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12/02/2020

Gesundes Raumklima: Ist die Luft noch rein?

Während es draußen immer kälter wird, sorgen Heizung und Kerzen daheim für Wärme. Was macht das mit der Luft, die wir einatmen?

von Angelika Gross

Im Winter hält man sich die meiste Zeit in warmen Innenräumen auf. Dieses Jahr verbringen wegen des Lockdowns viele Menschen den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden. Sie arbeiten im Home Office, kochen ihr Essen, sehen fern auf dem Sofa und betreiben Sport im Wohnzimmer. Das alles hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Raumluft.

Peter Tappler von der IBO Innenraumanalytik kann das genauer erläutern: „Das sind zum einen Chemikalien, die von den Materialien der Einrichtungsgegenstände abgegeben werden, zum anderen das, das von uns Menschen abgegeben wird. Das alles wirkt sich stark auf die Innenraumluft aus. Auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben direkten Einfluss auf unsere Behaglichkeit.“ Plötzlich rückt also die bisher oft unbeachtete Raumluft in den Fokus.

Nicht ausreichend erforscht 

Es gibt mittlerweile erstaunlich viele Produkte auf dem Markt, die auf unterschiedlichste Weise dazu beitragen, die Luftqualität zu verbessern. Von Aromatherapie, Räucherstäbchen und Duftkerzen bis hin zu Raumluftsprays. Es soll gut riechen und uns ein bisschen Wellness ins Zuhause bringen. Doch hier ist weniger mehr, denn wie sich die Raumdüfte langfristig auf die Gesundheit auswirken, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Fest steht jedenfalls: „Alle Verbrennungsprozesse im Innenraum produzieren massenhaft feine Partikel. Und die atmet man dann ein“, erklärt Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie an der Med Uni Wien. Sollte man dennoch nicht auf die Wohlfühlatmosphäre im eigenen Heim verzichten wollen, empfiehlt der Mediziner, im Schlaf- oder Kinderzimmer auf die Anwendung von Kerzen und Räucherstäbchen zu verzichten, oder zumindest danach ordentlich zu lüften.

Und wie lüftet man richtig? Obwohl es bei den kühlen Temperaturen draußen nicht gerade verlockend ist, die Fenster zu öffnen, rät Tappler: „Jetzt ist es am wichtigsten, regelmäßig zu lüften, da wir uns im Winter zu 95 Prozent in Innenräumen aufhalten.“ Das muss nicht unbedingt lange sein, aber dafür:„Kurzes und regelmäßiges Stoßlüften. Je kälter es draußen ist, desto schneller passiert der Luftaustausch zwischen innen und außen, weil die Temperaturdifferenz größer ist“, so Tappler.

Natürliche Methoden

Neben dem richtigen Lüften ist für die Qualität der Raumluft auch entscheidend, dass nicht nur auf eine angemessene Temperatur geachtet wird – im Winter zwischen 20 und 22 Grad – , sondern auch auf die Luftfeuchtigkeit. Diese sollte laut Hutter immer zwischen vierzig und fünfzig Prozent liegen. Unter diesem Wert kann die Luft schnell zu trocken werden, was dann zu Reizerscheinungen an den Augen und den Atemwegen führen könne, so der Umweltmediziner. Es gebe aber genug natürliche Methoden, um die Luftfeuchtigkeit im Winter in der Wohnung zu erhöhen. Eine davon war schon unseren Großeltern bekannt: frisch gewaschene Wäsche im Raum aufhängen.

Natürliche Luftfilter, davon ist Hutter überzeugt, sind auch Zimmerpflanzen. „Diese filtern die Schadstoffe und erhöhen die Luftfeuchtigkeit“, erklärt er. Außerdem hätten sie eine positive Auswirkung auf unsere Psyche und unser Wohlbefinden. Bei Topfpflanzen sollte man jedoch bedenken, dass die Erde auch eine potenzielle Quelle für Schimmelpilze sein kann, so Hutter.

Mit dem Gießen sollte man es daher nicht übertreiben. Wer also auf die gemütliche Stimmung in der Wohnung nicht verzichten will, der Gesundheit aber dennoch etwas Gutes tun möchte, sollte statt den Duftstäbchen lieber eine Efeu-Pflanze oder einen Drachenbaum wählen. Der Raumluft sollten wir jedenfalls auch in Zukunft Aufmerksamkeit schenken. Denn: „Bei einer optimalen Raumluft fühlen sich die Menschen wohler und sind nicht nur produktiver, sondern auch leistungsfähiger“, sagt Peter Tappler vom Büro für Innenraumanalytik.

Tipps für ein gesundes Raumklima

- In der kalten Jahreszeit mindestens fünfmal am Tag für kurze Zeit, also nur drei bis vier Minuten, Stoßlüften. Heißt: Die Fenster quer öffnen, die Luft durchziehen lassen. Die Wohnung kühlt dabei nicht stark aus, weil das Lüften nur kurz ist

- Auf die Luftfeuchtigkeit achten: Sie sollte zwischen vierzig und fünfzig Prozent liegen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu Schimmelbildung in der Wohnung führen

- Ist die Luft hingegen zu trocken, hat also nur 20 oder 30 Prozent Feuchtigkeit, kann das zu Reizen in den Augen oder Atemwegen führen. Deshalb: Frische Wäsche in der Wohnung aufhängen und Zimmerpflanzen aufstellen, die sind nicht nur Deko

- Zimmerpflanzen, die Schadstoffe filtern und die Luftfeuchtigkeit erhöhen, sind: Efeu, Yucca, Bogenhanf, Drachenbaum, Ficus Benjamini (Birkenfeige)

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