Der Hase im Mond...

© Lilarum

Kiku
09/15/2019

Viel Raum und Zeit für eigene Bilder im Kopf

„Hase Mondphase“ im Figurentheater Lilarum sorgt bei manchen im Publikum für Verwirrung.

von Heinz Wagner

Noch bevor das jüngste Stück im Wiener Figurentheater Lilarum beginnt, erweckt es die Aufmerksamkeit vieler. Hinter dem roten Vorhang, der die Bühne verschließt, spielt sich offenbar einiges ab. Immer wieder scheint von der anderen Seite irgendwer oder irgendwas gegen die samtene gewellte Begrenzung zu stoßen, boxen oder was auch immer.

Spannender Beginn

Die Spannung setzt sich fort. Zum einen tauchen weiße Teile unter sowie zwischen dem Vorhang auf, zum anderen ein großer heller Kreis im rechten oberen Eck auf dem roten Untergrund. Da das Stück „Hase Mondphase“ heißt, ergibt sich praktisch von selbst, wofür der Lichtfleck steht. Und die nach und nach mehr werdenden Teile entpuppen sich als Ohren, Beine, Körper usw. eines weißen Hasen.

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Manchen fehlt eine Geschichte

Danach teilen sich die Geister der zusehenden Kinder. Wenig Action, fast keine Worte. So manche der jungen Zuschauer_innen vermissen lautstark eine Geschichte, beklagen die immer wieder auftauchende „Leere“. In Größe und Farbe wechselnde Vierecke sowie der weiße Hase, der im Schattenspiel natürlich auch schwarz wird, im Vordergrund groß und auf seiner Seiltanz-Reise zum Mond kleiner wird, wollen dem Publikum Raum und Zeit geben. Und (Gedanken-)Anstöße mit vielen Fragen – von „draußen oder drinnen?“, „hier oder fort?“, „da oder dort?“, „davor oder dahinter?“

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Wurmloch?

Im zweiten Teil nach der Pause verdoppelt sich auf einmal der Hase rund um eine wabbernde Spirale – eine Art Wurmloch in einem Paralleluniversum? Ja, es tauchen sogar weitere sechs fast idente Hasen auf. Sie vollführen einen Kreistanz, scheinen den Mond zu beschwören, sieben Hasen vertschüssen sich im Hintergrund, der Mond verfärbt sich und der „Haupthase“ – oder vielmehr ein Ebenbild oder Schatten von ihm – entschwindet mit der leuchtenden Kugel in lichte Höhen: „Jetzt bin ich dort und ihr hier!“

Aus der eigenen Fantasie sollen sie Bilder und Geschichten spinnen können. Darauf können sich nicht alle einlassen. Auch Erwachsene, die Kindern die sie begleiten, Hinweise geben, sich auf das eine oder andere zu konzentrieren, sich vielleicht Musik oder Bühnenbild herauszupicken und so weiter, wenden sich verdeckt dann doch lieber ihrem Smartphone zu.

Hintergrund

Im Programmzettel wird in einer Nebenbemerkung angesprochen, dass das was bei uns oft Mann im Mond genannt wird, in Ostasien als „Hase im Mond“ bekannt ist.

Hier dazu mehr, recherchiert auf Wikipedia: In Japan, China und Korea, aber auch im mittelamerikanischen Mexiko, dort auf aztekische Weisen zurückgehend, kursieren ähnliche Legenden. Der Hase – gemeinsam mit Fuchs und Affe, manchmal auch anderen Tieren – trifft auf eine als alten hungernden Mann verkleidete Gottheit. Während die anderen Tiere dem Alten Nahrung beschaffen, hat der Hase nichts anzubieten. Er ist aber bereit, sich selbst zu opfern und springt ins Feuer. Aus dem Rauch entsteht jenes Bild, das die jeweilige Gottheit als Andenken für diese aufopfernde Hilfsbereitschaft als dauerhaftes Bild in den Mond zeichnet.

Übrigens: Die Rover, die auf dem Mond cruisen und von chinesischen Sonden abgesetzt wurden heißen Yùtù – Jadehase.

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Hase Mondphase

Ein Figurenspiel von Andrea Gergely und Jan Jedenak
ca. ¾ Stunde, eine Pause

Regie: Jan Jedenak
Puppen: Andrea Gergely
Stimme: Markus Hering
Musik: Matthias Zykan
Piano: Phillipp Quehenberger
Aufnahme: Patrick Pulsinger / Feedback Studio
small percussion: Ilse, Romy, Josefine
Figurenspiel: Silke Graf, Johannes Grammel, Silvia Lenz, Werner Malli, Evgenia Stavropoulou-Traska; Licht: Rasha Ahmad

Wann & wo?

Bis 29. September 2019
Figurentheater Lilarum: 1030, Göllnergasse 8
Telefon: (01)/ 710 26 66
https://lilarum.at/hasemondphase.html

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