Die bunten Lichtschnüre dienen dem Tastsinn und können unterschiedliche Reflexe aussenden

© Kurier/Franz Gruber

Gesund
08/03/2019

Snoezelen: Kuscheln und Dösen für die psychische Fitness

Bei dem Therapie-Konzept sollen Klänge, Düfte und Farben Sinnesempfindungen auslösen – nicht nur in der Demenz-Therapie.

von Julia Gschmeidler

Als weltweit erstes Fitnessstudio für die Seele sieht sich Anima Mentis, gelegen gleich hinter dem Parlament in Wien. Neben Virtual-Reality-Anwendungen, einem Licht-, Erkenntnis- und Bewegungsraum gibt es auch ein 360°-Kino, in dem man hautnah von Natur umgeben wird. Anima Mentis als ein Rückzugsort zur Entspannung und zur Stärkung der mentalen Kraft, ist das Leitmotiv der Initiatoren. „Ins Fitnessstudio gehen wir schon seit langer Zeit und ganz selbstverständlich“, sagt Center Managerin Gabriele Richter. Dabei wäre besonders die mentale Stärke die Basis für Gesundheit – vor allem in Zeiten, in denen die Belastung durch ständige Erreichbarkeit besonders hoch sei. Besonders wichtig sind ihr und Peter Kirschner, Chief Product Officer und Humanmediziner, die wissenschaftliche Evidenz der angebotenen Anwendungen, wie die beiden im Gespräch mehrmals betonen. Deswegen arbeitet das Team auch eng mit der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg zusammen.

Dösend Sinne erfahren

Eine dieser Anwendungen, die wissenschaftlich belegt sind, ist Snoezelen – eine Wortschöpfung aus den beiden niederländischen Ausdrücken „snuffelen“ (kuscheln) und „doezelen“ (dösen). „Damit wurden früher vor allem in den nördlichen Bereichen Kinder mit psychiatrischen Erkrankungen oder Personen mit Demenz behandelt“, sagt Mediziner Kirschner. Beim Snoezelen geht es darum, sich in einem gemütlichen, vertrauensvollen Ambiente – im Anima Mentis der Sinnesraum – durch multisensorische Stimulationen wieder besser wahrnehmen und spüren zu lernen. Wobei jede Stunde individuell aufgebaut ist, keine gleicht der anderen, weil der Kunde selbst die Art der Anwendung bestimmt. Die Behandler arbeiten mit Klangschalen, Aromatherapie, visuellen Reizen wie Bildern und Videos, verschiedenen Farbschemata und sogar interaktiven Spielen. Manche Kunden bevorzugen dennoch das Wasserbett zwischen Wassersäulen und Lichtschnüren, das zur gewünschten Entspannung führen soll. Im Fokus jeder Stimulation steht die bewusste Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse – eine Lernerkenntnis, die Kunden bestenfalls im Alltag integrieren sollen.

Jeder glaubt, er muss sich besonders anstrengen und in Schweiß gebadet sein. Das stimmt nicht. Hier wird einem bewusst, was wichtig ist, um ein Leben in Wohlbefinden zu führen.

Mag. Gabriele Richter, Center Managerin

Ziel der Anwendung

Neben den sensorischen Übungen sind es auch Wahrnehmungsübungen sowie Entspannungsmethoden und Achtsamkeits- wie Atemübungen, die zum gewünschten Ziel führen sollen. Snoezelen soll einerseits zum Abbau von Stresszuständen und innerer Angespanntheit beitragen und zudem für Entspannung und Aktivierung sorgen. Die Schulung der eigenen Körper- und Selbstwahrnehmung steht ebenso im Fokus. Die Atmosphäre des Raumes und die individuelle Begleitung schaffen einen geschützten Rahmen, in dem sich der Kunde wieder besser wahrnehmen und spüren lernt. Das helfe dabei, wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen und die eigenen Bedürfnisse besser zu stillen, heißt es vonseiten der Paracelsus Universität.

Der pädagogisch-therapeutische Ansatz der Basalen Stimulation helfe dabei, die Wahrnehmung von außen nach innen zu lenken. Das bedeutet, dass ein Duft, ein Geräusch oder eine gewisse Körperhaltung, die beim Snoezelen angewandt wird, im Alltag Entspannung und Stressreduktion triggert. So hilft etwa bereits der Gedanke an den Bauchnabel dabei, wieder aufrechter im Bürosessel zu sitzen.