Tiefblaue Eleganz bei diesem Sessel von Bloomingville

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Interview
01/10/2020

Welche Wohntrends uns 2020 erwarten

Wie sich heuer die Wohnstile und Materialien vermischen, weiß Interior Designerin Eveline Christoffer.

von Julia Gschmeidler

Welche Einrichtungstrends erwarten uns Ihrer Meinung nach in diesem Jahr?
Eveline Christoffer: Art Déco ist einer der großen Einrichtungstrends – auf der Maison & Object in Paris war das klar zu sehen. Gucci Decor präsentierte in Mailand einen Messestand im Hollywood Glam der 50er-Jahre – Samt auf Polstermöbeln liegt nach wie vor im Trend. Tapeten mit metallischen Effekten und mit großen, floralen Mustern, die wie überdimensionale Bilder wirken, sind ebenfalls ein Thema. Im Gegensatz zu dieser Opulenz steht das Thema Natürlichkeit – es spiegelt den gesellschaftlichen Trend hin zu ehrlichen Materialien, Unikaten und traditionellem Handwerk wider.

Durch die Digitalisierung mit ihrer Vernetzung und der ständigen Erreichbarkeit werden einerseits zunehmend Smart-Home-Lösungen nachgefragt, andererseits mache ich im Kundenkontakt die Erfahrung, dass es ein wachsendes Bedürfnis gibt, sich in „analoge“ Wohlfühlräume zurückzuziehen.

Und die Urbanisierung führt dazu, dass immer mehr Menschen in Städten leben, wodurch tendenziell die Wohnfläche pro Person geringer wird – platzoptimierte Raumkonzepte und multifunktionale Lösungen werden daher immer gefragter.  

Wie entstehen Einrichtungstrends eigentlich und wie oft wechseln sich diese ab?
Oberflächliche Trends von kurzer Dauer können zum Beispiel von der Mode, der Kunst oder der Filmindustrie ausgehen. Einrichtungstrends werden natürlich auch durch Megatrends wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, Urbanisierung, Silver Society und Individualisierung beeinflusst. Trendscouts, Trendagenturen, renommierte internationale Designer können Vorreiter bei der Definition von Trends sein.

Ein Beispiel ist das Revival von Spannteppichen, ausgelöst durch die Kreativchefin von Cassina, die in ihrem Showroom den Teppichboden sogar an der Wand hochzog. Die Trendforscherin Naomi Pollard erwartet, dass  Qualität, zeitloses Design, Wohlbefinden und die „Unvollkommenheit des Lebens“ im Mittelpunkt stehen werden – dieser Ansatz gefällt mir  sehr gut.

Welche Farben begleiten uns heuer?
Die Farben des Meeres kommen ganz stark – von tiefdunklen Blautönen über Grüntöne bis zu Pastelltönen in Türkis, Aqua, Grau – auch metallisch glänzend. Ein weiterer Trend werden Erdfarben, inspiriert von der Natur, sein. Akzentfarben wie Scharlachrot, Orange, Safrangelb bleiben, Kurkuma wird stark kommen. Mir gefällt besonders gut die neue Farbpalette „Colour by Nature“, mit der man wahre Farben der Natur nach Hause holen kann. Farrow & Ball hat diese gerade in Zusammenarbeit mit dem Natural History Museum in London entwickelt.

Und welche Materialien sind im Kommen?
Matte Metalle, Messing, Geflecht bleibt, Samt, Bouclé, Cord für Polstermöbel. Möbel aus Recycling-Kunststoffen und natürlichen Materialien. Bei den Accessoires sanft getöntes Glas für Vasen, Leuchten, Trinkgläser.

Wie und wo holt man sich am besten Inspiration?
Ich lasse mich gerne von der Natur, in Museen, auf den Messen, in den Straßen und Cafés, auf Instagram, auf außergewöhnlichen Webseiten von ebensolchen Anbietern und auch von Wohnzeitschriften inspirieren.

Welche Möbel sind nächstes Jahr ein Must-have für jede Wohnung?
Ich würde das nicht vorgeben – ein „Must-have“ für jede Wohnung wäre ein neues, individuell ausgesuchtes und persönliches Lieblingsstück – mein Persönliches wäre ein Printed Kelim, ein handgeknüpfter Flachwebeteppich.

Wie lange ist denn die Vorlaufzeit vom Prototypen eines Möbelstücks bis in den Shop?
Wenn es um eine reine Mutation eines bestehenden Möbels geht, wie zum Beispiel eine neue Farbe oder eine andere Holzart, dann kann es relativ schnell gehen – was aber in der Regel selten unter sechs Monaten dauert. Bei Neuentwicklungen kann man mit ein bis drei Jahren rechnen, bis das Serienprodukt im Geschäft erhältlich ist.

Was passiert, wenn sich ein Trend nicht durchsetzt und wie reagieren die Unternehmen darauf?
Ich beispielsweise setze nicht auf den „einen“ Trend. So lassen sich dann einzelne Produkte auch in Kombination mit anderen Trends einsetzen oder als Ergänzung zu bestehenden Einrichtungen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, Einzelstücke im Rahmen einer Kundenveranstaltung für ein Charity-Projekt zu versteigern.