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Gesund
09/05/2019

Warum Sie mindestens sechs Stunden pro Nacht schlafen sollten

Eine große Studie zeigte: Unter dieser Schlafdauer und über neun Stunden steigt das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich.

von Ernst Mauritz

Am Abend wird es – wieder einmal – spät, am Morgen muss man früh raus, viel mehr als fünf Stunden Schlaf gehen sich da nicht aus: „Die Menschen denken, ok, jetzt bin ich halt müde, aber sonst hat das ja keine Konsequenzen“, sagt der Herz- und Stoffwechselspezialist Martin Rutter von der Universität Manchester: „Aber wir konnten zeigen, dass wir uns mit dauerhaftem Schlafmangel ernste gesundheitliche Schäden zufügen“, so Rutter zum KURIER.

Wir, damit meint er Forscher der University of Colorado, des Massachusetts General Hospital (Boston) und eben aus Manchester. Die Forscher werteten für ihre Studie (Journal of the American College of Cardiology) die Daten von knapp einer halben Million Menschen zwischen 40 und 69 Jahren aus: Angaben zu ihren Schlafgewohnheiten, Blutproben, genetische Analysen zu 27 Genen, die mit einer kurzen Schlafdauer in Zusammenhang stehen. Sieben Jahre lang wurde der Gesundheitszustand der Studienteilnehmer verfolgt.

Die Ergebnisse

  • Das geringste Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gab es bei einer Schlafdauer zwischen 6 und 9 Stunden. Wer statt sechs nur fünf Stunden schlief, dessen Risiko für eine Herzattacke stieg innerhalb der sieben Jahren um 20 Prozent. Rutter gibt ein Beispiel: 1000 Menschen mit Vorerkrankungen haben ein (angenommenes) Risiko von drei Prozent, innerhalb eines Jahres einen Infarkt zu erleiden – das wären also 30 dieser 1000 Personen. Sinkt deren Risiko um 20 %, sind es statt 30 aber nur 24 Infarkte.
  • Umgekehrt konnten aber sogar jene Menschen, die das höchste genetische Risiko für einen Herzinfarkt hatten, dieses um 20 Prozent senken – wenn sie ihre Schlafdauer um nur eine Stunde verlängerten.
  • Auch eine Schlafdauer von mehr als neun Stunden erwies sich übrigens als ungünstig: Da stieg das Infarktrisiko sogar um 34 Prozent.

Die Forscher berücksichtigten auch alle anderen Faktoren, die das Risiko für eine Herzattacke erhöhen: Rauchen war der Wichtigste, er verdoppelt das Risiko. Und so wie Bluthochdruck, Bewegungsmangel, einseitige Ernährung oder Diabetes ist auch Schlafmangel ein eigenständiger Risikofaktor.

Schläft man nur gelegentlich kurz, ist das kein Problem: „Das Risiko steigt über einen langen Zeitraum an.“ Deshalb sei es wichtig, Schlafprobleme zu behandeln .

Für das erhöhte Herzrisiko gibt es mehrere Erklärungen: Schlafmangel kann einen negativen Einfluss auf die innerste Schicht der Blutgefäße haben – die Bildung von Plaques (Ablagerungen) kann das begünstigen. Entzündungsprozesse, die Gefäße schädigen, werden befeuert. Und: Wer wenig schläft, ernährt sich oft auch schlechter, hat mehr Heißhunger auf Fettes und Süßes.

Die Studienautoren hoffen, mit ihrer Arbeit das Bewusstsein für ausreichend Schlaf wecken zu können: „Sie tun Ihrem Herz Gutes, wenn Sie sich bewegen, gesund essen, nicht rauchen – und schlafen.“

70 Prozent des Risikos für Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall betreffen Dinge, die man – durch Verhaltensänderung und/oder Therapien – selbst beeinflussen kann: Bluthochdruck etwa. Und dann gibt es den Bereich der Lebensumstände, der bisher wie der Schlaf im Hintergrund gestanden ist: Da sieht eine internationale Untersuchung mit Daten aus 21 wirtschaftlich besser- und schlechtergestellten Staaten einen niedrigen Bildungsgrad und Luftverschmutzung als wichtige eigenständige Faktoren. „Natürlich war schon bisher bekannt, dass wenig Bildung und Sozialstatus generell zu einem ungesünderen Lebensstil führen“, sagt der Kardiologe Georg Gaul.

 „Aber dass ein niedriges Bildungsniveau als eigenständiger krankmachender Faktor angeführt wird, ist schon bemerkenswert.“  Damit werde aber auch anerkannt, dass Gefäßerkrankungen keine Managerkrankheit, sondern zu einem guten Teil Erkrankungen der unteren Gesellschaftsschichten seien – die einerseits schlecht gebildet seien, sich aber andererseits auch teurere, gesündere Lebensmittel nicht leisten könnten.

Nach einer neuen Erhebung des EU-Statistikamtes hätten 2016 in der EU bei den unter 75-Jährigen zwei von drei Todesfällen durch bessere Vorsorgemaßnahmen vermieden werden können. Diese Todesfälle seien vorzeitig gewesen.

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