En Holzbock-Weibchen auf der Suche nach Nahrung.

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Gesund
02/26/2019

Negativrekord: So viele Zecken-Opfer wie schon lange nicht

Hirnentzündung FSME: 154 Menschen mussten ins Spital, fünf starben. Ursache war nicht nur der heiße Sommer.

von Ernst Mauritz, Katrin Solomon

Erinnern Sie sich? Ein „Zecken-Superjahr“ prognostizierten Anfang 2018 Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Und sie behielten recht. Das zeigt sich jetzt auch an den Fallzahlen der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME: 154 Patienten, die 2018 stationär in Spitälern aufgenommen wurden, bedeuten einen negativen Rekordwert (siehe Grafik) wie seit Jahren nicht mehr. In den vergangenen zehn Jahren wurde sonst nur einmal die Zahl von 100 stationären Patienten überschritten.

Besonders tragisch: Fünf FSME-Patienten (alle älter als 50 Jahre) starben an den Folgen einer schweren Gehirnentzündung. In durchschnittlichen Jahren sind es 0 bis 2 Todesfälle. Diese Zahlen hat jetzt das Zentrum für Virologie der MedUni Wien in seiner neuesten Virusepidemiologischen Information veröffentlicht.

„Der jüngste Patient erkrankte im Alter von 3 Jahren, der älteste war 85 Jahre alt“, schreiben Isabel Santonja, Heidemarie Holzmann und Karin Stiasny in ihrem Bericht über die FSME- Situation 2018. Mehr als die Hälfte der FSME-Patienten waren älter als 50 Jahre, je rund 20 Prozent waren Kinder unter 15 Jahren sowie 15- bis 20-Jährige.

Viele schwere Fälle

Die Hälfte der Patienten hatte einen leichteren Verlauf, mit einer Hirnhautentzündung (Meningitis), die zwar Fieber und Kopfschmerzen verursacht, in der Regel aber folgenlos ausheilt.

Doch bei 77 Patienten gab es einen schweren Krankheitsverlauf mit einer Gehirnentzündung. Abgesehen von Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen kann es hier auch zu neurologischen Funktionsstörungen wie Sprach- oder Sehstörungen kommen. Bei zehn Patienten traten 2018 auch Lähmungserscheinungen auf. Sechs mussten wegen bleibender Beeinträchtigungen an eine Rehabilitationseinrichtung überstellt werden. Virologin Heidemarie Holzmann zum KURIER: „Derartige Beeinträchtigungen können über Monate und auch Jahre andauern – und auch dauerhaft bleiben.“

Dass der Anstieg der FSME-Fälle in Österreich geringer ist als in vielen anderen Staaten liegt an der relativ hohen Durchimpfungsrate: „82 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfung. Regulär geimpft – also Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungen im korrekten Intervall – sind 62 Prozent“, sagt Impfexperte Michael Kundi vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose (Erreger sind Bakterien, die Borrelien) hilft die FSME-Impfung allerdings nicht.

Prognose für heuer

Für heuer erwartet Franz Rubel vom Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Wien „ein durchschnittliches Zeckenjahr“. Ein Grund: 2017 war (im Gegensatz zu 2016) kein Buchenmastjahr, dadurch standen weniger Bucheckern als Nahrungsangebot für kleine Nagetiere, vor allem Mäuse, zur Verfügung. Dadurch aber gab es 2018 weniger Mäuse als Zwischenwirte für die Zeckenlarven – und heuer entsprechend weniger Nymphen, das nächste Entwicklungsstadium. Die FSME-Fälle werden aber trotzdem auf einem hohen Niveau bleiben, sagt Rubel.

Auffällig ist, dass im Vorjahr Oberösterreich besonders stark betroffen war, vor allem das Grenzgebiet zu Bayern, betont Holzmann. Und: Durch die Klimaerwärmung dehnen sich die Gebiete mit FSME-verseuchten Zecken nach Westösterreich und auch in höhere Lagen (bis 600, 700 Meter) aus.

Sobald es mehrere Tage fünf bis sieben Grad hat, suchen die Spinnentiere nach Nahrung in Form von Blut. Zwar traten im Vorjahr die meisten FSME-Erkrankungen in den warmen Sommermonaten auf: Die ersten Fälle gab es aber schon im April – den letzten Anfang Dezember. Holzmann: „Es existiert keine spezifische Therapie, der beste Schutz ist die vorbeugende Impfung.“

Impfstoff: Aktion bis Ende August

  • Apotheken: In den Apotheken kosten die Impfstoffe (rezeptpflichtig) bis 31.8. verbilligt 35,80 Euro für Erwachsene und 31,30 Euro für Kinder. Die Gebietskrankenkassen schießen im Schnitt 4 € zu, die BVA und KFA Graz  16 €, die KFA Salzburg sogar 22 €.
  • Öffentliche Impfstellen: In den Impfstellen der Stadt Wien z. B. kostet die FSME-Impfung für Erwachsene 18,10 €, für Kinder 16,60 €. Adressen und Öffnungszeiten finden Sie hier.
  • Impfschema: Drei Teilimpfungen für die Grundimmunisierung (ab vollendetem ersten Lebensjahr), erste Auffrischung nach drei Jahren, danach bis 60 alle fünf Jahre (oder Antikörpertiter kontrollieren). Ab 60 alle drei Jahre auffrischen.