben und Tod, Bleibendes und Vergängliches und im Zusammenhang mit der Verstorbenen darüber, was sie nach wie vor von ihr haben - die Erinnerungen an sie und schöne Zeit mit ihr. Und dazu zählt - nicht zu knapp - Lustiges.

Ungefähr in der Mitte des Stücks erzählt Tilda davon, dass ihr Goldfisch, den sie von Oma bekommen hat und der Mozart heißt, gestorben ist. Also, so der Opa, sollte auch er - würdig - begraben werden. Aber doch nicht begraben, da würden ihn ja die Würmer fressen. Wo er doch in seinem Leben Würmer gefressen hat, sozusagen Würmer also jetzt verdaute Würmer fressen würden!

Die vier Engel agieren als Chor, spielen immer wieder aber auch mit - vor allem mit Tilda.

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Neunjährige Hauptdarstellerin

Cora Tiefenbacher-Alves (9) spielt die Enkelin Tilda. Es ist ihr erste Schauspielerfahrung. „Ich singe schon seit der ersten Volksschulklasse im Chor, hab schon auch Solo gesungen - zum Klavierbegleitung - aber Theater hab ich noch nie gespielt“, erzählt sie nach der Premiere dem Kinder-KURIER. „Schwierig war’s trotzdem nicht, wir haben das Stück für Stück geprobt und das hat der Regisseur (Flo Staffelmayr) ganz gut mit uns gemacht“, so die junge Hauptdarstellerin weiter. Ein bisschen schwierig sei nur der häufige, sekundenschnelle Wechsel von Trauer zu Humor gewesen. „Das ist schon immer eine Riesenumstellung im Kopf, einmal musst du traurig und dann wieder lustig sein.“ Apropos lustig. Dass es beim Premieren-Buffet Fischstäbchen gibt „find ich einfach lustig“.

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International

Übrigens: Die vier Chor-Sänger_innen - Alice Gurure, Cheryl Mabaya, Nkanyezi Ndlovu, Mbongeni Nxumalo - kommen von der Gruppe IYASA aus Simbabwe. Und dabei kam mir eine kurze Geschiche aus André Sterns neuem Buch „Begeisterung“ in den Sinn. Dort schildert er:

„Saskia hat sehr helle Haut. Sie lebt in Holland mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem größeren Bruder. Gerade schaut sie sich begeistert im Internet eine Fotografie an. Auf dem Bild sieht man eine junge afrikanische Mutter mit tiefschwarzer Haut, die mit beiden Armen ihre kleine Tochter über ihren nach hinten geworfenen Kopf hält – und die Kleine lacht aus vollem Hals. Beide tragen bunte Kleider und sind so fröhlich und einander so verbunden, dass Saskia nicht aufhören kann, sie zu betrachten. Sie dreht sich zu ihrer Mutter um und sagt: „Ist das vielleicht ein Foto von dir und mir?“
Neugierig fragt ihre Mutter sie: „Siehst du keinen Unterschied zwischen ihnen und uns?“
„Doch“, antwortet Saskia, „doch Mama, ihre Kleider sind viel hübscher als unsere.“

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Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Mozart ist gestorben
Nun heißt es Abschied nehmen von Tildas Goldfisch
Schauspiel mit Musik
Theater Ansicht & IYASA (Simbabwe)
Ab 6 J., 50 Minuten

Autor, Regisseur: Flo Staffelmayr
 

Musikalische Leitung, Choreografie: Julia Meinx
Musikalische Einstudierung, Arrangement: Innocent Nkululeko Dube

Darsteller_innen: Lukas Lauermann, Cora Tiefenbacher-Alves
Chor: Alice Gurure, Cheryl Mabaya, Nkanyezi Ndlovu, Mbongeni Nxumalo

Musik: Lukas Lauermann
Bühne: Vincent Hendus
Kostüm, Maske, Ausstattung:  Lila Silvia Scheibelhofer

Dramaturgische Beratung: Christina Rauchbauer

Produktion: Agnes Zenker

Wann & wo?
Bis 11. April 2019 sowie
19. bis 22. Mai 2019

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

iyasa.net

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