Barbara van Melle: "Essen, was wir retten wollen"

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Foto: KURIER/Jeff Mangione Barbara van Melle warnt vor den Folgen der schwindenden Artenvielfalt.

Waldviertler Blondvieh wird in Arche des Geschmacks aufgenommen.

Gehorsam und umgänglich ist die kleine Rinderrasse keltischen Ursprungs. Das Fleisch ist stark marmoriert und schmeckt intensiv würzig. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das Waldviertler Blondvieh für harte Feldarbeit eingesetzt, dennoch verdrängte ab den 60ern das leistungsstarke Fleckvieh die alte Rinderrasse sukzessive.

Barbara van Melle, Chefin von Slow Food Wien, prangert die dramatisch schwindende Sorten- und Artenvielfalt in Österreich an. In den vergangenen 100 Jahren wären weltweit etwa 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Vielfalt verloren gegangen. Nicht nur das: Auch kleine handwerkliche Lebensmittel-Verarbeiter mussten großen Unternehmen weichen.

Arche des Geschmacks: drei weitere Lebensmittel aus Österreich

Aus diesem Grund dokumentiert Slow Food in der "Arche des Geschmacks" fast vergessene traditionelle oder vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten und Nutztierrassen. Einige werden als "Presidi" (ital. für Schutzräume) unter dem Motto "Essen, was wir retten wollen" besonders gefördert. Sie werden in einer Kooperation von kleinbäuerlichen Produzenten und der Gastronomie vermarktet. Derzeit gibt es weltweit mehr als 400 "Presidi".

Für Österreich wurden bisher das Grubenkraut, der Lungauer Tauernroggen, der Wiener Gemischte Satz und der Wiesenwienerwald Elsbeerbaum in der Arche aufgenommen. Am Donnerstag wurden im Rahmen einer Pressekonferenz vier weitere heimische "Presidi" präsentiert: das Waldviertler Blondvieh, das feinwürzige Waldstaudekorn (Johannisroggen), das Lesachtaler Bauernbrot und – rechtzeitig zu Beginn der Kirschenernte – die burgenländischen Leithaberger-Edelkirschen, die durch die Mechanisierung in den Weingärten zunehmend bedroht werden.

Bei der Präsentation der bedrohten Lebensmittel trat erstmals die Brauerei Stiegl als Kooperationspartner auf und stellte Biere vor, die mit den Arche-Getreiden gebraut wurden.

(Kurier) Erstellt am
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