Alles im selben Farbton

© Dominik Hajek

Kiku
11/07/2019

Künstliche Haare machen (junge) Leute

Performance „Open Hair Concert“: Gesang, Tanz, Schauspiel, Bodypainting und Haarschnitt rund um Beauty-Rausch im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Alles rosa. Teppich, Wände, schmale Bühne samt Treppe und die Haare. Praktisch alle Mitwirkenden tragen Perücken in diesen Farben. An einer Wand hängen viele weitere solche künstlichen Haarteile. Samt Kopfhörern. So ist gleich zu Beginn der einstündigen Performance zu vermuten, auch die Zuschauer_innen bei „Open Hair Concert“ werden später noch mehr in diese pinke Welt eintauchen (müssen/sollen).

Echt jugendlich

Pardon, es geht gar nicht um rosa oder pink. „Coral“ soll dieser Farbton heißen. Der aber genau in dem genannten Spektrum liegt. Und klar, es geht um Fashion, um Styling, ums Aussehen. Statt Kleider machen hier vor allem Haare Leute. Und doch nicht nur. Etliche Facetten, des sich „schön machens“ werden – über den ansonsten leer geräumten großen Saal des Theaterhauses Dschungel Wien angespielt, angesungen, angesprochen. Manche angetippt, andere immer wieder zur Sprache gebracht. Nicht krampfhaft auf jugendlich, sondern ziemlich authentisch. Weil die meisten der Mitwirkenden dieses Projekts Jugendliche, einige junge Erwachsene, sind und es in der Entwicklungsphase der Performance einige Workshops in Schulen gab.

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Insta-fit

Die jungen Akteur_innen – Schauspiel, Gesang, Akrobatik, Body-Painting, Hairstyling - lassen das Publikum teilhaben an der Jagd nach dem instagramable Look – von Gesicht über Frisur bis zum Outfit, nicht zuletzt den Schuhen. Begriffe wie V-Line schwirren durch den Raum, vom jugendlichen Publikum als Teil ihrer Sprache erkannt, von den (etwas) Älteren fast wie eine Fremdsprache aufgenommen. Stylen, Foto, posten. Aber ja nicht copy & paste. Unverwechselbar, einzigartig/unique sollte der Look sein.

Der österreichische Beauty-OP-Papst kommt in einem Video zu Wort, um über Herumdoktern, also fast den ultimativen „Schliff“ an Körpern zu reden.

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Pop bis Oper

Durchaus (schul-)alltägliche Situationen vom Nachmachen von Styles, eigenen kreieren, werden gespielt. Mal spielt sich in der einen, dann in einer anderen Ecke was ab. In einer werden beispielsweise live Haare geschnitten oder gestylt – an Mitwirkenden der Crew, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, aber auch willigen Besucher_innen. Musik und Gesang reichen von Pop und Hip-Hop bis zu Opern-Arien – gesungen im Schaukeln. Im wunderschönen Operngesang verpackt wirken sogar Zeilen wie „ich übergebe mich bei dem Gedanken, dich zu küssen“ fast herrlich.

Natürlich kommt, was sich angesichts der Wand mit vielen rosa/pink, ach natürlich Coral, Perücken schon anfangs angedeutet hat: Alle kriegen eine. Alle begeben sich unter die haarige Uniform-Haube. Wer das ablehnt, wird eher harsch angewiesen, dass müsse sein. Was – persönliche Anmerkung – mir egal war, bestenfalls verwendete ich die Perücke als eine Art Handpuppe.

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Einzigartig gleichförmig

Solchermaßen „nonkonformistisch uniformiert“ singen dann alle im Chor und der gemeinsamen Choreografie davon, unique zu sein.

Und das war’s dann. Klar, Zeigefinger und Moral von der Geschichte würde aufgesetzt wirken. Irgendwie bleibt die Performance aber doch ein wenig im übergroßen Spaß an der Jagd nach dem schönen Aussehen hängen. Klar, hin und wieder wird der Drang, die Sucht nach dem – äußeren - Schön-Sein durch den einen oder anderen Satz, eine Song-Zeile in Frage gestellt.

Aber wenigstens eine widersprüchliche Figur, die sich dem Beauty-Rausch entgegenstellt oder einfach entzieht, ein Bruch oder gar ein Twist gehen schon irgendwie ab. Ob eine/r das Mitmachen verweigert oder beispielsweise eine blinde Musikerin oder ein Sänger, der nichts sieht, und denen das Aussehen somit wahrhaftig egal wäre, hätten eine coole Ergänzung sein können, wären nice gewesen. ;)

Follow@kikuheinz

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Open Hair Concert
Tribut an die Schönheit
Theater Ansicht in Kooperation mit FH St. Pölten Medientechnik, Pop-Up-Salon: cut around the world, Austria’s Make Up School, Silent Disco und Dr. Artur Worsegg

Immersive Performance, ab 13 J., eine Stunde

Text und Regie: Flo Staffelmayr
Komposition und Musik: Julia Meinx

Mitwirkende:
Sänger_innen: Theresa Dunkl (Alex), Flo Staffelmayer, Ela zum Winkel, Diana Kantner (Oper)
Tänzer_innen: Ahmed Hashim, Sandra Petutschnig, Katia Steier
Bodypaint: Katharina Federer, Raphaela Hinterndorfer

Girly: Paula Fraunbaum
Mutter: Anna Gromova
Akrobat: Moritz Grossmann
Kim: Narisa Janko, Eli Seidler, Ela zum Winkel
Stimme gemeinsam mit Darsteller_innen: Saskia Klar
Friseur_innen: Hadi Mirzaei, Carmen Subota
Cora: Victoria Primus
Betty: Sara Schmiedl
Verkäuferin: Helene Sorger
Schönheitschirurg (im Video): Dr. Artur Worseg

Choreographie: Victoria Primus
Bühnenbild, Kostüm, Licht: Theresa Gregor
Kostüm, Bühnen-Assistenz: Teresa Gatterer
Bühnenbau: Vincent Hendus
Filmaufnahmen: Katharina Tesch, Dominik Hajek (FH St. Pölten)
Styling: Carmen Subota, Hadi Mirzai
Produktionsleitung: Susa Siebel

Wann & wo?
Bis 9. November 2019
15. Bis 17. Jänner 2020

Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

https://www.theateransicht.at/

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