Kiku
25.12.2018

Fuchs vor Phönixtochter und mehr als ein Sommerhit

Kinder und Jugendliche wählen in den Jurys der jungen Leserinnen und Lesern ihre Buch-Favoriten.

„Weil es sehr literarisch ist und man über vieles nachdenken muss!“, so lautet die Begründung für die Wahl von „Mein Freund Pax“ zum Favoriten der jüngsten Gruppe der Jury der jungen Leser_innen (10 und 11 Jahre). Melissa Griesebner formulierte die Begründung. Johanna Rindler schwankte ja zwischen diesem Buch von Sara Pennypacker über die tiefe Freundschaft zwischen dem Jungen Peter und dem Fuchs Pax und einem anderen Buch: „Fayra – Das Herz der Phönixtochter“ von Nina Blazon. „Die Wahl war für mich echt schwierig“, meinte Rindler, die Blazons Fantasy-Roman bevorzugte. „Aber dann hat mich das Schriftstellerische von Pax doch überzeugt.

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Fuchs-starke Freundschaft

Das Spannende an dieser Tier-Mensch-Freundschaft, das sie von den meisten anderen abhebt ist, dass die beiden zwangsweise voneinander getrennt werden und doch über weite Distanz wie verbunden wirken. Alles auf sich nehmen, um wieder zueinander zu kommen, auf diesem Weg aber selber eigene Weiterentwicklungen durchmachen – und am Ende beim Wiedersehen einander sozusagen die Freiheit geben. Und so „nebenbei“ werden Schrecken von Kriegen ganz ohne Zeigefinger eingestreut behandelt – siehe Buchbesprechung hier

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Drei Favoriten

Die nächst-ältere Buch-Jury-Gruppe (12/13: Marion Rindler, Raphael Gajdusik, Johannes Schrimpf) entschied sich letztlich für „Am Ende des Sommers“ (Yumuto Kazumi, Baobab Books). Auch hier war die (Aus-)Wahl nicht so einfach, wie die jungen Juror_innen, dem Kinder-KURIER anvertrauen. Hier ritterten gar drei Bücher um den Titel. Neben dem Genannten noch „Tintenblaue Kreise“ (Michael Roher, Verlag Luftschacht) und „Hochgradig unlogisches Verhalten“ (John Corey Whaley, Hanser Verlag).

Letzteres handelt von einem Jungen, der Panikattacken hat, wenn er das Haus verlässt und sich am wohlsten fühlt, wenn er nicht raus muss. Was und wie ihn eine Freundschaft dazu bewegt, doch seinen bequemen goldenen Käfig zu verlassen, „das ist so geschrieben, dass man sich das sehr gut vorstellen kann“, beschreibt Johannes Schrimpf, für den dies der Buchfavorit war.

„Tintenblaue Kreise“ malt „Biene“ (Sabine) Beere mit einem Kugelschreiber auf den Arm, will sie doch später Tätowiererin werden. Alles läuft locker-flockig dahin bis Beere erfährt, dass sein Sohn ein Herzleiden hat und operiert werden muss …

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Glaubwürdig, intensiv und Einblicke in japanische Kultur

Letztlich einigten sich das Trio aber auf den erstgenannten Roman, eine Geschichte „wie aus dem Leben gegriffen. Langsam, sanft und elegant geleitet es den Leser durch die Lebensgeschichte von drei jungen Leuten, die mehr oder weniger behütet aufwachsen. Man kann geradezu mitansehen, wie alle Figuren wachsen, sich entwickeln und reifer werden. Ich mochte diesen Reifeprozess, der sich durch die ganze Geschichte zieht, sehr gerne“, formulierte Raphael Gajdusik bei der Preisverleihung der Jury der jungen Leser_innen. „Rührend fand ich auch, wie sich die drei Kinder um den alten Mann kümmerten. Das Buch ist so glaubwürdig und intensiv geschrieben, dass ich am Ende das Gefühl hatte, den geschilderten Sommer miterlebt zu haben... Schön ist auch der besondere Einblick, den man durch dieses Buch in die japanische Kultur bekommt.“

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Sprachverspieltes, poetisches Bilderbuch

„Das Smon Smon lebt auf dem Planeten Gon Gon.“ So beginnt das von der Bilderbuchjury gekürte Siegerbuch von Sonja Danowski aus dem NordSüd-Verlag. Alles was die Buchtitel-gebende Figur „Smon Smon“ hat und worauf es trifft, reimt sich auf diesen Namen, ob es sein letztes Ron Ron ist, das es neben sein Won Won an ein Lon Lon hängt und mit einem Ton Ton davon schwimmt, oder die großen Pon Pons bzw. die kleinen Klon Klons sind, zu denen es kommt. „Es ist einfach ein komplett anderes Bilderbuch“, fand die Bilderbuch-Jury.

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Viel, viel mehr als ein Sommerhit

Auch ein Bilderbuch, ein fast 100-seitiges mit fotorealistischen Gemälden, schuf Maurizio A. C. Quarello (Verlag Jacoby Stuart). Die Art der Bebilderung passt zur Geschichte, hat „Bella Ciao“ doch einen realen Hintergrund. „Tschüss, Schöne“ war ursprünglich ein Lied über die Arbeit von Frauen auf Reisfeldern (vor mehr als 100 Jahren). Mitte des vorigen Jahrhunderts, im zweiten Weltkrieg, in der Zeit der faschistischen Diktatur in Italien, wurde es zum Kampflied der demokratischen Kräfte. Die Großeltern des Autors/Illustrators dieses Buches erlebten den Überfall deutscher Truppen auf ihren Bauernhof in Norditalien. Den Auf- und Widerstand der antifaschistischen Partisan_innen mit dem das Lied „Bella Ciao“ engstens verknüpft ist erzählt dieses Buch – ausschließlich in einer Art Bildroman. Damit führt es zum bekannten Sinn des Liedes zurück, der heuer durch El-Profesore-Remixes des Songs in der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ zum eher sinnentleerten Hit wurde.

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Erinnerungen

Dieses wurde von der Jury der jungen Kritiker_innen (Nikola Pilsel, Lea Gajudsek, Jacqueline Kanta, Tobias Rindler, 16 – 22 Jahre) ausgewählt. Diese Jugendlichen wählten aber auch noch ein üppig-textliches Buch („Der Koffer“ von Robin Roe, königskinder-Verlag) aus. Viel mehr als Erinnerungen in einem Koffer sind Julian nicht geblieben, dessen Eltern bei einem Autounfall gestorben sind und der nun bei einem fürchterlichen Verwandten aufwachsen muss.

Buchdiskussionen

Die Diskussionsrunden finden an fixen Tagen im drei- bis vier wöchigen Rhythmus und nach Vereinbarung, statt. Dauer in der Regel 1 ½ bis 2 Stunden
LiteraturRaum Wien: 1040. Viktorgasse 12a/7

Einstieg jederzeit möglich
Information und Anmeldung:
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