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07/09/2015

Griechisches Olivenöl für den guten Zweck

Das österreichische Start-up-Unternehmen Noan finanziert durch den Verkauf von Olivenöl Hilfsprojekte in Griechenland. Der KURIER sprach mit den Gründern über die Anfänge, die Zusammenarbeit mit griechischen Landwirten und ihre Spenden.

von Anita Kattinger

Geschichten über Aussteiger in der zweiten Lebenshälfte gibt es viele – aber nicht alle Neuanfänge haben das Ziel, die Welt ein bisschen besser zu machen. Für Margit und Richard Schweger ging es 2008 aber genau darum. Sie wollten ihrem Leben einen neuen Sinn geben: Geld verdienen für den guten Zweck. Die damals 40-jährige Marketing-Expertin wagte zuerst den Schritt, ihr Mann folgte vier Jahre später. Heute produzieren sie mit ihrer Firma Noan Bio-Olivenöl und Essig, die Erlöse aus dem Verkauf kommen sozial und wirtschaftlich benachteiligten Kindern zugute. Der Großteil ihrer Oliven stammt aus Griechenland, das zu den größten Olivenöl-Produzenten der Welt zählt – der KURIER sprach mit den Start-up-Gründern über ihr geöltes Gewissen, die Griechenland-Krise und ihre Hilfsprojekte.

KURIER: Sie waren ursprünglich in der IT-Branche bzw. im Marketing beschäftigt. Stand anfangs der karitative Gedanke im Vordergrund oder wollten Sie unbedingt ins Olivenöl-Business einsteigen?
Margit Schweger: Wir sind tatsächlich komplette Quereinsteiger und haben uns eines Tages gefragt, wie wir Bedürftigen und Kindern mit unserer Ausbildung helfen könnten. Mit welchem Produkt wir unsere Philosophie umsetzen können, wussten wir anfangs gar nicht. Als wir in einem Griechenland-Urlaub durch unseren kleinen Oliven-Hain spazieren gegangen sind, kam uns schließlich die Idee.

Haben Sie sich das Wissen damals selbst angeeignet?

Richard Schweger:Natürlich beschäftigt man sich mit dem Produkt: Wir haben aber auch einen Oleologen engagiert, um vor dem Start unsere Olivenbäume zu bestimmen. Wir mussten natürlich einen Produktionszyklus abwarten, bevor wir richtig loslegen konnten. Zudem ist uns im Jahr 2008 ein Investor abgesprungen. Als die ersten Flaschen bereits nach vier Monaten ausverkauft waren, wussten wir, dass wir uns für das richtige Produkt entschieden hatten.

Sie haben in Griechenland begonnen, pressen mittlerweile auch italienische und portugiesische Oliven. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort?

Richard Schweger:Ganze Regionen profitieren, wenn die Bauern vor Ort ein regelmäßiges Einkommen haben und die Olivenhaine gepflegt werden. In Griechenland gibt es keine sogenannten Olivenbaum-Autobahnen: Die Landwirte ernten in unwegsamem Gelände mit Gerätschaft und per Hand. Viele Griechen arbeiten übrigens gar nicht hauptberuflich als Landwirte, sie könnten von den kleinen Anbauflächen nicht leben. Im Durchschnitt besitzt ein griechischer Bauer zwischen 500 und 2000 Olivenbäume. Wir garantieren ihnen eine fixe Abnahme und einen fixen Preis für Bio-zertifizierte Oliven. Auf der anderen Seite geben wir den Zeitpunkt der Ernte und Produktionsrichtlinien vor, damit die Qualität passt. In das Öl sollen nur gesunde und gute Früchte kommen.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie sich kein Geschäftsführer-Gehalt auszahlen. Wovon leben Sie?
Richard Schweger: Das stimmt, ich arbeite ehrenamtlich, meine Frau ist geringfügig angestellt. Einerseits konnten wir Einiges ansparen, auf der anderen Seite arbeite ich als Selbständiger in der Immobilienbranche. Wir geben eine Spendengarantie ab: Mindestens 10 Prozent des Umsatzes werden gespendet. Bis Ende 2014 konnten wir bereits 96.000 Euro spenden.

Spüren Sie die Griechenland-Krise?
Margit Schweger: Es hat sich insofern nichts geändert, als die Krise ja nicht erst jetzt mit den Verhandlungen über einen neuen Kredit begonnen hat. Die Oliven-Ernte wurde im November eingefahren, auch die Schädlingsbekämpfung für die Saison ist bereits abgeschlossen. Die Leute sind in der jetzigen Situation froh, wenn sie Geld verdienen. Wir bezahlen bei Lieferung, in Genossenschaften würden die Landwirte das Geld erst später ausbezahlt bekommen.

Mit den Einnahmen finanzieren Sie auch Projekte in Österreich oder Indien, aber welche Projekte finanzieren Sie in Griechenland?

Margit Schweger: Kinder leiden unter wirtschaftlichen Krisen immer ganz besonders. Wir unterstützen drei Volksschulen auf der Halbinsel Pilion. Jener in Argalasti fehlt es zum Beispiel an Heizöl, diese ist nur eine halbe Stunde von unserem kleinen Olivenhain entfernt. Unsere Spende soll auch dabei helfen, dass die Schule eine kleine Bibliothek finanzieren kann. Wir arbeiten mit einer Deutschen vor Ort zusammen, die seit 30 Jahren in Griechenland lebt und direkten Kontakt zu den Menschen hat. Beispielsweise hatte ihr ein Pfarrer von einem langzeitarbeitslosen Vater mit sieben Kindern erzählt, dieser Familie konnten wir schnell helfen.

Wie soll es mit Ihrer Firma weitergehen, haben Sie neue Ideen?
Richard Schweger: Ja, nach Olivenöl und Essig wollen wir mit Macadamia-Nüssen aus dem Direkthandel im Herbst starten.

Die Firma stellt sich in einem Video vor

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