Pistenpanorama: Grandioser Glocknerblick, fernab vom Trubel.

© www.GG-resort.at/Herbert Wackerle

Osttirol
11/19/2013

Winterparadies

Tirols Sonnenseite im Süden: Das kleine Osttirol hat 266 Dreitausender und jede Menge unberührte Natur. Langsam erwacht es aus seinem Dornröschenschlaf.

von Eva Gogala

Früher, als Autos noch Schiebedächer hatten, war eine Fahrt über die Pustertaler Höhenstraße in der Abenddämmerung nicht ungefährlich. Spätestens wenn man den Raubvogel, der ganz schön knapp über dem offenen Autodach flog, als Steinadler identifiziert hatte, musste man sich trotz Staunens sehr darauf konzentrieren, nicht von der steilen, schmalen Straße abzukommen. Den Steinadler gibt es noch immer in Osttirol, nur Autos mit Schiebedächern kaum noch. Dafür trifft man dort auch noch den Bartgeier – die gefährdete Art wurde nachgezüchtet und ausgewildert – Gämsen, Steinböcke, und Murmeltiere. Einfach so. Ohne sich groß auf die Suche zu begeben. Immerhin liegt ein großer Teil Osttirols mitten im Nationalpark Hohe Tauern.

„Wenn man die Augen zumacht und an eine romantische Berglandschaft denkt, dann fällt einem so etwas wie Osttirol ein.“ Martha Schultz, die Frau, die das sagt, muss es wissen. Weil sie Tirol gut kennt – die Unternehmerin stammt aus dem Zillertal – und sie seit einiger Zeit dabei ist, die Region um Lienz zwischen Großglockner und den Dolomiten aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen.

Osttirol ist so etwas wie das „andere“ Tirol. Eine Tiroler Enklave quasi: Es gibt nur zwei Möglichkeiten, sich ihr, aus Österreich kommend, anzunähern: Über das gewundene Drautal aus Kärnten oder über die steile Felbertauernstraße aus Salzburg. Es war vermutlich diese Abgeschiedenheit, die bewirkt hat, dass das Leben hier ein wenig langsamer verläuft. Osttirol und seine Menschen sind nicht laut. Auch nicht besonders schnell. Eher bedächtig und nachdenklich. Hartnäckig und sicher nicht anbiedernd wie in manchen anderen Gegenden. Schnelle und vor allem viele Worte sind ihre Sache nicht. Bald gilt dem Einheimischen einer als zu geschwätzig: „Der redt’ ja nur, damit’s Maul a Arbeit hat.“

Über den Wolken: Im Hochpustertal scheint die Sonne besonders oft, ideale Bedingungen für Freerider

Auch Veränderungen brauchen hier ihre Zeit. Was sich zum Glück gar nicht verändert, ist die Schönheit der Landschaft. Den Glockner und den Großvenediger kennt in Österreich jedes Kind – zumindest vom Hörensagen.Dass es allein in Osttirol 266 Dreitausender gibt, ist vermutlich weniger bekannt. Sie tragen für Ostösterreicher eigentümlich klingende Namen wie Lasörling, Mullwitzaderl, Klexenkopf oder Muntanitz.

Alles in allem ideale Voraussetzungen für Menschen, die in ihrem Winterurlaub einige Dinge nicht wollen: Den Trubel, die Massen auf den Pisten samt langen Warteschlangen vor den Liftstationen und die laute Après-Ski-Sause. Was sie dafür bekommen: Landschaft, und davon ziemlich viel. Wo kann man schon aus der Seilbahngondel steigen und ohne großen Aufwand bei klarer Sicht – die herrscht dort zum Glück sehr oft – den Glocknergipfel zum Greifen nah vor Augen haben. Im Resort Kals-Matrei geht das. Dort, wo es mit der Adler Lounge auf dem Gipfel des Cimaross das auf 2.400 Meter höchst gelegene Haubenrestaurant Osttirols gibt. Wer sich bis ans Ende der spektakulären Aussichtsplattform vorwagt, darf von sich behaupten, dass er sicher nicht unter Höhenangst leidet. Und wer es nicht so weit, nämlich nur bis zur Sonnenterrasse schafft, wird trotzdem mit einem tollen Glocknerblick belohnt.

Die Orte Osttirols mit ihren typischen spitzen, schlanken Kirchtürmen schmiegen sich entlang der tief eingeschnittenen Täler aneinander – im Hochpustertal, der Sonnenseite Osttirols bis nach Sillian, dem Grenzort zu Italien. Im Defereggental, von dem alle behaupten, rund um St. Jakob gebe es den wunderbarsten Pulverschnee Österreichs. Dort, wo Hüttenwirt Emil mit viel Engagement seine Gäste versorgt. Dieser Emil, der offenbar ein typischer Osttiroler ist. Als man ihm anbot, an der Talabfahrt einen Wegweiser zu seiner Hütte zu montieren, lehnte er dankend ab. Er brauche das nicht, denn: „Wer zu Emil will, der wird auch zu Emil finden.“

Und wem das alles noch immer zu viel Action ist, der sollte sich ins Villgratental verfügen und die Tourenski mitnehmen. Ja genau jenes Tal, das einst durch das Wildererdrama bekannt geworden ist. Dort nämlich gibt es gar keine Liftanlagen. Wer auf den Berg will, schafft das nur durch Muskelkraft. Die Villgratener wollen es so. Wenn die Gäste einmal da sind, werden sie mit größter Freundlichkeit behandelt. Schließlich wollen die Osttiroler schon, dass man sie findet. Wie Hüttenwirt Emil.

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