Das Salah Ammo Quartett

© Thaddäus Stockert

Kiku
11/09/2019

Mit einem Trick zur Gerechtigkeit

„Die Geschichte des kleinen Kadi“ im Wiener Musikverein könnte aus 1001 Nacht sein und begleitet vor allem musikalisch in den Orient.

von Heinz Wagner

Der Brahms-Saal im Wiener Muskikverein verwandelt sich dieses Wochenende in einen „Wunderkasten“ im Rahmen der Kindermusikreihe „Allegretto“. Im einstündigen Programm begleiten vor allem die vier Musiker des Salah Ammo Quartetts das Publikum in die Welt der orientalischen Märchen von Tausend und einer Nacht. Gespielt, musiziert und erzählt wird eine Geschichte von einem sehr reichen, diktatorischen und ungerechten Herrscher. Alles will er für sich, sogar einer älteren Frau nimmt er ihren Garten weg. Der für sie vor allem wegen der Erinnerungen an ihre Vorfahren, die auch schon diesen Garten pflegten, sehr wertvoll ist. Er vertreibt sie von ihrem eigenen Grund, nur um noch mehr Ländereien zu besitzen.

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Tiere weisen den Weg

Sophie Reyer hat die Story über einen sehr jungen, aber weisen Richter: „Die Geschichte des kleinen Kadi“. Qādī war ursprünglich im Arabischen der Begriff für einen islamischen Rechtsgelehrten, wurde später aber auch für weltliche Richter verwendet. Wir begleiten die vertriebene Frau bis sie schließlich bei dem schlauen Richter landet. Der verspricht ihr Hilfe, weiß aber den Weg zum Chalifa, dem ungerechten Herrscher nicht. Tiere deuten die eine oder andere Station auf diesem Weg an. Abenteuerlich ist die Reise, aber natürlich … - Happy End.
Der kleine Kadi umschmeichelt den Herrscher und trickst ihn listig aus. Wie? Hier soll nicht gespoilert werden ;)

Ein wenig willkürlich und weit, weit her geholt scheinen einige der vorkommenden Tiere. Beispielsweise scheint der Papagei wohl nur wegen seiner grellen Buntheit in der Gegend, in der seinesgleichen kaum leben, aufzutauchen. Und der Koboldmaki? Naja…

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Auch orientalische Instrumente

Der Namensgeber der vierköpfigen Musikgruppe singt und spielt Bouzouk (eine Art Laute). Peter Gabis, der mit ersterem die Musik für die einstündige Reise komponiert hat, fällt vor allem mit dem Spiel auf dem Hang, das ein bisschen aussieht wie eine umgedrehte WOK-Pfanne. Oscar Antoli bläst auf einer Klarinette und einer Bassklarinette und Pouyan Kheradmand spielt eine Art senkrecht gehaltener Gitarre in zackiger Form (Gheychak) sowie die Santur, die vielleicht ein wenig an eine übergroße Zither erinnert.

Mit den vier Musikern begleiten die Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin Valerie Klein sowie der Erzähler und phasenweise auch Schauspieler Alexander Medem (von ihm stammt auch die Idee) auf dieser Reise durch Wüsten und Urwälder bis in den Palast des Chalifa (genau, verwandt mit dem eingedeutschten Begriff Kalif). Und was könnte palastartiger wirken als der Brahms-Saal selber ;)

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Der Wunderkasten
Die Geschichte des kleinen Kadi

Ein musikalisches Märchen aus Tausend und einer Nacht
im Rahmen der Kinderkonzertreihe „Allegretto“ im Musikverein Wien

Idee, Regie, Erzähler und Schauspieler: Alexander Medem
Musik: Salah Ammo Quartett
Bouzouk, Stimme: Salah Ammo
Hang, Percussion, Obertöne: Peter Gabis
(Bass-)Klarinette: Oscar Antoli
Santur, Gheychak: Pouyan Kheradmand

Test: Sophie Reyer
Gesang, Tanz, Schauspiel: Valerie Klein

Ausstattung: Thaddäus Stockert

Wann & wo?
10. November 2019
11 und 16 Uhr
Musikverein, Brahms-Saal: 1010, Musikvereinsplatz 1
https://www.musikverein.at/jugend