© Heinz Wagner

Kiku

Ein Bilderbuch über die Reise zu Zielen

Start-Stipendiat_innen zeichnen und malten über Wege zu hohen Gipfeln und in ferne Galaxien.

von Heinz Wagner

06/03/2018, 06:26 PM

„Nicht diejenigen, die die gleiche Sprache sprechen, sondern diejenigen, die die gleichen Gefühle teilen, können einander verstehen.“ So betitelte Saida Rezai ihren Bildzyklus, in dessen Mittelpunkt ein Elefant und ein Kind stehen. Eindeutig völlig geborgen fühlt sich das Kind in jedem der Bilder, die eine weite Reise zeigen, auf dem Rücken des Elefanten. „Ich liebe Elefanten, für mich stehen sie auch für Indien und ich liebe indische Kultur“, so die jugendliche Zeichnerin zum Kinder-KURIER. Am Ende, im achten Bild, liegt das Kind nach Überwindung eines Berges, in (s)einem Bett. Ob der Elefant es hier sanft abgelegt hat, oder das Kind vielleicht auch die ganze Reise nur geträumt hat? „Das bleibt jeder und jedem selbst überlassen“, meint die junge Künstlerin, die natürlich selbst schon eine Vorstellung hat. „Aber das soll sich jede und jeder selber ausmalen!“

Internationale Jugendliche

13 Jugendliche des jüngsten Wiener Start-Stipendien-Durchgangs haben in einem einwöchigen Workshop in der „Zeichenfabrik“ (künstlerische Aus- und Weiterbildungsstätte in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus) mit Ana Paola Castro Villegas an Bildzyklen gearbeitet. „Zuerst haben wir alle möglichen Zeichen- und Maltechniken ausprobiert – Monotypien, Stempel, Collagen, mit Bleistiften und Bunstiften zeichnen, mit Aquarellfarben malen...“, beginnen einige der Schüler_innen mit Migrationsgeschichte, die über das genannte Stipendienprogramm gefördert werden, zu schildern. „Wir haben auch über das gemeinsame Thema geredet, eine Reise zum Planeten Mars und eine andere Galaxie über den Mount Everest.“ Deshalb finden sich in fast allen der 13 Bildzyklen Berge. Aber die Berge stehen nur für einerseits ein Ziel, aber auch für Anstrengung und Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, um dorthin – oder/und darüber hinaus – zu kommen.

Nach Vorskizzen machten sich die 13 Jugendlichen dann an ihre Werke – höchst unterschiedliche sind trotz gemeinsamen Themas dabei herausgekommen. Aus den Bildern, die bewusst ohne Worte auskommen, um sprachliche Barrieren erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist ein buntes Bilderbuch – neudeutsch „Silent Book“ - entstanden, „Die Reise“. (Es kann beim Verein Start-Stipendien bestellt werden, Infos siehe unten.) Das eingangs zitierte Motto von Saida Rezai steht ebenso am Ende wie die Kurzgedanken der anderen jungen Künstler_innen. „Die haben wir uns aber erst ausgedacht, nachdem wir mit dem Zeichnen und Malen fertig waren“, sagen die KiKu-Gesprächspartner_innen fast im Chor. Die Originale waren bei der Buchpräsentation in der „Fabrik“ ausgestellt.

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Was ist schon klettern... ?!

Ahmed Reshad Shirzael konnte für seinen Zyklus auf eigene Klettererfahrungen in Vorarlberg zurückgreifen. „Dort hab ich das erst gelernt, aber es war nicht so schwer. Auf meiner Flucht aus Afghanistan hab ich ja schon vieles durchgemacht, da war das Klettern dagegen eher leicht.“ Seine Bilder zeugen vor allem von einem Pragmatismus. Er zeichnete und malte, „was man halt so braucht, von der warmen Jacke über ein Zelt, eine Taschenlampe, ein Messer, Zündhölzer, was zu essen, einen Schlafsack, warme, hohe Schuhe, ein GPS-Gerät...“

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Immer wieder aufstehen

Einen Pragmatismus anderer Art legte Sana Molhm in ihre Bilder. Das Mädchen in ihrer Bildgeschichte geht mit einem Hund los, sie stürzen von einem der Berghänge ab, der Hund stirbt. „In der Nacht träumt sie aber davon, wie sie als kleines Kind gehen gelernt hat. Dabei ist sie immer wieder hingefallen, aber jedes Mal aufgestanden. So hat sie nach dem Aufwachen gewusst, sie kann es schaffen, ihr Ziel trotzdem zu erreichen“, erklärt sie die Geschichte hinter ihren Bildern. „Aber das ist auch meine Methode im echten Leben“, vertraut sie dem Kinder-KURIER an.

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Kraft aus der Natur

Ihre Kraft und Energie holt sich Samira Hemati aus der Natur. „Zum Glück geh ich aufs Schulschiff, da hab ich gleich vor der Schultüre die Donauinsel. Schon am Weg in die Schule geh ich in der Früh zehn Minuten durch die Natur, Freistunden verbringe ich auch draußen und lerne dort.“

Ein Plädoyer für Eigenständigkeit und Anderssein zeichnete Nour Laila. Ihre rosa Schlange entfernt sich von ihren Artgenoss_innen und macht sich allein auf den Weg.

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Kontroversen interessieren mich

Zuerst hatte Yunadi Baydulaev einen Planeten aus Schokolade und „das Portal, das zu diesem führt, hat mich an den Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und Willy Wonka, eine der Hauptfiguren, erinnert. Zu der Zeit war in den Medien aber immer viel von Kim Jon Un und seinen Raketen die Rede.“ Und weil den Burschen „kontroverse Themen sehr interessieren“, trifft die witzige Figur vom Beginn nach dem Portal auf den nordkoreanischen Diktator.

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Süßes Universum

Schokolade spielt auch eine wichtige Rolle in der Bildergeschichte von Munira Mohamud. Eine grüne Schlange fliegt mit einer Rakete ins Weltall. Das Raumfahrzeug ist jedoch aus Schokolade und explodiert als es der Sonne zu nahe kommt. Die speibt übrigens Süßigkeiten. Die ins All geschleuderte Schlange landet auf dem Rücken eines Pferdes und kommt so zum Gipfel des hohen Berges, der von einer Wolke aus rosa Zuckerwatte umgeben ist.

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Infos: Das Buch

Die Reise
„Silent Book“ mit Bildzyklen von 13 Start-Wien-Stipendiat_innen
Gegen eine Druckkostenbeitrag von 10 € zu beziehen über:

www.start-stipendium.at

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Fotostrecke von der Buchpräsentation mit Ausstellung

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