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© Anita Kattinger

Flatschers
02/10/2014

Ein Bistrot für die Allerliebste

Moules frites und Burger locken die Wiener Bobos.

von Anita Kattinger

Wer mit Andreas Flatscher ein Gespräch beginnt, kann jederzeit mit ihm auf der Toilette landen. Dort geht es dann in Sachen Körpergeruch eifrig zur Sache. Keine Angst, es handelt sich keinesfalls um ein anrüchiges Etablissement, sondern vielmehr um Flatschers Enthusiasmus für seinen Job. Und um seine feminine Seite, aber dazu später. In einer Woche eröffnet der 38-Jährige in Wien-Neubau sein französisches Restaurant namens Flatschers Bistrot mit 70 Sitzplätzen. Im selben Häuserblock befindet sich bereits sein stets gut besuchtes Burger-Restaurant Flatschers. Erste Sporen verdiente sich der Studienabbrecher übrigens mit der Wäscherei, das Lokal im 8. Bezirk verkaufte er vor drei Jahren.

Für den KURIER öffnete der junge Gastronom vorab bereits die Türen und eines lässt sich sagen: Das Interieur geht durchaus als französisch durch. Schummriges Licht, warme Farbtöne, viel Holz, Kreide-Tafeln und eine Bar, an der es sich wegen einer Eisenstange (Leser mögen den fehlenden Fachbegriff verzeihen) herrlich lümmeln lässt. Besonders hübsch im Sommer: Die Fenster zur Straße lassen sich öffnen. Hinter dem Lokal wartet ein Gastgarten den Bobos auf, derzeit befindet sich dieser noch im Winterschlaf.

Hommage an Nelly

Warum sich Flatscher vergrößern will, lässt sich mit einer Amour fou erklären. Trotz des Café Francais und des Le Bol ersehnte sich seine Ehefrau Nelly ein Stück Paris nach Wien. Die gebürtige Französin vermisste richtig gute Moules frites und ein Lokal, in dem es nur französische Musik und Gin Tonics in Übermaß gibt. Also erdachte sich Flatscher einen wahren Liebesbeweis: ein Bistrot. Auch im neuen Restaurant sollen die Flatscher-Burger angeboten werden, allerdings um fünf Gerichte erweitert. Neben den bereits genannten Moules frites stehen unter anderem Garnelen und Steinbuttfilet auf der Karte. Eine Portion Muscheln für zwei Personen soll es um 35 Euro geben.
Wer nun glaubt, dass es bei diesen Details bleibt, der kennt Andreas Flatscher nicht. Denn er versucht sich auch an einem Original-französischen Baguette. Schon Trendbäcker Helmut Gragger gab immer wieder zu, dass die Franzosen ihr Mehl anders mahlen. Flatscher will davon nichts wissen. Sein BäckerCyrill Bleiin Retz hat eigens einen Kurs bei einem Elsässer Bäcker gemacht. "Laut meiner Frau schmeckt das Baguette wie in Frankreich. Wenn man es bricht, hört man es im ganzen Lokal." 31 verschiedene Gin-Sorten und vier verschieden Tonic-Marken sorgen dafür, dass keine Baguettebrösel im Hals stecken bleiben. Und zu einem französischen Ambiente gehört auch französische Musik: Angefangen von Edith Piaf bis Carla Bruni.

Ein Lokal für Frauen

Liebend gerne hört er seiner Frau Nelly zu: Und zwar, wenn sie sich über stinkende, schmutzige Toiletten beschwert. Oder über mangelnden Platz für Handtaschen. Da diese Fakten nicht für alle Leser gleichermaßen interessant ist, nur so viel: Im ganzen Lokal befinden sich Haken für Handtaschen bzw. Jacken, auch am Klo, dort steht sogar ein Parfum für Männer und eines für Frauen zur Verfügung. Flatscher amüsant: "Auch die Häusln sind genauso klein wie in Paris."

Zur Pariserin kommt eine freche Göre

Ende des Frühjahrs macht er sein drittes Lokal auf: "Zur flotten Charlotte". Das soll dann ein Berliner Lokal durch und durch werden – die beste Currywurst der Stadt soll es dort geben. Sein Küchenchef Sebastian Ziehaus hat an einem Rezept mit Apfel- und Zwiebelstückchen gebastelt. Wiesbauer Gourmet setzt das Rezept mit 17 Zutaten um. Als Goodie für seine Stammgäste lässt er in der winzigen Lokalität auch Schließfächer anbringen: "Ich will einen kleinen Hafen Sicherheit bieten. Dort können meine Gäste für 100 Euro im Jahr ein Schließfach mieten und ihren zweiten Wohnungsschlüssel verstauen. Inbegriffen im Preis ist eine Flasche Spirituose ihrer Wahl. Und jene, die ein bissl 'impressen' wollen, kommen dann mit ihren Freunden, holen die teure Flasche aus dem Bankschließfach und laden sie ein." Sein Steuerberater und sein Anwalt hätten bereits zugeschlagen.

Frei nach dem Motto einer durchzechten Nacht: "Non, je ne regrette rien."

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