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Im Gespräch
09/21/2015

Vielfalt in absoluten Höhenlagen

Österreichs Almen sind ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft – einer, der wenig beachtet wird.

von Anja Gerevini-Hueter

Sie sind eine der größten, extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaften in Europa – Österreichs Almen. Was sie mit Nachhaltigkeit und Artenreichtum zu tun haben, erzählt Susanne Aigner vom Umweltbüro Klagenfurt.

Wie werden Almen definiert?

Susanne Aigner: Almen sind Flächen, die aufgrund ihrer Höhenlage und des Klimas nur während der Sommermonate bewirtschaftet werden. Die Almbauern sind die letzten Nomaden der Alpen, sie ziehen mit dem Vieh im Frühsommer auf die Almen und im Herbst wieder ins Tal. Für weite Teile der Bevölkerung steht die Alm für Heimat, Tradition, gemütliche Hütten, Volksmusik und Natur. Für die Bauern bedeutet die Alm harte Arbeit und Verantwortung. Sie sind Produktionsstätten für Milch, Milchprodukte und Fleisch und die Basis für einen gesunden, robusten Viehbestand. Auf Österreichs Almen werden jedes Jahr 60.000 Tonnen Milch und 6500 Tonnen Fleisch produziert.

Wie würden Österreichs Berge ohne Almen aussehen?

Ohne die menschliche Nutzung der Almgebiete wären die Berge bis zur natürlichen Waldgrenze mit Wäldern bestückt. Durch die almwirtschaftliche Nutzung ist ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Standorte entstanden. Jeder dieser Lebensräume beherbergt unzählige Tier- und Pflanzenarten.

Was würde passieren, wenn es keine Almen mehr gäbe?

Die Auswirkungen wären vielfältig. Sie wären mit einem Rückgang der biologischen Vielfalt, des Erosionsschutzes und des Tourismus verbunden. Viele der gefährdeten Almblumen, etwa die Arnika, würden kaum geeignete Lebensbedingungen finden. Auch die Lebensräume für viele Vogelarten würden sich verschlechtern und die Äsungsräume für Hirsche und Gämsen stark zurückgehen. In weiterer Folge würden sich die verbrachten Almweiden unter der Waldgrenze zu geschlossenen Wäldern entwickeln. Dies würde auf den Tourismus deutliche Auswirkungen haben. Ein Teil der bäuerlichen Identität im Alpenraum würde verloren gehen. Nicht zuletzt müsste der Verlust von Fleisch und Milchproduktion der Almen ausgeglichen werden – durch Importe oder aus intensiver Landwirtschaft in den Talräumen.

Inwiefern spielt Bio in der Bewirtschaftung der Almen eine Rolle?

Die Almbewirtschaftung erfolgt über weite Bereiche ökologisch, die Richtlinien sind sehr streng. Die Futterbasis muss aus Gräsern und Kräutern der Almweiden bestehen. Getreide und almfremdes Heu darf nur in geringem Maße verfüttert werden. Auch dürfen auf Almen in Österreich generell keine Herbizide oder Insektizide ausgebracht, keine Gülle oder Jauche vom Tal auf die Alm gebracht werden. Auch Kunstdünger ist auf der Alm verboten, hier gilt die Bio-Richtlinie. Sogar die Anzahl der aufgetriebenen Tiere ist reglementiert, um eine Übernutzung zu verhindern.

Wie kann man die Almen stärken?

Meiner Meinung nach ist es dringend notwendig, die Vermarktung von Almprodukten zu stärken und diese als solche zu kennzeichnen. Der Großteil des Fleisches von den Almen ist von herausragender Qualität, von freilaufenden Tieren und nachhaltig sowie ressourcenschonend produziert. Davon merkt der Konsument jedoch kaum etwas, denn es wird konventionell vermarktet. Hier besteht eindeutig eine Marktlücke.

Wie sehen Sie die Zukunft der Almwirtschaft?

Es ist zu erwarten, dass die landwirtschaftlichen Trends der letzten Jahrzehnte anhalten. Deshalb ist es wichtig, dass die Almwirtschaft für die Betriebe im Tal rentabel bleibt. Die Almbauern sind gefordert, kreative Produkte zu entwickeln, das Besondere ihrer Almen zu vermarkten. Für jede Investition ist Planungssicherheit erforderlich. Wenn die Fördersituation für die Almen weiterhin günstig bleibt, kann dies gewährleistet werden. Almen und Almsommer sollen für breite Bevölkerungsschichten erlebbar sein, damit das positive Image der Almen erhalten bleibt. Hier ist Bewusstseinsbildung, vor allem bei der Jugend, erforderlich.

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