Humane Papillomaviren (HPV) sind Auslöser von Gebärmutterhalskrebs.

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Gesund
09/17/2019

Gebärmutterhalskrebs: Wie Frauen optimal vorsorgen können

Frauen ab dem 30. Lebensjahr wird zumindest alle drei Jahre ein HPV-Test zum Virusnachweis empfohlen.

von Ernst Mauritz

Der kommende Freitag ist der erste "Welttag der Gynäkologischen Onkologie", der unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen wurde. Der Gynäkologe Christian Schauer, Oberarzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz, ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. "Uns ist es Auftrag und Anliegen, rund um diesen Tag Österreichs Frauen auf die Wichtigkeit der Früherkennung von gynäkologischen Krebserkrankungen hinzuweisen und über neue Therapien zu informieren."

KURIER: Wie häufig ist "Unterleibskrebs" in Österreich?

Christian Schauer: In Österreich erkranken jährlich 6.500 Frauen an „Unterleibskrebs“ bzw. Vorstufen, unter anderem Eierstockkrebs, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs, Schamlippen- und Scheidenkrebs. Der Tag soll Frauen erinnern, einen Vorsorgetermin beim Gynäkologen zu vereinbaren.

Bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gibt es seit 2018 eine Neuerung?

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie und die Krebshilfe empfehlen Frauen ab dem 20. Lebensjahr einmal pro Jahr einen PAP-Abstrich (Untersuchung auf bösartige Zellveränderungen). Ab dem 30. Lebensjahr gibt es zwei Möglichkeiten:

  • HPV-Test alle drei Jahre: Auch hier wird ein Abstrich der Gebärmutterschleimhaut genommen, aber zum Nachweis von Humanen Papillomaviren (HPV). Diese sind Auslöser von 99,9 % der Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Ohne Virusnachweis ist erst nach drei Jahren wieder ein HPV-Test notwendig. Sind Viren vorhanden, wird im zweiten Schritt ein PAP-Abstrich veranlasst – Zellveränderungen können, müssen aber nicht vorhanden sein. Ohne Virusnachweis muss in den drei Jahren zwischen zwei HPV-Tests kein PAP-Abstrich durchgeführt werden. Allerdings zahlen die Krankenkassen den HPV-Test als Vorsorge-Screeningtest (rund 50 Euro) derzeit in der Regel noch nicht.
  • PAP-Abstrich weiter jährlich: Statt dem HPV-Test kann weiterhin jährlich ein PAP-Abstrich durchgeführt werden. Eine Doppeltestung (alle drei Jahre HPV-Test, jährlich PAP-Abstrich) soll vermieden werden.

Raten Sie zum HPV-Test alle drei Jahre?

Wenn er bezahlt wird – ja. Weil die Schutzrate höher ist. Sie müssten drei PAP-Abstriche hintereinander machen – etwa heute, morgen, übermorgen – , um gleich viele Krebserkrankungen verhindern zu können. Ein auf dem HPV-Test basierendes Screening (Reihenuntersuchung) bietet einen 60 bis 70 % höheren Schutz gegen invasive Karzinome im Vergleich zum Screening auf PAP-Abstrich-Basis.

Wie gut schützt die HPV-Impfung?

Sie wird allen Mädchen und Buben ab dem 9. Geburtstag empfohlen und ist bis zum vollendeten 12. Lebensjahr im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Für Kinder ab vollendetem 12. bis zum vollendeten 15. Lebensjahr bieten die Bundesländer Nachholimpfungen zum vergünstigten Selbstkostenpreis (variiert je nach Bundesland) an. Die Schutzrate des Impfstoffes, der vor neun verschiedenen Virentypen schützt, liegt bei 90 Prozent.

Bei Eierstockkrebs gibt es noch keine Vorsorgemöglichkeit?

Noch nicht, aber wir haben neue Behandlungsmethoden. Wir untersuchen die genetischen Eigenschaften des Tumors und können dann neue Medikamente (PARP-Inhibitoren) einsetzen. Vorsorgen kann man aber auch noch dem Gebärmutterkrebs: Wenn nach dem Wechsel ein Jahr oder länger nach der letzten Blutung wieder eine solche auftritt, kann das auf ein – meist gut behandelbares – Frühstadium von Gebärmutterkrebs hindeuten.

Nähere Informationen zum Thema finden Sie hier.

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