Genuss
05.11.2018

Was Foodies laut "Lonely Planet" in Österreich essen müssen

In einer neuen Kulinarik-Bibel ist Österreich das Land der Mehlspeisen und Schnitzeln. Wie könnte es auch anders sein?

Unsere Schweizer Nachbarn steuern Raclette und Fondue bei. Die Deutschen haben es mit Bratwurst, Currywurst, Glühwein und Stollen, Schwarzwälder Kirschtorte, Schweinshaxe und Weißwurst in das Buch „Ultimative Foodie-Ziele“ geschafft. Dieses von "Lonely Planet" neu herausgegebene Werk (mit immerhin 320 Seiten) reiht die Top 500 Spezialitäten weltweit auf – und wo man sie am besten isst (Titel der englischen Originalausgabe des Buchs: „Lonely Planet's Ultimate Eatlist“).

Lob für den Strudel

Auch Österreich ist darin vertreten, und das gleich vier Mal. Mit Apfelstrudel, Mozartkugel, Sachertorte und Wiener Schnitzel. Also eigentlich mit den Klassikern der Klassiker, fast schon ein bisserl klischeehaft. Unter dem Titel „Die Wiener wissen wie es geht“ wird der traditionelle Strudel ausgelobt, als ein Klassiker seit Jahrhunderten, wobei auch auf ein handgeschriebenes Strudelrezept aus dem Jahre 1696 verwiesen wird, das in der Stadtbibliothek zu finden ist. Idealerweise bestünde ein Apfelstrudel aus geschnittenen Äpfeln, Semmelbröseln, Butter, Zucker, Zimt sowie – eventuell – Rosinen und Mandelsplittern.

Die Experten von Lonely Planet empfehlen selbstverständlich, wo man den „hübschesten Strudel der Stadt“ findet: gegenüber der Oper, in „Gerstners prächtigem Café“.  Was übrigens nicht erwähnt wird: Dass der Strudel ursprünglich aus der arabischen Welt stammt, er gelangte über Ägypten, Palästina, Syrien und die Türkei über diverse Feldzüge nach Österreich. Ursprünglich eine Feldverpflegung, war er ein „Arme-Leute-Essen“, erst unter Kaiserin Maria Theresia wurde er „veredelt“.

Die „perfekt komponierte Mozartkugel“ wiederum finden Foodies in Salzburg, und das laut "Lonely Planet", „nur im Café Fürst“, wo es die Original-Kugel gibt. Schließlich wurde sie von Konditor Paul Fürst erfunden, und die Süßigkeit wird dort in fünfter Generation hergestellt. Und auch in Sachen Sachertorte wird der „Originalschauplatz“ empfohlen, „denn nichts geht über den Geschmack des Originals zu einem Kaffee unter den Kronleuchtern im Hotel Sacher“. Fehlt nur noch das Wiener Schnitzel, das in der Foodie-Bibel als „original-österreichisches Erlebnis“ angepriesen wird.

Schnitzel als "Originalerlebnis"

Man bekommt es in Wien aus Sicht der Autoren aber nur an zwei Locations „als Originalerlebnis“. Einerseits im Restaurant „Am Nordpol 3“, im zweiten Wiener Gemeindebezirk, wo „mehr als die Hälfte des Tellers von einem panierten Kalbsschnitzel eingenommen wird, das in Pflanzenöl gebraten und mit einer Zitronenspalte sowie gemischten Salat serviert wird“. Für die etwas edlere Version wird das Lokal „Skopik & Lohn“ in Wien-Leopoldstadt empfohlen.

Kleine Randbemerkung zum „Originalerlebnis“. Tatsächlich ist nur ein Kalbsschnitzel ein echtes Wiener Schnitzel und, richtig, es wird ganz schlicht nur mit Zitronenspalte serviert. Allerdings wurde es einst immer in Schmalz, idealerweise Schweineschmalz,  herausgebacken. Und was die Beilage betrifft: Da liegen die "Lonely-Planet"-Autoren richtig: Zwar gab es Zeiten, in denen eine so genannte „Sättigungsbeilage“ zum Schnitzel empfohlen wurde, wie Reis oder Erdäpfel (das gilt irgendwie immer noch), aber eigentlich reicht ein schlichter, „feuchter“ Salat dazu. Kaiser Franz Joseph bevorzugte sein Wiener Schnitzel übrigens mit Erdäpfelpüree oder Blattspinat.

Das Buch "Ultimative Foodie-Ziele" ist im "MairDumont-Verlag" erschienen und kostet 31,- €