Hausärztin Claudia Ertl aus Schwadorf kämpfte vergeblich um ihre Hausapotheke

© Katharina Zach

Gesund Ärzte
01/06/2019

Bittere Pillen im Kampf um ärztliche Hausapotheken

Kilometerzahl entscheidet über Schließungen / Initiative will eine Gesetzesänderung erreichen

von Jürgen Zahrl

Bundesweit existieren insgesamt 880 ärztliche Hausapotheken. Im Vergleich dazu gibt es in Österreich 1370 öffentliche Apotheken und fast 30 Filialapotheken. Aus Sicht der österreichischen Apothekerkammer ist die Trennung von Arzt und Apotheke aber wesentlich, um mit dem „bewährten Vier-Augen-Prinzip“ etwaige Medikationsfehler verhindern zu können.

Doch dort, wo öffentliche Apotheken fehlen – betroffen sind meistens Landgemeinden –, dürfen Allgemeinmediziner die Nahversorgerrolle mit einer begrenzten Anzahl an Medikamenten übernehmen. Kilometer und Ortstafeln entscheiden darüber, ob ein praktischer Arzt eine Hausapotheke führen darf. Für manche Landärzte ist es sogar ein wichtiges Geschäft, um zu überleben.

Sperrt eine öffentliche Apotheke in der Umgebung auf, kommt es nicht immer zur freiwilligen Schließung der ärztlichen Hausapotheke, wie das Beispiel in Schwadorf, Bezirk Bruck an der Leitha, Niederösterreich, zeigt.

Juristischer Kampf

Obwohl die Hausärztin Claudia Ertl durch alle rechtlichen Instanzen ging, blieb ihr juristischer Kampf unbelohnt. Der Grund ist die Anwendung der alten Gesetzeslage (vor dem Jahr 2006). Weil die Apotheke in der Nachbargemeinde – fast 2,8 Kilometer entfernt – schon 1999 einen Antrag auf Konzession stellte, aber erst 14 Jahre später öffnete, musste Ertl ihre ärztliche Hausapotheke schließen.

„Für meine Patienten ist das eine Katastrophe. Manche sind nicht mobil, und wenn sie mit jemandem mitfahren können, sind sie dort verärgert, wenn ihr Medikament erst bestellt werden muss“, sagt die Hausärztin. Darüber hinaus ist in Schwadorf nun ein Konflikt um die Bereitstellung von Räumlichkeiten für die Apotheke entbrannt, um Medikamente im Ort ausgeben zu können. Bisher fehlt eine Lösung.

Laut aktueller Gesetzgebung bestünde die Möglichkeit, in sogenannten „Ein-Arzt-Gemeinden“ eine Hausapotheke weiterzubetreiben. Aber auch dann müsste laut Auskunft der Apothekerkammer der Abstand zwischen dem Berufssitz des Arztes und der öffentlichen Apotheke mehr als sechs Straßenkilometer und im Fall eines Arztnachfolgers mehr als vier Straßenkilometer betragen.

Unterschriftenaktion

Inzwischen hat sich eine Initiative namens „Einarztgemeinde“ formiert, die Unterschriften sammelt, um eine Gesetzesänderung für ärztliche Hausapotheken zu erwirken. Betroffene Mediziner und Patienten beklagen eine „Fehlentwicklung“, wenn in ihrer Gemeinde die Hausapotheke schließen muss, obwohl es keine öffentliche Apotheke gibt. „Wir wollen erreichen, dass es – unabhängig von der Kilometerzahl – in jeder Ein-Arzt-Gemeinde eine Hausapotheke gibt“, sagt Rechtsanwalt Markus Lechner, der die Plattform unterstützt: „Gerade auf dem Land sind Hausapotheken ein attraktiver Anreiz, um Jungärzte zu finden.“ Demnächst will man Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein die Unterschriften übergeben.