Kiku
04.11.2018

Arigato an japanische Kunst

„Faszination Japan“ – Kinder und Jugendliche auf den Spuren alter Meister, die sich aus dem Fernen Osten inspirieren ließen.

Sushi, mit Stäbchen essen, Tee, Kimono – diese Dinge fallen den jungen und jüngsten Gästen der Ausstellung Faszination Japan im Kunstforum auf der Wiener Freyung spontan ein, als sie mit Isabell von der Kunstvermittlung vor Scherenschnitten (Katagami) im Halbkreis sitzen, knien, hockerln. Auf einer Weltkarte aus Stoff können so manche von ihnen die Inselwelt Japans im fernen Osten orten.

Bevor Sonja, Sara, Sophia, Julian, Maximilian, David, Vera, Zoë, Oona, Marius, Gloria-Sophia, Fabian, Leni, Cathi oder Ah-In und noch etliche weitere Kinder später im Atelier im Untergeschoß des Kunstofrums auf der Wiener Freyung selbst künstlerisch tätig werden (dazu später), schauen sie sich noch unterschiedliche Werke mehr oder minder bekannter Künstler (wenige Frauen darunter) in der Ausstellung „ Faszination Japan“ an.

In der Ausstellung

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Viele Große ließen sich inspirieren

Ob Van Gogh oder Klimt, Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Edvard Munch – sie und noch viele ihrer Kollegen - ließen sich vor rund 100 Jahren von japanischer Malerei und Kunst anregen. Zuvor hatte sich der auf fast 7000 Inseln verteilte Staat (in der Landessprache Nippon oder Ni-hon/Tag, Sonne bzw. Wurzel, Ursprung) über mehrere Jahrhunderte vom „Rest“ der Welt abgekapselt. Die Inspiration sorgte bei den genannten, bekannten Kunstschaffenden zumeist aber für die Entwicklung eines eigenen Stils – angeregt von Kunst aus dem Fernen Osten, aber eben doch eine eigene „Handschrift“ entwickelnd.

Nicht nur der Stil, auch Motive werden von den jungen Ausstellungsbesucher_innen begutachtet – von Kranichen über Schildkröten bis zu Ratten, die für Gesundheit und Glück stehen bis zu Geistern – und Gruselgeschichten. Von solchen ließ sich beispielsweise die moderne Künstlerin Stephanie Pflaum inspirieren und schuf eines von drei „Teehäusern“ für die aktuelle Ausstellung – das nur von außen zu besichtigen ist, aber doch gruselig wirkt.

Und vor einer Vitrine mit einem blauen Winterkimono mit aufgemalter Landschaft packte die Kunstvermittlerin aus ihrer „Schatzkiste“ zwei Kinderkimonos aus, die manche anprobieren konnten.

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Selber malen, ritzen, drucken

Neben den oben schon erwähnten Scherenschnitten, sind Tusch-Malereien und nicht zuletzt gedruckte Bilder von Holzschnitten für japanische Kunst charakteristisch. Und diese dienten als Anregung für Techniken, mit denen die Kinder am „Bunka no Hi“ (Tag der Kultur) am 3. November im Atelier werkten.

Mit Pinsel und Tusche malten Kinder und Jugendliche Unterschiedlichstes. Manche versuchten von Vorlagentabellen auch japanische Schriftzeichen abzumalen. Wobei es verschiedene gibt. Kanji kommen aus der chinesischen Schrift und stehen meist für einen ganzen Wortstamm wie Leben, Mensch, Baum usw. Darüber hinaus gibt es die Silbenschriften Hiragana und Katakana. (Heutzutage wird oft auch das lateinische Alphabet benutzt und Rōmaji genannt.)

Fotos aus dem Atelier (2)

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Vielschriftig

Andere malen mit Tusche ihren Namen oder kleine Bilder, einige arbeiten dabei äußerst auffällig konzentriert und geduldig wie beispielsweise eine Julia. Andere nutzen ihre eigenen vielfältigen Sprach- und Schriftkenntnisse wie Ah-In. Sie, die unter anderem mit Koreanisch in Wien aufwächst, hat zusätzlich noch einige chinesische Schriftzeichen aus einer Buchreihe gelernt, die sie nun mit Tusche auf ein Blatt malt: Zahlen von 1 bis 10 und dazu die Zeichen für 100 und 1000 sowie die für Mensch, Leben, Zähne, König, Nacht, Name und Nachname und einige mehr.

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Online-Übersetzung ;)

Julian will was Spannendes schreiben, Maximilian sucht für ihn am Smartphone in einem Übersetzungsprogramm den Titel des Videospiels „The Legend of Zelda“ heraus, dessen Zeichen er nun vom Handy-Bildschirm abmalt. Na, hoffentlich stimmt’s denn dieses wohl gängigste Online-Übersetzungs-Werkzeug macht aus dem sehr bekannten japanischen Begriff „Bunka no Hi“ für den Feiertag, an dem Kulturpreise vergeben, Museen kostenlos besucht werden können und viele Kulturveranstaltungen stattfinden, „ Bambusnudeln“ anstelle von „Tag der Kultur“.

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„Holzschnitt“ vereinfacht

Neben Tuschemalereien und Stempeln mit japanischen Schriftzeichen dienen auch die Holzschnitte als Inspirationsquelle für die Arbeit im Atelier. Isabell und Alistair zeigen die einfachere, schnellere und obendrein verletzungssicherere Variante, weil das Schnitzen von Vorlagenbilder in Holz doch recht aufwändig – und nicht ganz ungefährlich – wäre. Die klein zurecht geschnittenen Dämmplatten lassen sich sogar mit gewöhnlichen Bleistiften einritzen. Blumen, Häuser und was auch immer den jungen Künstler_innen einfällt ritzen sie in die Platten. Ist ihr Bild fertig, schmieren sie es mit breiten Pinseln mit Farbe ein und pressenden eingefärbten Druckstock auf ein Blatt Papier. Ist der – in diesem Fall Negativ-Abdruck – noch stark feucht gefärbt, kann er schnell auf ein weiteres Blatt noch einmal gedruckt werden, womit sich dasselbe Bild ergibt wie auf der Styrodur-Platte.

Fotos aus dem Atelier (1)

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Was ist mit Mangas?

Was eigentlich ein bisschen abgeht bei der „Faszination Japan“-Ausstellung ist ein Bogen zur Jetztzeit. Seit einigen Jahren sind insbesondere Kinder und Jugendliche von Mangas derart fasziniert, dass einige sogar beginnen, Japanisch zu lernen. Am schon erwähnten „Tag der Kultur“ wird in Japan übrigens unter anderem der Tag der Manga begangen als offizielle Anerkennung von Manga als Bestandteil der Kultur ;)

Übrigens: Das japanische Arigato heißt nichts anderes als Danke.

Infos: Was? Wann? Wo?

Nächstes Kinder-/Familienprogramm im Rahmen der Ausstellung im Kunstforum:
Shichi-Go-San (7–5–3)

Im Japanischen gibt es etliche unterschiedliche Zahlworte, je nachdem ob Menschen, Tiere, Gegenstände usw. gezählt werden. Die genannten stehen für Lebensalter von Menschen. Bei diesem Programm wollen die Kunstvermittler_innen zeigen, wie Kinder in Japan leben und was typisch für ihre Kultur ist. Alle Sieben-, Fünf- und Dreijährigen können sich ein kleines Geschenk abholen.
15. November 2018, 15 bis 16 Uhr

Kunstforum Wien: 1010, Freyung 8
Telefon: (01) 537 33 26
kunstforumwien

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