Leben
18.07.2017

Trampolinsprünge: Rund 5000 Verletzungen bei Kindern pro Jahr

Trampoline fördern die Beweglichkeit – aber viele vergessen, dass es Sportgeräte sind.

Der Aufruf einer jungen Mutter aus Florida bewegt die sozialen Medien: Die 29-jährige Kaitlin Hill warnte in einem emotionalen Posting auf Facebook vor den Gefahren von Trampolinen. Ihr dreijähriger Sohn war beim Springen in einem Trampolinpark gestürzt und hatte sich den Oberschenkelknochen gebrochen. Der Bub muss jetzt wochenlang einen Stützanzug tragen.

Das Posting wurde mehr als 235.000-mal geteilt, Tausende Eltern berichteten ebenfalls über Verletzungen mit Trampolinen. Kaitlin Hill beruft sich auf die American Academy of Orthopedic Surgeons sowie die US-Kinderärztegesellschaft, die die beliebten Geräte für Kinder unter sechs Jahren nicht empfehlen. Die Begründung: Die Knochen und Gelenke seien noch zu weich. So streng sieht das Piero Lercher, Sportarzt und Public-Health-Lehrbeauftragter an der MedUni Wien, nicht. "Zu Verletzungen kommt es hauptsächlich , wenn zwei oder mehrere Kinder gleichzeitig springen. Kinder haben im Vergleich zu erwachsenen einen sehr robusten Körper. Das größere Problem ist, dass viele Kinder zu wenig körperlich aktiv sind."

Verletzungen mit Trampolinen werden allerdings mehr – allein deshalb, weil sie öfter in privaten Gärten oder Spielräumen zu finden sind. In Deutschland hat sich die Zahl der Unfälle innerhalb von 15 Jahren mehr als verdreifacht, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

In Österreich sind Trampoline für 2,53 Prozent aller Unfälle bei Kindern bis 14 Jahre verantwortlich, sagt Peter Spitzer vom Zentrum für Unfallforschung an der MedUni Graz. Die Zahlen sind allerdings seit 2005 relativ stabil geblieben – trotz Zunahme der Geräte. "An unserer Kinderchirurgie versorgen wir jährlich knapp 400 Kinder, hochgerechnet auf Österreich sind das etwa 5000 Fälle." Bei den stationären Aufnahmen liegt der Anteil der Trampolinunfälle mit etwa zehn Prozent über jenem der anderen Verletzungen (ca. 7 %). "Es kommt häufiger zu Verletzungen, die operativ versorgt werden müssen." Das sind v. a. Arm- und Beinbrüche, Bänder- oder Gelenksverletzungen.

Kindern und Eltern sei häufig nicht bewusst, dass Trampoline keine Spiel- sondern Sportgeräte sind, betont Piero Lercher. Peter Spitzer ergänzt: "Durch die bewegliche Oberfläche wirkt mehr Kraft auf die Gelenke ein." Diese Dynamik werde besonders bei kleineren Kindern, die ein geringeres Gewicht haben, unterschätzt. Das Springen in Trampolin-Parks würde er für Kinder unter sechs Jahren eher nicht empfehlen.

Erst im Mai eröffnete "Flip Lab". In Österreichs derzeit größtem Trampolin-Park mit 85 Geräten sind Alterslimit kein Thema. "Die jüngsten Kinder sind drei bis vier Jahre alt, die Eltern müssen immer dabei sein. Sie benutzen anfangs die kleineren Trampoline", erklärt Betriebsleiter Alexander Lener. Trainer achten auf die richtige Nutzung.

Diese hat viele positive Effekte: Trampoline sind Sportgeräte, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegenkommen. "Richtig genutzt, fördern sie Beweglichkeit und Koordination", so Mediziner Lercher. "Man sollten Kindern den Spaß an der Bewegung nicht nehmen. Gerade im urbanen bewegungsfeindlichen Raum stellen Trampoline eine interessante Bewegungsmöglichkeit dar."

Apropos Spaß: Ein Trampolin ist immer nur für jeweils einen Benutzer gedacht. "Keinesfalls sollte zu zweit – oder noch mehr – gleichzeitig gesprungen werden. Dann ist der Federeffekt enorm. Bei einem kleineren, leichten Kind könnten dann gefährliche Fliehkräfte auftreten."

Vorbereitung: Wie bei jeder Sportart vor der Benutzung aufwärmen, sagt Sportmediziner Piero Lercher. Kleine Kinder langsam an das Springen heranführen, etwa nur federn.

Aufsicht: tBei der Benutzung sollten immer Erwachsene in der Nähe sein.

Absichern: Die Geräte mit Fangnetzen absichern und Verletzungen mit weichen Matten oder Polstern vorbeugen.

Nutzungsdauer: „Bei kleineren Kindern kommt der körperliche Einbruch viel plötzlicher. Das erhöht die Unfallgefahr“, sagt Unfallforscher Peter Spitzer.

Materialermüdung: Die Geräte regelmäßig auf Brüchigkeit überprüfen (Netz, Sprungfläche).