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Gesund
12/12/2018

Trampolinparks: Zahl der Verletzungen hat sich verdoppelt

Grazer Uni-Klinik für Kinderchirurgie berichtet von starkem Anstieg der Unfallzahlen. Worauf man achten muss.

von Ernst Mauritz

„Wir wollen keine Spaßverderber sein. Wir wollen einfach nur helfen, Unfälle zu vermeiden.“ Holger Till ist Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Am Dienstag machte er mit dem Verein „Große schützen Kleine“ auf eine neue Entwicklung aufmerksam: Im heurigen Jahr wurden an der Klinik bereits 105 Kinder nach Unfällen in sogenannten „Indoor-Trampolinparks“ behandelt – eine Steigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In derartigen Trampolinparks passieren tendenziell schwerere Unfälle als auf privaten Trampolinen, sagt Till: „Vier von zehn Kindern und und Jugendlichen, die nach Unfällen in Trampolinparks zu uns kommen, erhalten die Diagnose ,schwere Verletzung‘“ – fast immer sind das Knochenbrüche. Aber auch Verletzungen der (Hals-)Wirbelsäule, des Kopfes und des Beckens kommen vor.

 

Auffällig sei, dass in Trampolinparks deutlich mehr Ellbogen- und Halswirbelsäule-Verletzungen passieren.

Rund zwei Drittel aller Verletzten sind männlich, das Durchschnittsalter liege bei elf Jahren.

„Sechs Prozent der Verletzungen sind so schwer, das wir eine große chirurgische Mühe haben, die volle Funktion wiederherzustellen“, versucht er es positiv auszudrücken – doch nicht immer gelingt das: „Trümmerverletzungen am Ellbogen zum Beispiel kann man nicht immer vollständig rekonstruieren.“

Die Unfallgefahr werde oft völlig falsch eingeschätzt, weil das Trampolin „weich“ wirke: „Die meisten Verletzungen passieren bei schlechten Landungen mitten am Trampolin, nicht bei Stürzen auf den Rahmen oder vom Trampolin. Die Kräfte werden unterschätzt.“ Landungen auf einem Bein oder mit den Armen am Trampolin sind weit gefährlicher, als üblicherweise angenommen. Schwere Verletzungen können auch bei Landungen am Kopf auftreten, zum Beispiel bei missglückten Saltoversuchen.

Weitere Unfallursachen seien geringe Trampolinkenntnisse sowie eine hohe Zahl an Kindern auf den Flächen. „Wir würden uns auch Fachpersonal wünschen, das die Anfänger schult die Springenden generell betreut“, betont Till.

„Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten viel in Sicherheitsmaßnahmen investiert“, sagt Stefan Untiedt, Geschäftsführer von „Jump 25“ in Kalsdorf bei Graz, nach eigenen Angaben der größte Trampolinpark Österreichs. „Etwa in Polsterungen und spezielle Begrenzungen.“Es sei auch ständig Personal auf der Plattform, welches das Geschehen beobachten. Heuer musste bis jetzt 24 Mal die Rettung gerufen werden – „bei 700 bis 800 Besuchern an starken Tagen“: „Meistens handelte es sich um Prellungen und Verstauchungen.“ Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Verletzungen stark zurückgegangen.

Beim Trampolinpark „Flip Lab“ in Wien-Schwechat betont man, dass „immer mehrere Trainer auf dem Areal sind“, sagt Sprecher Michael Krikula. Und es gebe zu jeder halben und vollen Stunde eine kurze Einschulung und Aufwärmphase für alle, in den vergangenen 30 Minuten neu angekommenen Besucher. Auch sei die Zahl der Springenden begrenzt. „Die Unfallrate ist sehr gering.“

Was Experten noch raten

Einige Tipps, die deutsche Orthopäden und Unfallchirurgen generell für das Trampolinspringen veröffentlicht haben:

  • Kinder vorsichtig heranführen: Kinder sollten erst ab dem sechsten Lebensjahr vorsichtig an das Trampolinspringen herangeführt werden. Bei kleineren Kindern ist die Wurfkraft unverhältnismäßig stark gegenüber ihrem geringen Gewicht - sie sind damit besonders verletzungsgefährdet.
  • Kinder aufklären: Die Kinder sollten über die Risiken aufgeklärt sein, die mit dem Springen auf dem Trampolin einhergehen.
  • Kinder beaufsichtigen: Eltern sollten ihre Kinder beim Springen immer beaufsichtigen, um bei Fehlverhalten oder Unfällen sofort eingreifen zu können.
  • Allein springen: Springen mehrere Personen gleichzeitig auf einem Trampolin, besteht Verletzungsgefahr durch einen Zusammenstoß. Springen kleine und große Kinder zusammen, entsteht durch den Gewichtsunterschied ein Katapulteffekt, der besonders für die Kleinen gefährlich enden kann.
  • Überanstrengung meiden: Kinder sollten beim Springen regelmäßig Pausen einlegen. Verausgaben sie sich, lässt auch die Körperspannung nach. Diese ist aber für kontrollierte Sprünge notwendig.
  • Nicht essen: Wer beim Springen kaut, riskiert einen Biss in die Zunge.
  • Keine Saltos: Gewagte Sprünge sind tabu. Bei einem missglückten Salto-Versuch mit einer ungewollten Landung auf dem Kopf ist vor allem die Wirbelsäule verletzungsgefährdet.

 

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