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Gesund
05/29/2019

Lärm und Feinstaub: Wie auch das Herz darunter leidet

Herzinfarktrisiko: Warum Eisenbahnlärm harmloser ist als Straßenverkehrslärm und wie Umweltfaktoren das Risiko erhöhen.

von Ernst Mauritz

Es ist aufs Erste eine etwas ungewöhnliche Aussage: „Eisenbahnlärm ist – wenn man es so bezeichnen will – der beste Lärm.“ Der Kardiologe Bernhard Metzler von der MedUni Innsbruck erklärt auch den Hintergrund dazu: Eine große Schweizer Studie hat erstmals gezeigt, wie die Auswirkungen von Verkehrslärm und Feinstaub im Doppelpack das Herzinfarktrisiko erhöhen. Metzler präsentierte die Daten im Vorfeld der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft in Salzburg. „Der Eisenbahnlärm mag gleich laut sein, aber er führt nicht zum gleichen Schadstoffausstoß.“ Für die Studie wurden Daten von 4,4 Millionen Einwohnern der Schweiz analysiert:

Jeder Anstieg des Lärmpegels um zehn Dezibel erhöht das Herzinfarktrisiko um drei Prozent. „Ein normales Gespräch verursacht einen Lärmpegel von rund 60 Dezibel, ein vorbeifahrender Lkw von 90 Dezibel. Lärm wirkt auf das Herz als chronischer Stressfaktor, es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die Gefäße verengen sich.

Gleichzeitig lässt eine dauerhafte Erhöhung der Feinstaubkonzentration – etwa an sehr stark befahrenen Straßen – das Herzinfarktrisiko umso mehr ansteigen, je höher die Konzentration ist. Die ultrafeinen Partikel können in die Lungenbläschen gelangen und mit dem Blut in alle Organe transportiert werden. Auf Dauer führt dies zu chronischen Entzündungen der Gefäßwand, ein Infarkt kann die Folge sein. Und laut den Daten des Umweltbundesamtes kommt es an vielen Feinstaub-Meßstellen in Österreich immer wieder zur Überschreitung des von der WHO empfohlenen Richtwertes.

Fazit: „Es ist jetzt eindeutig bewiesen, dass nicht nur hoher Blutdruck, Cholesterin und Diabetes das Herzinfarktrisiko erhöhen – sondern nachweislich auch diese negativen Umwelteinflüsse.“

Aus für das Stethoskop?

Metzler präsentierte die Daten im Vorfeld der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG). Und da zeigt sich: Die Herzspezialisten stehen „vor einem riesigen Spagat, den sie bewältigen müssen“, sagt Andrea Podczeck-Schweighofer, Präsidentin der ÖKG.

Auf der einen Seite stehe nach wie vor das unmittelbare ärztliche Tun – „das Abhorchen, Berühren, Befragen“. Auf der anderen Seite könnte in naher Zukunft künstliche Intelligenz das Stethoskop und die klassische Erstellung von Befunden übertreffen: So hätten spezielle Computerprogramme Herzultraschall-Untersuchungen bereits umfassender analysiert als erfahrene Kardiologen. „Für manche alten, arrivierten Kardiologen mag das ein bisschen bitter sein, aber ich sehe auch eine enorme Chance darin, die Medizin qualitativ hochwertiger zu machen.“

Die Digitalisierung der Medizin berge aber das Risiko einer Entmenschlichung der Medizin. Eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung werde auch in Zukunft wichtig sein: „Patienten brauchen Zuwendung und ein kompetentes Gegenüber, das ausreichend Zeit hat, alle Bedenken und Ängste in Ruhe zu besprechen.“

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