Gesund
25.10.2018

Lauda ist in der Reha: AKH-Ärzte prognostizieren normales Leben

Die behandelnden Ärzte sprechen über den Genesungsverlauf des Ex-Formel-1-Stars.

"Der Motor brummt wieder, am Fahrgestell müssen wir noch ein bisschen arbeiten. Dann wird es wieder für einen Sieg reichen." Walter Klepetko, Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie an der MedUni Wien umschreibt den positiven Verlauf von Niki  Laudas Lungentransplantation mit einem Vergleich aus der Formel 1. Intensivmediziner Heinz betont: "Wir sind sehr stolz, Herrn Lauda aus dieser komplexen Situation heraus zu bringen, in eine Situation wo er entlassen werden konnte."

Rund zweieinhalb Monate nach der Lungentransplantation, der sich Niki Lauda im AKH-Wien unterziehen musste, konnte der dreifache Formel 1-Weltmeister am Mittwoch das Spital in gutem Allgemeinzustand verlassen (kurier.at berichtete). Lauda muss sich nun einer intensiven, mehrwöchigen Rehabilitation unterziehen, teilte die Wiener Klinik in einer Aussendung mit. Auf eine Prognose, ob er, wie er es sich in einem Telefongespräch mit Lewis Hamilton wünschte, schon Ende November beim Grand Prix in Abu Dhabi dabei sein kann, darauf lassen sich seine Ärzte aus verständlichen Gründen aber nicht ein.

Heute, am Donnerstag, gaben die behandelnden Ärzte des AKH/Medizinische Universität Wien ein Pressegespräch. Walter Klepetko (Leiter der Thoraxchirurgie, Gottfried Heinz (Leiter der kardiologischen Intensivmedizin), Christian Hengstenberg (Leiter der Kardiologie) und Peter Jaksch (internistische Betreuung des Lungentransplantationsprogramms) informierten über den aktuellen Gesundheitszustand des prominenten Patienten und den weiteren Verlauf der Therapie.

Klepetko betonte gleich zu Beginn:  "Wir freuen uns sehr. Die letzte PK stand mehr unter Sorge um Gesundheitszustand Laudas. Die heutige steht schon unter Aspekt der Freude aus einer schwierigen Situation herausgekommen zu sein."

Großes öffentliches Interesse

Die Lungentransplantation Anfang August hat sehr großes Interesse hervorgerufen:  "Es ist ein weiteres, sehr beachtliches Kapitel im bereits sehr facettenreichen Leben von Herrn Lauda und es hat sich zu einem guten Ende hin entwickelt." Dass er mehr als zweieinhalb Monate im AKH betreut werden musste, sei aber keine Besonderheit bei einem derartigen Eingriff, betont der Tranplantationsexperte. Sein Kollege Peter Jaksch ergänzt: "Wir haben Patienten, die nach zwei Monaten in die Rehab kommen, andere erst nach sechs Monaten. Das ist ganz normal." Klepetko bemüht zum besseren Verständnis noch einen Vergleich aus der Formel 1: Ein Reifenwechsel dauere da nur Sekunden. "Wir waren auch so schnell. Aber aus einer derartig komplexen Situation kann ein gutes Ende nur sein, wenn ausreichend Zeit gegeben wird."

Komplexe Behandlung

Eine derart komplexe Behandlung ist nur durch ein gutes Zusammenspiel möglich, betonten die Experten. "Die gesamte Behandlung von Herrn Lauda war in mehrerer Hinsicht intensiv und nur möglich, weil hier in diesem Haus sehr solide Erfahrungen vorhanden sind und wir hohe Qualität in der Behandlung liefern können. Nur so ist eine so komplexe Behandlung möglich und kann gut ablaufen." Lauda sei nicht der erste Patient, der so aufwendig behandelt werden musste. Hier sei eine große Einrichtung mit Spezialisierungen von Vorteil. Klepetko: "Gerade für solche Patienten, die so schwer krank sind, ist es wichtig, dass es Fachleute gibt, die sich sehr gut auskennen." Diese betreffe nicht nur Ärzte, sondern auch die Pflege und Therapeuten.

Die daran beteiligten Personen gehen in den dreistelligen Bereich, rechnet Klepetko vor.  "Es ist leicht, als Chirurg nach erfolgreicher OP als Hero dazustehen. Aber man muss alle dahinter hervorstreichen. Das ist das Pflegeperson, die physikalische Therapie - das sind ganz wesentliche Faktoren, um in der Genesung weiterzukommen."

Guter Verlauf durch professionelles Team

Wie berichtet, hatte Niki Lauda nicht an einer Lungenentzündung, sondern an einer komplexen Viruserkrankung der Lunge gelitten, die das Atmungsorgan letztendlich zerstörte. Nur mehr eine Beatmungsmaschine hatte den Flugunternehmer am Leben erhalten. "Es bestand höchste Dringlichkeit für eine Transplantation", schildert Klepetko. Kardiologe Christian Hengstenberg betont: "Die Ausgangslage war bei Herrn Lauda eine schwierige Situation.  Wir verwendeten eine Maschine, um den Gasaustausch der Lunge zu ersetzen. Ohne diese Maschine wäre ein Überleben von Lauda nicht möglich gewesen."

Nach der Operation gab es schnelle Fortschritte: "Der Beatmungsschlauch, ohne den eine Thoraxoperation nicht durchgeführt werden könnte, konnte rasch aus der Lunge genommen werden." Lungentransplantationsexperte Peter Jaksch erklärt:  "Das neue Organ funktioniert tadellos,es gab keine Abstoßungsreaktionen." Die intensive Behandlung wurde zudem täglich von mehreren Experten angepasst.  "Auf diese Weise haben wir es geschafft, Herrn Lauda sicher durch eine bewegte See zu führen."

"Niki Nazionale" - Lauda in der Formel 1

"Niki Nazionale" - Lauda in der Formel 1

1/7

Niki Lauda in der Formel 1

Am 15. August 1971 feiert Lauda am Steuer des March 711 sein Formel-1-Debüt. Er kommt zwar nicht ins Ziel, aber die ersten Schritte sind getan.

Zur Legende wird Lauda im Jahr 1976: Als amtierender Weltmeister verunfallt er in Deutschland, kämpft um sein Leben. 42 Tage später sitzt er wieder im Cockpit.

1977 holte Lauda seinen zweiten Weltmeistertitel mit Ferrari - aber schon vorher stand der Abschied fest: 1978 wechselte Lauda nach Differenzen mit Enzo Ferrari zu Brabham.

Nach zwei Jahren Formel-1-Auszeit kehrte Lauda 1982 in die Weltmeisterschaft zurück. Zwei Jahre später, 1984, eroberte er mit McLaren seinen dritten WM-Titel. 1985 beendete er seine Karriere.

Nach dem Unfall auf dem Nürburgring wird das "rote Kapperl" zum Markenzeichen. Lauda nutzt es im Lauf der Jahre als Sponsorfläche für verschiedene Partner.

Nach einem kurzen Engagement bei Jaguar nach der Jahrtausendwende kehrt Lauda 2012 als Mercedes-F1-Vorstand in die Formel 1 zurück.

Bei den Legendenrennen auf dem Red-Bull-Ring greift Lauda noch einmal ins Steuer seiner einstigen Boliden - und tritt gegen dabei auch gegen die Rivalen von früher an.

Dass dem 69-Jährigen Lauda vor Jahren bereits zwei Mal eine Niere transplantiert worden war, hatte die Situation - auch nach der positiven Lungentransplantation - verständlicherweise nicht leichter gemacht. "Das war natürlich eine Erschwerung in der Situation. Es ist uns aber gelungen, die Funktion der Niere zu erhalten, was bei einem so schwierigen Setting nicht selbstverständlich ist", gesteht Klepetko.

Reha und der Faktor Familie

Die Familie ist ein sehr wichtiger Faktor für Patienten auf der Intensivstation, sagt Heinz. "Wir wissen, dass die Patienten sehr motiviert sind, bereit sind zu kämpfen. Für uns war die Familie ein sehr wichtiger Partner." In der Reha erwartet Niki Lauda so etwas wie ein "Fulltime-Job", sagt Klepetko. Man könne sich das durchaus wie ein Trainingslager vorstellen. "Auch da gibt es Trainingsphasen und Ruhezeiten." Jaksch ergänzt: "Jetzt muss Lauda lernen, wieder richtig zu gehen und zu atmen. Dazu kommen zahlreiche Medikamente, mit denen unter anderem eine Abstoßung des Spenderorgans verhindert wird. Dieses war anonym über die unabhängige europäische Verteilungsorganisation " Eurotransplant" zugeteilt worden.

Die Experten sind zuversichtlich, dass Niki Lauda wieder ein normales Leben führen können wird, auch Fliegen sollte für den nun Lungentransplantierten wieder möglich sein. " Das Hauptthema für jeden Patienten ist, sich körperlich fit zu halten, damit die Muskeln aktiv bleiben", erklärt Klepetko. Hier leiste die Reha wertvolle Arbeit. "Es gibt strukturierte Programme für Patienten. Die Lunge belüften, Sekret moblisieren bzw. abzusaugen - das ist die Arbeit bei der Atemtherapeuten."