Genuss
16.10.2017

Warum Sie jetzt Quitten essen müssen

Sie ist die "Urmarmelade" und scheint doch bei vielen in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Unrecht.

Die Haut ist pelzig, die Frucht steinhart – in die Quitte verliebt man sich nicht auf den ersten Blick. Das ist wohl einer der Gründe, warum das uralte Kernobst bei vielen in Vergessenheit geraten ist. Dabei hat sie dem liebsten Brotaufstrich der Österreicher ihren Namen gegeben: Auf portugiesisch heißt die Frucht marmelo – aus ihr wurde bereits im 16. Jahrhundert von den Iberern Quittenmus gekocht.

"In Deutschland hat die Quitte eine größere Tradition als bei uns", weiß Klaus Darbo, Marketingchef des gleichnamigen Unternehmens. "Deshalb verkaufen wir das Quittengelee nur im Nachbarland. "In Österreich bieten wir im Winter einen Quittensirup an, der demnächst in den heimischen Supermarktregalen zu finden sein wird", sagt er zum KURIER.

Dabei ist die Quitte "eine spannende Frucht für Marmeladenerzeuger, auch weil sie eine der ältesten Früchte ist", sagt Stefan Schauer von Staud’s. Das Unternehmen bezieht das Grundprodukt für sein Gelee aus Klosterneuburg: "Die Früchte werden in unserer kleinen Fabrik entsaftet, die Aromastoffe werden durch heißes Wasser extrahiert und dann zu einem feinen Gelee verarbeitet."

Hildegard von Bingen: "Wer gichtkrank ist, esse oft die Quittenfrucht"

Eine kleine, aber feineMarmeladenproduktion hat Helga Erhart aus Bad Waltersdorf. Sie kocht sehr viele Früchte ein und stellt fest, dass "die Quitte in den vergangenen Jahren immer beliebter wurde". Auch weil Hildegard von Bingen auf die Heilkraft der Frucht schwor: "Wer gichtkrank ist, esse oft die Quittenfrucht gekocht oder gebraten und sie räumt mit dem Gichtstoff in ihm auf", soll die Heilige und Kirchenlehrerin gesagt haben. Sie empfahl die Frucht auch Menschen, die unter Rheuma litten. Und der "Vater aller Ärzte" Hippokrates bezeichnete die Quitte gar als "die für Heilzwecke nützlichste Frucht," die er bei Fieber und Durchfall verordnete.

Zur professionellen Einkocherin wurde Erhart übrigens aus Zufall: "Früher arbeitete ich als Kellnerin in einem Fünf-Sterne-Hotel", erzählt sie. "Dort fiel eines Tages der Lieferant für die Marmeladen aus, worauf der Chefkoch eine Stunde lang auf mich einredete, ich solle doch einige Gläser meiner selbst gemachten süßen Aufstriche opfern. Das habe ich gemacht und meine Produkte kamen so gut an, dass ich bald sechs Hotels belieferte. Mittlerweile komme ich mit dem Produzieren kaum nach."

200 Sorten: bereits vor 4000 Jahren kulitiviert

Die alte Kulturpflanze stammt übrigens aus der Kaukasusregion, wo sie bereits vor 4000 Jahren kultiviert wurde. Heute gibt es sie in rund 200 verschiedene Sorten, die der Form nach in Apfel- und Birnenquitten unterschieden werden. Die Quitten, die bei uns angebaut werden, sind hart und können nur gekocht genossen werden – als Sirup, Gelee, Mus oder Marmelade. In der Türkei und in Asien gibt es hingegen Sorten, die auch roh genossen werden können.

Heuer ist die Ernte übrigens gut, meint Erhart, die ihre Quitten aus Pöllau bezieht. Und sie verrät, wie sie ihre Quittenmarmelade kocht: "Ich schäle und viertele sie. Auch das Kerngehäuse schneide ich heraus. Danach koche ich ein Kilo Früchte mit etwas Wasser, damit sie nicht anbrennen, mit einem halben Kilo Zucker und mit Quittin ein."

Der Name Quittin verrät schon, woher der Stoff stammt, der Früchte zum Gelieren bringt. Das enthaltene Pektin soll laut Naturheilkundlern zudem als Ballaststoff den Darm in Schwung bringen. Die Herbstfrucht enthält außerdem Vitamin C sowie Eisen und Zink. Grund genug also, zuzugreifen, wenn auf dem Markt wieder die nach Rosen duftenden Früchte angeboten werden.