Gesund
04.12.2018

Borreliose: Öle aus Knoblauch und Kräutern besser als Antibiotika

Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt: Die Öle helfen vor allem gegen anhaltende Symptome wie Müdigkeit und Gelenkschmerzen.

Viele Borreliose-Patienten leiden lange an Symptomen wie Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Standard-Antibiotika helfen dagegen kaum. Forscher der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health konnten nun zeigen, dass Öle aus Knoblauch, verschiedenen Kräutern und Heilpflanzen bei Borreliose helfen können. Diese Öle können insbesondere zur Linderung jener Symptome beitragen, die trotz Antibiotika-Standardtherapie bestehen bleiben.

Die in der Fachzeitschrift Antibiotics veröffentlichte Studie umfasste Laboruntersuchungen von 35 ätherischen Ölen. Und zwar solche Öle, die aus Pflanzen oder deren Früchten gepresst werden und den Hauptduft der Pflanze oder "Essenz" enthalten. Die Forscher fanden heraus, dass zehn davon, darunter Öle aus Knoblauchzehen, Myrrhenbäumen, Thymianblättern, Zimtrinde, Pimentbeeren und Kreuzkümmelsamen eine starke Abtötungswirkung gegen ruhende und langsam wachsende Formen des Lyme-Borreliose-Bakteriums – sogenannte "persister"-Zellen, zeigten.

10 bis 20 Prozent haben anhaltende Symptome

"Wir fanden heraus, dass diese ätherischen Öle die ruhenden Keime von Lyme-Bakterien noch besser abtöten konnten als Standard-Lyme-Antibiotika", sagt Studienautor Ying Zhang, Professor an der Abteilung für Molekulare Mikrobiologie und Immunologie an der Bloomberg School .

Eine Standardbehandlung mit Doxycyclin oder einem alternativen Antibiotikum für einige Wochen beseitigt normalerweise die Infektion und die Symptome. Etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten berichten jedoch von anhaltenden Symptomen, einschließlich Müdigkeit und Gelenkschmerzen - häufig als "persistierende Lyme-Infektion" oder "post-treatment lyme disease syndrome" (PTLDS) bezeichnet, die in manchen Fällen Monate oder Jahre andauern kann.

Garlic cloves on a wooden board

Die Ursache dieses anhaltenden Syndroms ist nicht bekannt. Es ist jedoch bekannt, dass Kulturen von Lyme-Borreliose-Bakterien, Borrelia burgdorferi, in eine sogenannte stationäre Phase eintreten können, in der sich viele Zellen langsam oder gar nicht teilen. Die sich langsam teilenden oder ruhenden Zellen sind "persister"-Zellen, die sich unter Nährstoffmangel oder Stressbedingungen natürlich bilden können und resistenter gegen Antibiotika sind.

Einige Forscher haben nach anderen Medikamenten gesucht, die persistierende Lyme-Bakterien abtöten können, in der Hoffnung, dass diese Verbindungen zur Behandlung von Menschen mit hartnäckigen Borreliose-Symptomen verwendet werden können. Übertragen werden die Bakterien auf den Menschen vor allem durch Zecken.

Kombination aus Antibiotika

Zhang und sein Labor standen bei diesen Bemühungen an vorderster Front. Im Jahr 2014 durchsuchte sein Labor von der FDA zugelassene Arzneimittel auf Aktivität gegen persistierende Lyme-Bakterien und fand viele Kandidaten, darunter Daptomycin (zur Behandlung des Spitalskeims MRSA), das eine bessere Wirksamkeit als die aktuellen Lyme-Antibiotika hatte.

2015 berichteten sie, dass eine Kombination aus drei Antibiotika - Doxycyclin, Cefoperazon und Daptomycin - Lyme-Persister-Bakterien in Labortests zuverlässig abtötete. In einer Studie von 2017 fanden sie heraus, dass ätherische Öle aus Oregano, Zimtrinde, Nelkenknospen, Citronella und Wintergrün die Lyme-Bakterien in der stationären Phase noch stärker abtöteten als Daptomycin, der Meister unter den getesteten Arzneimitteln.

35 ätherische Öle

In der neuen Studie erweiterten Zhang und sein Team ihre Laboruntersuchungen auf 35 weitere ätherische Öle und fanden zehn, die eine signifikante Abtötungsaktivität gegen Lyme-Bakterien aus der stationären Phase bei Konzentrationen von nur einem Promille zeigen. Bei dieser Konzentration haben fünf dieser Öle, die jeweils aus Knoblauchknollen, Pimentbeeren, Myrrhenbäumen und Ingwerlilienblüten gewonnen wurden, alle Lyme-Bakterien der stationären Phase in ihren Kulturschalen innerhalb von sieben Tagen abgetötet.

Öle aus Thymianblättern, Kreuzkümmelsamen und Amyrisholz sowie Zimtaldehyd, den wohlriechenden Hauptbestandteil von Zimtrindenöl, zeigten ebenfalls gute Ergebnisse.

Tests an Menschen fehlen noch

Tests im Labor wie diese stellen eine frühe Forschungsphase dar. Zhang und seine Kollegen hoffen jedoch, dass sie in naher Zukunft ihre Untersuchungen mit ätherischen Ölen anhand von Tests an lebenden Tieren fortsetzen können, einschließlich Tests an Mausmodellen für eine persistierende Borreliose-Infektion. Wenn diese Tests gut verlaufen und die wirksamen Dosen sicher erscheinen, erwartet Zhang erste Untersuchungen bei Menschen.

"In diesem Stadium sehen diese ätherischen Öle als Kandidaten für die Behandlung einer persistierenden Lyme-Infektion äußerst vielversprechend aus, aber letztendlich brauchen wir gut konzipierte klinische Studien", sagt er.