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Gesund
07/08/2019

Graue Haare à la Strache: Ist eine Alterung über Nacht möglich?

Wenn plötzlich keine Pigmente mehr produziert werden, kann eine extreme Stresssituation die Ursache sein.

von Maria Zelenko

Vor ein paar Wochen sahen die Haare noch deutlich dunkler aus. Dieser Gedanke dürfte vergangene Woche so manchem Facebook-Nutzer gekommen sein, als Heinz-Christian Strache ein Foto von sich und seiner Ehefrau Philippa veröffentlichte. Das Foto, das bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden in der Steiermark entstanden ist, zeigt einen entspannten und braun gebrannten, jedoch auch deutlich ergrauten Ex-Vizekanzler.

Können Haare innerhalb sehr kurzer Zeit grau werden – oder wurde einfach auf das Haarefärben verzichtet? "Es ist möglich, dass Haare äußerst schnell grau werden", sagt Markus Metka, Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft, im Gespräch mit dem KURIER. "Meist geht dieser abrupten Veränderung eine extreme Stresssituation voraus."

Dies habe man bereits zu Kriegszeiten beobachten können, doch auch der plötzliche Tod einer geliebten Person kann sich sofort auf dem Kopf bemerkbar machen. Laut dem Gynäkologen und Hormon-Spezialisten werde der normalerweise langsam voranschreitende Alterungsprozess, bei dem die für die Produktion des Pigments zuständigen Melanozyten (Pigmentzellen) zu schwächeln beginnen, dann stark beeinflusst und beschleunigt.

Kämpfendes Immunsystem

"Neben psychischem Stress sind jedoch auch die Hormone ein wichtiger Faktor bei der Ergrauung", sagt Metka. So ergrauen Frauen statistisch gesehen rund um ihr 48. Lebensjahr, bei Männern geschieht dies ungefähr mit 55 – Meno- und Andropause lassen grüßen. "Hier kann es jedoch zu großen individuellen Unterschieden kommen". Das eine kann auch mit dem anderen zusammenhängen: "Wenn jemand einen Schock erlebt, kann es passieren, dass die Schilddrüse kurzzeitig aussetzt. Infolge dessen wird das ganze System durcheinander gebracht. Die Schilddrüse ist der oberste Dirigent des Körpers – auch in puncto Haare."

Spontanes Ergrauen kann einen weiteren Grund haben: Forscher des amerikanischen National Institute of Health (NIH) haben in Zusammenarbeit mit der Universität von Alabama in Birmingham (UAB) eine genetische Verbindung zwischen der natürlichen Haarfarbe und dem Immunsystem gefunden.

Wenn ein Krankheitserreger den Körper angreift, wird das Protein MITF, welches die Stammzellen der Melanozyten am Leben hält, eher dafür eingesetzt, das Immunsystem in Gang zu halten. Die Stammzellen gehen dadurch verloren und können keine Pigmentzellen mehr hervorbringen. Zwar wurde die Studie an Mäusen durchgeführt, die Stammzellenforscherin Melissa Harris und ihr Team gehen jedoch davon aus, dass Menschen mit entsprechender Veranlagung bei starker Beanspruchung ihres Immunsystems schneller ergrauen.

Wenn das Haar über Nacht seine Farbe verlieren kann – ist ein Effekt in die umgekehrte Richtung auch möglich? "Nein", sagt Anti-Aging-Experte Markus Metka. "Dass die Pigmente wiederhergestellt werden, kommt äußerst selten vor. Sind die Haare erst einmal weiß, bleiben sie es auch." Ob Politiker oder nicht – wenn die neue Optik nicht behagt, bleibt nur noch der Griff zur Haarfarbe.