Umweltfaktoren spielen eine große Rolle beim Anstieg der Neurodermitis-Erkrankungszahlen.

© Getty Images/iStockphoto/liza5450/iStockphoto

Gesund
03/18/2019

Pilze weisen Weg zu neuem Ansatzpunkt gegen Neurodermitis

Die Hautkrankheit könnte womöglich mit therapeutischen Antikörpern behandelt werden, schreiben Forscher.

Die Haut ist von einer Gemeinschaft aus Mikroorganismen besiedelt, darunter kleine Hefepilze der Gattung Malassezia. Forscher um Salome LeibundGut-Landmann von der Universität Zürich haben das Wechselspiel dieser Pilze mit dem Immunsystem untersucht und berichten, wie letzteres das Wachstum dieser Pilze auf der Haut unter Kontrolle hält. Und welche Rolle dies für die Neurodermitis spielt.

 

Pilze regen Immunsystem an

Die Wissenschafter konnten bei Mäusen und Menschen nachweisen, dass die Malassezia-Pilze das Immunsystem dazu anregen, den Botenstoff Interleukin-17 (IL-17) zu bilden. "Wird der Botenstoff nicht ausgeschüttet oder fehlen die Interleukin-17-produzierenden Abwehrzellen, kann der Pilz uneingeschränkt wachsen und überwuchert die Haut", berichtete LeibundGut-Landmann laut Aussendung der Uni Zürich vom Montag.

Die Malassezia-Pilze sind zwar Teil einer gesunden Mikroflora der Haut, stehen aber auch mit der Entstehung von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) in Verbindung, wie die Hochschule weiter schrieb. Bei dieser chronisch-entzündlichen Hautallergie, von der bis zu 20 Prozent der Kinder und bis zu zehn Prozent der Erwachsenen betroffen sind, überreagiert das Immunsystem gegen harmlose Reize aus der Umwelt, beispielsweise Hausstaubmilben. Trockene, gerötete, juckende Haut sind die Folge, vor allem in den Gelenkbeugen.

Die nun im Fachblatt Cell Host & Microbe veröffentlichte Studie bestätigt, dass die IL-17-produzierenden Immunzellen, die die Malassezia-Pilze normalerweise in Schach halten, zur Entstehung der atopischen Dermatitis beiträgt. Experimente mit Zellen von Neurodermitis-Betroffenen zeigten, dass diese Pilze quasi auf der Haut zum Allergen werden und die Entzündungsreaktion hervorrufen, wie die Uni Zürich mitteilt.

Mögliche Therapie und offene Fragen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich atopische Dermatitis womöglich mit therapeutischen Antikörpern behandeln ließe, welche die Wirkung von IL-17 neutralisieren. "Diese Antikörper existieren bereits und werden bei der Behandlung von Schuppenflechten mit großem Erfolg eingesetzt", sagte LeibundGut-Landmann. Allerdings sind bis dahin noch einige offene Fragen zu klären. Beispielsweise warum genau die Immunantwort gegen die normalerweise harmlosen Malassezia-Pilze aus dem Ruder läuft und ins Krankhafte kippt.