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Gesund
05/01/2019

Zecken: Wie ein Experte ihre heurige Aktivität beurteilt

Früher Start. Schon im März waren die ersten dieser Spinnentiere aktiv. 2019 könnte ein intensives Zeckenjahr werden.

von Ernst Mauritz

Wer derzeit in seinem Umfeld das Thema „Zecken“ anspricht, hört oft, dass es heuer besonders schlimm sein soll. Nach dem „Zecken-Superjahr“ 2018 sollte die Zeckenpopulation 2019 allerdings im langjährigen Mittelfeld liegen: „In unserer täglichen Arbeit erkennen wir aber keinen Unterschied zu den vergangenen Jahren. Wir sehen nach wie vor sehr viele Zecken“, sagt der Parasitologe Georg Duscher von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „Natürlich gibt es lokale, oft sehr kleinräumige Unterschiede.“ Entscheidend sei aber, dass generell „eine Tendenz nach oben“ zu beobachten sei.

Dies habe mit der Klimaveränderung zu tun, wobei diese mehrere Effekte habe: „Zecken sind ab fünf bis sieben Grad Celsius aktiv. Natürlich führen längere warme Phasen dazu, dass sie sich besser entwickeln können." Aber auch Wirtstiere wie Rehe und kleine Nagetiere sind länger aktiv. „Das erleichtert den Kontakt.“ Gleichzeitig finden Rehe auch in höheren Lagen etwas zum Fressen – und transportieren Zecken so in höhere Regionen.

Im Vorjahr wurde im Herbst in der Nähe von Melk, NÖ, von einer Reiterin auf ihrem Pferd erstmals ein Exemplar einer Riesenzecke (Hyalomma) entdeckt (siehe Bild unten). Sie kommt üblicherweise in tropischen bzw. subtropischen Gebieten vor und kann das Zeckenfleckfieber und das Krim-Kongo-Fieber übertragen – in Spanien gab es im Vorjahr einen ersten derartigen Fall. Eingeschleppt werden sie im Nymphenstadium durch Zugvögel, möglicherweise in Österreich im Frühjahr des Vorjahres. „Normalerweise ist es dann bis Herbst zu kurz, dass sich sie zu einem erwachsenen Tier entwickeln. Aber im Vorjahr war es relativ lange recht mild.“ Erwachsene Tiere seien am unempfindlichsten und könnten einen Winter überleben.

Wer eine solche große Zecke mit gestreiften Beinen sieht, soll sie an Georg Durscher schicken, der sie dann auf Erreger untersucht.

Übrigens: Der Gemeine Holzbock lässt sich von Gräsern und Sträuchern abstreifen – seine Opfer erkennt er am Geruch, an der Körperwärme und am ausgeatmeten Kohlendioxid. Die tropische Riesenzecke orientiert sich auch am Geruch, krabbelt aber aktiv in Richtung eines Wirts – und kann mit ihren Augen auch optische Reize wahrnehmen.

Mit 154 in Spitälern behandelten Fällen gab es 2018 die höchste Zahl an FSME-Fällen der vergangenen zehn Jahre in Österreich. Noch bis 31.8. ist Impfstoff verbilligt in Apotheken erhältlich (35,80 Euro für Erwachsene, 31,30 Euro für Kinder).

Kontakt: Georg Duscher, VetMed Uni Wien, 1210 Wien, Veterinärplatz 1, Anfragen per eMail an: georg.duscher@vetmeduni.ac.at