Genuss
02.04.2018

Promi-Wirte: "Es ist Schwachsinn, dass Raucher mehr konsumieren"

Nach dem Kippen des Rauchverbots machen prominente Wirte für das Volksbegehren "Don’t smoke" mobil.

Mehr als 570.000 Unterstützer konnten die Initiatoren des Volksbegehrens " Don’t smoke" bereits gewinnen – kommende Woche, am 4. April, endet die Unterstützungsphase. Zwei Wochen, nachdem die ÖVP- und FPÖ-Abgeordneten geschlossen für die Rücknahme des ab 1. Mai geplanten Rauchverbots gestimmt hatten, melden sich prominente Gastronomen zu Wort. Beim Rundruf des KURIER ergab sich ein klares Bild: Die Forderung nach Wahlfreiheit und Eigenverantwortung – lautstark von ihren politischen Branchenvertretern vorgebracht – teilen sie nicht.

Arbeitnehmerschutz

ORF-Fersehkoch Andi Wojta hat seine Wiener Kantine Minoritenstüberl vor 15 Jahren umgestellt und bei "Don’t smoke" bereits unterschrieben: "Mir und meinen Mitarbeitern hat die Umstellung gesundheitlich gut getan. Rauchverbote funktionieren auf der ganzen Welt."

Auch Haubenkoch Max Stiegl (Gut Pubrach) hat die Petition unterschrieben: "Ich reise viel. Man darf nirgends rauchen, außer in der Bananenrepublik Österreich." Wenn für alle in der Gastro-Branche das Rauchverbot gelten würde, dann gebe es für niemanden Nachteile: "Es wären alle vor dem Gesetz gleich."

Der burgenländische Winzer Leo Hillinger, der u.a. in Wien, Innsbruck und Kitzbühel Wein-Bars betreibt und ebenso unterschrieben hat, kritisiert, dass die Politiker nicht die Stimme des Volkes hören wollen: "Wir reden immer von den Gesundheitskosten: Wer zahlt denn für die rauchenden Menschen?" Pro Jahr werden in Österreich rund 4.000 Lungenkrebs-Erkrankungen registriert – Lungenkrebs rangiert hierzulande sowohl bei Männern als auch bei Frauen an oberster Stelle der Krebssterblichkeit.

Für Karl und Rudi Obauer, Köche des Jahrzehnts, steht daher der Arbeitnehmerschutz im Fokus: "Auch rauchende Mitarbeiter wollen nicht tagelang im Raucher-Bereich arbeiten." Ihr Hotel in Werfen (S) ist schon lange rauchfrei, auch in ihrem Hauben-Restaurant darf nicht gequalmt werden, allerdings im Bar-Bereich: "Aber wir sehen Rauchen als riesiges Problem an – es ist ein Politikum. Als Arbeitgeber kann man Mitarbeiter nicht zwingen, im Raucher-Bereich zu arbeiten."

Haubenköchin Sohyi Kim stimmt zu und ergänzt: "Jeder muss für sich selbst entscheiden, er darf aber andere nicht gefährden." Sie will das Volksbegehren unbedingt unterschreiben.

Haben Raucher dicke Börse?

Einige der Top-Gastronomen erklären beim KURIER-Rundruf, dass sie sich die Entscheidung im Gegensatz zu Kaffeehäusern und Beisln leisten können. Michael Grossauer, der mit seiner Familie ein Dutzend Restaurants und Wirtshäuser in Graz, Wien und Baden betreibt, ist übrigens der einzige der befragten Gastronomen, der bei "Don’t smoke" wohl nicht unterschreiben wird: "Gewisse Lokale leben von einer Raucher-Lösung, aber langfristig wird die aktuelle Lösung in Österreich nicht halten." Bestellen Raucher tatsächlich ein Glaserl mehr, wenn sie rauchen dürfen? Hillinger: "Es ist ein Schwachsinn, wenn man glaubt, dass Raucher mehr konsumieren."

Auch das Landhaus Bacher hat den Umgang mit den Rauchern "etwas geändert", wie Haubenkoch Thomas Dorfer erzählt. "Wir sind ein Nicht-Raucher-Betrieb, gestatten aber geschlossenen Gesellschaften zu rauchen."

Für den Salzburger Haubenkoch Andreas Döllerer beginnt ab Montag eine neue Ära – denn dann darf auch an seiner Bar nicht mehr geraucht werden. Auf ein Umdenken der Politik will er "nicht mehr warten".