Genuss
09.02.2017

Wie lange halten Lebensmittel tatsächlich?

Acht Produkte gingen an den Start: Sieben waren auch zwei Wochen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums weiterhin genießbar.

Viele Lebensmittel sind nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) noch genießbar. Im aktuellen Langzeitcheck von Greenpeace waren es sieben von acht Produkten, die noch zwei Wochen später einwandfrei waren. In der Realität werden Lebensmittel jedoch oft weggeworfen, denn die Kunden verlassen sich meist "auf ein oft viel zu frühzeitig gewähltes Datum", sagte die NGO-Sprecherin Hanna Simons.

Der Test von Greenpeace ist insgesamt auf vier Monate angelegt. Ob die Produkte – etwa Eier, Käse, Joghurt, abgepackte Wurst und abgepacktes Gebäck – noch essbar sind, wird im Labor der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA) mikrobiologisch und sensorisch getestet. Das geschieht seit Jänner im Zweiwochen-Rhythmus. Die erste Runde (hier die detaillierten Testergebnisse) haben bis auf einen veganen Brotaufstrich alle "Teilnehmer" überstanden. Letzterer wurde beim sensorischen Gutachten als "gärig" beschrieben und die mikrobiologische Untersuchung ergab eine hohe Hefe-Keimzahl. Das MHD war folglich vom Hersteller offenbar realitätsnah angegeben, so Greenpeace.

Diese Realitätsnähe beim Haltbarkeitsdatum ist auch eine der Forderungen von Greenpeace, denn viele Produzenten würden das MHD auf ihren Produkten früher ablaufen lassen als nötig. Von der Regierung wird auch eine Informationsinitiative darüber eingefordert, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Ablaufdatum ist. Der Hintergrund: Mindestens 760.000 Tonnen Lebensmittel landen in Österreich jährlich im Müll, mehr als die Hälfte des Abfalls (490.000 Tonnen) wäre vermeidbar, so die NGO. Mehr als ein Drittel davon entsteht in Privathaushalten. Greenpeace fordert einen österreichweiten Umsetzungsplan mit dem Ziel einer Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 und startete eine Online-Petition.

11 Lebensmittel ohne Ablaufdatum

Aufmachen, riechen, kosten – und gegebenenfalls wegwerfen. Dieser Test funktioniert bei offenen und leicht verderblichen Lebensmitteln wie Milch recht einfach. Bei abgepackten Genussmitteln wie Kaffee oder Nudeln funktioniert dieser Test allerdings nur, wenn man die Verpackung öffnen will.

Geht es nach der EU braucht es solch einen Test bei diesen Lebensmitteln auch gar nicht, seit langem wird sogar eine Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bei besonders lange haltbaren Lebensmitteln debattiert. Die Angabe zur Mindesthaltbarkeit verrät übrigens nicht, wie lange das Lebensmittel verzehrt werden kann. Das Datum gibt Auskunft darüber, wie lange ein Nahrungsmittel bei richtiger Lagerung seine Eigenschaften wie Konsistenz, Nährwert oder Geschmack mindestens behält. Immer vorausgesetzt die Lebensmittel sind frei von Schimmelpilz, dieser breitet sich bei feuchter oder warmer Lagerung aus. Luftdicht verpackte Lebensmittel schimmeln weniger leicht. Experten raten daher dazu, mit Schimmel befallene Lebensmittel wegzuwerfen. Im Unterschied zum MHD sagt ein Verbrauchsdatum, bis wann Nahrungsmittel verzehrt werden sollen.

Kaffee

Kaffeepackungen sollte am besten in einer Vorratskammer gelagert werden, ungeöffnet sind diese ohne Geschmacksverlust bis zu zwei Jahre haltbar. Sauerstoff, Feuchtigkeit, Wärme und Licht beschleunigen die Verflüchtigung von Aromen. Eine Studie des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Wien hat ergeben, dass die Genussqualität von ungeöffneten Kaffeebohnen schon nach neun Monaten abnimmt: Der Kaffee riecht und schmeckt weniger intensiv.

Gewürze

Gewürze wie Pfefferkörner, Zimtstangen, Sternanis oder Kardamom behalten unzermahlen bis zu vier Jahre ihren vollen Geschmack, viel länger als Gewürze in Pulverform. Gewürznelken bewahren sogar bis zu fünf Jahre ihre Aromen. Zermahlene Kräuter verlieren bereits nach wenigen Monaten ihre Würzkraft, hier sind luftdicht verschlossene Gefäße umso wichtiger. Gewürzregale sollten nicht neben dem Herd hängen, denn Hitze, Dampf und Fremdgerüche schaden den Kräutern.

Essig

Essig selbst wird für eingelegtes Gemüse als Konservierungsmittel eingesetzt und gehört zu jenen Lebensmitteln, auf denen kein MHD angegeben ist. Bei kühler Lagerung hält die ungeöffnete Essig-Flasche ohne Geschmackseinbußen bis zu zehn Jahre. Wird Essig längere Zeit offen stehen gelassen, bilden sich Schlieren und ein Bodensatz (in der Fachsprache Essigmutter). Dabei handelt es sich um Essigsäurebakterien, die gesundheitlich absolut unbedenklich sind, solange sich kein Schimmel gebildet hat.

Nudeln, Mehl und Reis

Trocken und gut verschlossen sind Nudeln und Reis bis zu zwei Jahre haltbar. Vollkornprodukte halten wegen ihres höheren Fettanteils durch den Keimling nicht so lange. Lebensmittelmotten bei diesen Produkten sagen nichts über die Haltbarkeit aus und können sich auch bei frischen Produkten einnisten.

Honig

Je geringer der Wassergehalt in Honig, desto länger hält er. Je wärmer Honig gelagert ist, desto schneller wird er schlecht. Wenn das Glas gut verschlossen ist und dunkel gelagert wird, hält Honig einige Jahre. Wenn der Honig geöffnet ist, sollte er binnen eines Jahres verzehrt werden. Honig kann durch lange Aufbewahrung kristallisieren und fest werden, durch Erhitzen wird er wieder streichfähig.

Hartwürste

Dauerwürste wie Cabanossi sind entweder gebraten und getrocknet oder nach feuchter Erhitzung kalt geräuchert und getrocknet. Sie werden stets ohne Stärkezusatz hergestellt. Auch ohne Kühlung sind sie mehrere Wochen bis Monate haltbar. Die Dauerwürste werden allerdings härter und zäh.

Zucker

Schimmel und Bakterien mögen keinen Zucker, deswegen hat dieser auch kein MHD. Warum? Zucker hat wie Salz eine starke Wasserbindungskraft und erzeugt einen hohen osmotischen Druck: Kommen Bakterien mit Zucker in Kontakt, verlieren sie ihr Wasser und sterben. Zucker wird daher auch zum Konservieren und Weiterverarbeiten eingesetzt, zum Beispiel beim Einkochen von Obst. Bei trockener Lagerung ist Zucker unbegrenzt haltbar.

Eingelegter Fisch

Ohne Scherz: Zehn jahre nach Ablaufdatum würden sie noch immer keine Fischvergiftung bekommen. Allerdings wäre der Inhalt von Sardinendosen wohl kein Genuss mehr und auch nicht mehr ansehnlich. Gewölbte oder beschädigte Dosen und Gläser gehören in den Müll.

Salz

Speisesalz schimmelt nicht und verliert seine Kraft auch nach Jahren Lagerung nicht, allerdings kann Salz verklumpen. Gourmet- oder Steinsalze sind mit keinem MHD versehen, jodiertes Salz hingegen schon.