Genuss 07.03.2018

Wiener Firma verkauft Barsch aus dem Glashaus

Blün GmbH, Gemüse & Fisch, Aquaponic © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Vier Wiener Land- und Forstwirte gründeten am Stadtrand einen "Aquaponik"-Betrieb: Ab Donnerstag können die Produkte über einen Onlineshop bestellt werden.

Wer Wert auf lokal produzierte Lebensmittel legt, muss in Wien neuerdings auch beim Fisch keine weiten Transportwege in Kauf nehmen. Vier Wiener Land- und Forstwirte gründeten am Stadtrand den laut eigenen Angaben ersten heimischen " Aquaponik"-Betrieb.

Bio Gärtnerei in Wien Essling, im Juni 2017 © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

In einem großen Glashaus in der Donaustadt verbindet das Start-up mit dem Namen "Blün" die Gemüse- mit der Fischzucht. Produziert werden sowohl Fruchtgemüse – also Melanzani, Tomaten, Gurken, Paprika und Chili – als auch Welse und Barsche, wie die Unternehmensgründer bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erläuterten. "Die Leute interessieren sich immer mehr dafür, woher die Lebensmittel kommen", sagte Bernhard Zehetbauer, einer der Gründer des Betriebs. Wenn man im Supermarkt einkaufe, gebe es jedoch kaum Fisch aus Österreich. "Wir wollen das Angebot an hochwertigem Fisch aus Österreich erweitern", sagte Zehetbauer.

Blün GmbH, Gemüse & Fisch, Aquaponic © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Im Glashaus wird auf 400 Quadratmetern das Gemüse angebaut. In einem separaten Raum sind die Fischbecken und der Schlachtraum untergebracht. Aquaponik bezeichnet ein Verfahren, das Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur und der Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur in einem geschlossenen Kreislauf verbindet. Diese Art von Fischzucht sei sehr ressourcenschonend, betonte Mitgründer Stefan Bauer. "In Wirklichkeit führt fast kein Weg an der Aquakultur vorbei", meinte er.

Wiener Gastronomen beziehen bereits Fisch aus dem Glashaus

Bio Gärtnerei in Wien Essling, im Juni 2017 © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Herzstück der Anlage ist der Biofilter, über den das Wasser ständig in einem Kreislauf läuft. Täglich werden rund zehn Prozent Frischwasser dazugegeben und genauso viel wieder abgepumpt. Das gefilterte Wasser aus den Fischbecken wird zum Gießen und die aufbereiteten Exkremente der Fische als natürlicher Dünger genutzt. Mit der Abwärme des Gewächshauses wird wiederum die Fischanlage – die Fische schwimmen im 25 Grad warmen Wasser – geheizt.

Blün GmbH, Gemüse & Fisch, Aquaponic © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Für den lokal produzierten Fisch konnte "Blün" auch bekannte Gastronomen begeistern. Abnehmer sind unter anderem das Heuer am Karlsplatz und das Palais Coburg. Zudem werden die Produkte ab Hof und über ausgewählte Handelspartner wie Meinl am Graben vertrieben. Ab morgen, Donnerstag, können die Produkte auch über einenOnlineshop bestellt werden. Die Bestellungen können dann am Rochusmarkt von den Kunden abgeholt werden. Für die Zukunft arbeitet das Team an einem Konzept für einen Zustelldienst. Das Kilo Fisch kostet zwischen 28 und 35 Euro. Der Barsch wird als Ganzes, der Wels filetiert verkauft. Auch geräucherten Fisch hat der Betrieb im Angebot.

Derzeit produziert das Ende 2016 gegründete Unternehmen jährlich 12 Tonnen Fisch und acht Tonnen Gemüse. Innerhalb von zwei Jahren wollen die "Blün"-Gründer kostendeckend arbeiten und den Betrieb schließlich vergrößern.

( Agenturen , kaa ) Erstellt am 07.03.2018