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Gesund
07/21/2019

Was gebrochene Herzen mit Krebs zu tun haben könnten

Das Broken-Heart-Syndrom wurde bisher vor allem auf emotionale Ausnahmeereignisse zurückgeführt. Doch jetzt gibt es eine neue Spur.

Es sind Symptome wie bei einem akuten Herzinfarkt: Heftige Schmerzen und ein beklemmendes Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit, Angstgefühle: Das sogenannte "Broken Heart Syndrome" (auch Takotsubo-Syndrom bzw. "Stress-Kardiomyopathie" ist eine schwere, mitunter lebensbedrohliche Herzerkrankung, die häufig nach emotionalen Ausnahmesituationen auftritt. Es kann ebenso wie bei einem Herzinfarkt zu Gefäßverengungen und Durchblutungsstörungen kommen, allerdings nicht durch Gefäßverkalkung.

Neuer möglicher Zusammenhang

Bisher wurde dieses Syndrom hauptsächlich in Zusammenhang mit großen emotionalen Belastungen wie Trauer, Wut, Angst, aber auch Freude gesehen. Jetzt zeigt sich einer neuen Studie aber ein bisher nicht bekannter, weiterer möglicher Zusammenhang:

Einer von sechs Patienten ist auch an Krebs erkrankt. Am häufigsten war Brustkrebs, gefolgt von Krebserkrankungen des Magen-Darm-Systems, des Atemtrakts (z.B. Lungenkrebs), der inneren Geschlechtsorgane und der Haut.

Ein eindeutiger Beweis für eine tatsächliche Wechselwirkung ist diese Studie zwar nicht: Aber sie ist jene Untersuchung, die bisher die meisten Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang liefert.

Die Forscher untersuchten 1604 Patienten mit Broken-Heart-Syndrome, 267 davon hatten Krebs. Auffällig war: Die Krebspatienten hatten deutlich seltener einen emotionalen Auslöser für ihre Herzerkrankung gehabt als dies normalerweise der Fall ist.

Menschen mit Broken Heart Syndrome sollten deshalb auch auf mögliche Krebserkrankungen hin untersucht werden, sagt Erstautor Christian Templin von der Klinik für Kardiologie im Universitätsspital Zürich in einer Mitteilung der American Heart Association. "Und unsere Studie sollte auch das Bewusstsein unter Onkologen und Hämatologen erhöhen, dass man bei Krebspatienten mit Brustschmerz, Atemnot oder Abweichungen in ihrem Elektrokardiogramm an das Broken Heart Syndrome denken sollte."

Die Studie ist im Journal der American Heart Association erschienen.

Woher der Name Takotsubo-Syndrom kommt

Woher der Name Im Gegensatz zu Patienten mit Herzinfarkten zeigen sich beim Broken-Heart-Syndrom keine atherosklerotischen Plaques (Ablagerungen). Durch eine vorübergehende Schwäche des Herzmuskels bläht sich ein Teil des Herzens unnatürlich auf. Die linke Herzkammer nimmt die Form eines japanischen Oktopusfangkorbes an (ein Krug mit einem kurzen Hals. Dieses Gefäß zum Fang von Tintenfischen wird im Japanischen auch "Takotsubo" bezeichnet. Das Takotsubo-Syndrom tritt vor allem bei Frauen auf.

2017 zeigte eine Studie, dass die Sterberate nach einem Broken-Heart-Syndrom deutlich höher ist als bisher angenommen. Damit sei dieses Syndrom genauso lebensbedrohlich wie der klassische Herzinfarkt.

Im Frühjahr veröffentlichten die Züricher Wissenschafter eine andere bahnbrechende Studie zu dem Thema. Forscher veröffentlicht. Magnetresonanztomografie-Aufnahmen von 15 Takotsubo-Patienten und 39 Gesunden zeigten, dass bei ersteren bestimmte Hirnareale schlechter untereinander Informationen austauschen als bei Gesunden. Dies nährt die Vermutung, dass Veränderungen in der Gehirnfunktion im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen könnten und das Broken Heart Syndrom im Gehirn beginnen könnte.