Eine Schauspielerin und zwei Schauspieler auf einer stufenförmigen Bühne

Szene aus "Fight Club Fantasy" im Wiener Kosmos Theater - als Online-Stream

© Bettina Frenzel

Kiku
02/18/2021

Fight Club Fantasy: Kultbuch und -film als verfremdetes Online-Theater

Wiener Kosmostheater streamt Online-Aufführung ergänzt um filmische Elemente nach dem Roman von Chuck Palhaniuk.

von Heinz Wagner

Obwohl schon der Roman „Fight Club“ von Chuck Palahniuk vor fast 25 Jahren Kult war, wurde die Story über kampf- und schlägerwillige Typen wenige Jahre später durch die Verfilmung mit Brad Pitt überlagert. Überall schossen Fight Clubs aus dem Boden. Hingehen, um sich zu schlagen und auch geschlagen zu werden. Eine Form toxischer Männlichkeit.

Dabei, so beschreibt der Autor im Vorwort einer fast zehn Jahre späteren Auflage, sei es ihm in der Kurzgeschichte, die die Basis für den späteren Roman war, gar nicht so sehr um die Kämpfe und diese Klubs gegangen, sondern um einzelne Storys über Szenen und Typen. Wurde auch, so beschreibt Palhaniuk, von vielen als Liebesgeschichte gesehen, andere interpretierten sie als Hymne auf Homosexualität.

Wie auch immer, das Wiener Kosmostheater und die Gruppe „wirgehenschonmalvor“ zeigen nun – online – ihre aus einem Stück zu einer Theateraufführung mit filmischen Elementen umgebaute Version „Fight Club Fantasy“. Es ist der letzte Teil der Theater-Trilogie von wirgehenschonmalvor rund um (toxische) Maskulinitäten. Dieser Teil wühlt in einer Art Sehnsucht nach Männerbünden und gräbt nach den Wurzeln des weißen Terrors. Wo gehen die Angry Lost Boys unserer Gesellschaft verloren? Wo schlägt Schmerz in Lust und in weiterer Folge in blanke Zerstörungswut um?

Und doch wirken die eineinhalb Stunden mehr als Switchen zwischen gewaltbetonten Szenen und einer Sehnsucht nach Zuwendung und sogar Zärtlichkeit, eigentlich auch einem Spiel von Realität und Traum oder Fiktion.

Wobei ja schon der Ausgangspunkt, der Roman, ein wenig damit spielt. Denn, so die wohl am berühmtesten gewordenen Zeilen aus dem Buch: „Regel Nr. EINS beim Fight Club: Man redet nicht darüber. Regel Nr. ZWEI beim Fight Club: Man redet nicht darüber.“ Und dann redet/schreibt der Autor fast 250 Seiten darüber ;)

Verstärkt wird das fast Verschwimmen der Grenzen zwischen real und virtuell durch das gegenwärtige Format, dass Theater schon wieder einmal nur online gestreamt werden kann. Das reale, analoge, Live-Erlebnis in einem gemeinsamen Raum, wo jede Vorstellung auch von der Energie zwischen Spielenden und Publikum lebt, zurückgeworfen auf die flache, zweidimensionale Ebene eines Bildschirms, wo vielleicht nebenbei auch noch reinkommende Mails, Social-Media-Nachrichten usw. ablaufen.

Follow@kikuheinz

Fight Club Fantasy
nach dem Roman von Chuck Palahniuk
Koproduktion wirgehenschonmalvor & Kosmos Theater

Regie: Matthias Köhler
Es spielen: Hanna Binder, Thomas Frank, Nicolas Streit

Bühne: Thomas Garvie
Kostüme: Ran Chai Bar-zvi
Musik: Eva Jantschitsch
Dramaturgie: Anna Laner
Licht: Dulci Jan
Video/Schnitt: Jan Zischka
Ton: Robert Bastecky & Karl Börner
Produktionsleitung: Miriam Lesch
Regieassistenz: Elena Höbarth

Wann & wo?
On demand: Bis 20. Februar
Kosmos-Blog:
kosmostheater - Fight Club Fantasy

events.at -> Fight club Fantasy

Preis: Pay as you wish!

Chuck Palahniuk
Fight Club
Roman
Ca. 250 Seiten
Goldmann Verlag
Taschenbuch: 10,30 €
eBook (ePUB): 8,99 €
Hörbuch (Download; gekürzte Lesung mit Tobias Meister): 7,95 €

Zu einer Leseprobe geht es hier

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