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Freizeit
08/30/2021

„Wien war einmal Welthauptstadt der Magie“

Von Krems aus in die weite Welt: Das Magierduo Thommy Ten & Amélie van Tass über seinen Weg nach Las Vegas.

von Bernhard Praschl

Am Anfang stand auch bei ihnen ein Zauberkasten. Aber was dem folgte, ist einzigartig. Thommy Höschele gewann im Jahr 2000 mit 13 als jüngster Magier den Titel „Österreichischer Staatsmeister der Juniorenmagie“. Da er schon als Zehnjähriger an seiner Karriere bastelte, gab er sich bald den Künstlernamen Thommy Ten. Seine Partnerin Christina ließ sich bei ihrem Bühnennamen von dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und einem Wortspiel mit „fantastisch“ beeinflussen.

Heuer begehen sie ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum. Und das wird mit einer eigenen Show in Las Vegas, der Welthauptstadt des Entertainment, gekrönt.

FREIZEIT: Liebe Amélie, lieber Thommy, Sie haben demnächst Ihre eigene Show in Las Vegas und traten jetzt in der Wiener Staatsoper auf. Sind Sie unter die Sänger gegangen?

Amélie & Thommy: Haha, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee wäre – wobei Musik eine große Rolle in unseren Shows spielt, und wir auch schon in Musikproduktionen wie etwa „Pure Magie“ von Mista M oder „Sono Il Destino“ von Alle Achtung mitwirken durften. Aber singen – da ist die Ehrfurcht vor den großen Sängern doch zu groß – werden wir in der Wiener Staatsoper nicht, dafür aber wohl als erste Magier an diesem wunderbaren Ort eine dafür eigens kreierte Show präsentieren: „Magic in Vienna“. Für uns ist das schon ein sehr besonderer Moment und Ort, weil wir ja überall auf der Welt auf die Wiener Staatsoper angesprochen werden. Das ist ein nahezu geweihter Ort des Kulturlandes Österreich – und eine wichtige Visitenkarte. Danach kommen nur mehr Mozart, Schwarzenegger und Falco.

Kein Auftritt ohne Inszenierung. Besuchen Sie während Ihrer Welttournee auch Opernhäuser und Theater, um zu schauen, was Ihre Kollegen auf der Bühne so treiben?

Natürlich schaut man sich immer um, um sich inspirieren zu lassen, sich weiterzuentwickeln, auch ein Gespür zu bekommen, was die Menschen berührt. Theater, und in noch höherem Maße Oper, haben dabei durchaus viel gemeinsam mit unserem Genre. Wobei einer der größten Faktoren – und das unterscheidet uns dann doch wieder sehr von den anderen Genres, teils aber auch von Kollegen unserer eigenen Zunft – das Publikum ist. Wir arbeiten ja sehr interaktiv, sind oft im Zuschauerraum unterwegs, und das kann man natürlich nicht proben. Das ist, im positiven Sinne, eine Wundertüte, was uns da im Gespräch, in der Interaktion mit unseren Gästen erwartet. Dadurch ist jede Show anders.

Sie bringen frischen Elan in die Szene der Illusionskünstler und haben aber doch einen Respekt vor der Tradition Ihres „Handwerks“. Ihr Hund hört auf den Namen Mr. Koni Hundini und erinnert so an Harry Houdini. Sammeln Sie auch wie David Copperfield Memorabilia der großen Magier der Geschichte?

Natürlich ist Koni Hundini ein Wortspiel, aber zugleich auch eine Verneigung vor einer absoluten Ikone. Es gibt einfach eine große Magiertradition, vor der man den Hut zieht, und mit der man auch insofern leben muss, weil man immer wieder damit verglichen wird. Houdini, Copperfield, Siegfried & Roy. Sie alle sind eine Inspiration für uns, auch Vorbild, wie sehr sie Menschen faszinieren können.

HUNGARY-US-MAGIC-ESCAPE-RELIGION-JEWS-HOUDINI

Aber, und das versuchten wir in unserer Show „Magic in Vienna“ wieder ins Gedächtnis zu rufen, es gibt auch hierzulande eine große Magiertradition. Tatsächlich war Wien zur Zeit des Fin de Siècle so etwas wie die Welthauptstadt der Magie – zahlreiche Tricks und Illusionen, die heute Standard sind, haben ihren Ursprung in Wien. So betrachtet, ist unser Staatsopernauftritt auch eine Hommage an diese einzigartigen Künstler unserer Heimat.

Apropos David Copperfield, hat der schon einen Auftritt von Ihnen besucht?

Ja, David hat schon Auftritte und Shows von uns gesehen. Nach den Auftritten kommt er oft Backstage zu uns. Es ist toll, sich mit solch einem Meister der Magie austauschen zu können. Er schätzt sehr, was wir machen und wir haben Respekt vor allem, was er erschaffen hat.

Sie treten seit zehn Jahren als gleichberechtigtes Duo auf. Eine Seltenheit in der Szene, in der Zauberer meist mit einer Assistentin auftreten. Amélie, ist das Ihnen zu verdanken? Oder war das auch so im Sinne von Thommy?

Amélie: Wir sind beide junge, moderne Menschen – wenn man so will, eine andere Generation als noch jene unserer Eltern- und Großeltern, als die Damen in Zaubershows tatsächlich nur als Aufputz und zur Ablenkung dienten. Das wird zum Glück seltener. Wenn wir da als gutes Beispiel vorangehen und zeigen, dass die Sache mit der Gleichberechtigung eben gar kein Thema ist, sondern eine Selbstverständlichkeit, dann freut mich das natürlich doppelt.

Ihre Art der Bühnenkunst fordert von den Zusehern viel Aufmerksamkeit? Wie schaffen Sie das, wo doch unsere Aufmerksamkeitsspanne durch Smartphones & Co. immer geringer wird?

Thommy: Ich glaube, dass der Zauber genau im Gegenteil liegt. Gerade, weil wir heute häufig im Digitalmodus durchs Leben wandeln, sind die analogen, die haptischen, die realen Momente umso spannender und ziehen uns im Idealfall hinein. Natürlich musst du das Publikum auch gewinnen, in den Bann ziehen. Magie ist da ein hilfreiches Terrain, weil es ja auch ums Staunen, ums Emotionale, ums Wunder geht. Wobei die Magie, wie wir jetzt auch während des Lockdowns feststellten, als wir Online-Shows spielten, digital ebenso gut funktioniert. Live kann aber nichts ersetzen – sowohl für uns als Künstler als auch für die Zuschauer.

In der Wiener Stadthalle traten Sie vor 10.000 Menschen auf. Ist das noch zu toppen?

Amélie & Thommy: Wir haben auch schon in Mexiko City mit John Travolta vor fast 15.000 Besuchern gespielt, oder auch in der Oper in Sydney oder jetzt in der Wiener Staatsoper. Ich denke, es geht weniger um die Zahl an sich als um den Inhalt. Die Stadthalle war natürlich aufgrund der Größe beeindruckend, aber nicht minder aufgrund der geballten Energie, die durch so viele Menschen quasi auf die Bühne schwappt. Das ist schon einzigartig.

In den USA haben Sie eine eigene TV-Show. Ist dort, vielleicht auch wegen der Popularität der TV-Serie „The Mentalist“, der Boden besser für Künstler wie Sie?

Unsere Teilnahme an „America’s Got Talent“ hat enorm geholfen. Wir sind da ja, aus 100.000 Teilnehmern, Zweite geworden. Einerseits sind wir immer wieder, wie gerade erst letzte Woche, dorthin als Stargäste zurückgekehrt, andererseits waren wir auch Headliner der erfolgreichsten Zaubershow aller Zeiten am New Yorker Broadway.

Amélie sorgt auf der Bühne für ein Raunen, wenn sie etwa die Seriennummer von Geldnoten errät, die im Portemonnaie einer Person im Publikum stecken. Wie geht das? Verraten Sie uns diesen Trick?

Ja, natürlich. Also es geht so. Zuerst … (lachen). Na gut, zuviel wollen wir doch nicht verraten, das wäre doch langweilig. Sagen wir mal im Hinblick auf Ihre Frage, „wie das geht“ so: Eigentlich ganz gut!

...oder einen anderen Trick?

Immer wieder kommt die Frage, wie man etwas Magie erlernen kann, hierfür hat Thommy einen Onlinekurs erstellt und ein Zauberbuch geschrieben. Daher empfehlen wir zum Einstieg am besten einen Blick in „Zauberkunst lernen mit Thommy Ten“!

Was ist die Magie zwischen Ihnen beiden? Dass Sie auf derselben Geburtsstation auf die Welt gekommen sind?

Tatsächlich haben sich unsere Lebenswege schon von Beginn an gekreuzt. Als wir uns später wissentlich über den Weg gelaufen sind, war uns sofort klar, wir harmonieren miteinander und wollen gemeinsam etwas auf der Bühne erstellen, das es zuvor so noch nicht gegeben hat. Man könnte sagen, es hat sofort gefunkt! Jedoch war zuerst die Liebe für die Bühne da, die Liebe zwischen uns beiden kam dann erst Jahre später dazu.

Einer der Stars, die von Ihren Auftritten bei „America's Got Talent“ begeistert war, ist Heidi Klum. Haben Sie sie oder ähnliche Celebrities auch kennengelernt?

Erst letzte Woche haben wir uns wieder mit Heidi getroffen. Wir schätzen sie sehr und verstehen uns gut. Das ist eine schöne Begleiterscheinung unseres Berufes, dass man mit vielen Persönlichkeiten in Kontakt kommt. In diesem Sinne haben wir schon einige Celebrities kennengelernt, einerseits als Gäste unserer Shows, andererseits auf Partys in Hollywood oder anderswo. Das reicht von Elon Musk, Arnold Schwarzenegger, Taylor Swift, Kate Hudson und Kanye West über Ellen de Generes, Heidi Klum, Mel B. oder John Travolta bis hin zu Kollegen wie David Copperfield oder – auch ihn durften wir kennenlernen, heuer ist er ja leider verstorben – Siegfried von Siegfried und Roy.

Wer Ihre Karriere verfolgt, weiß, dass man sich um den Magier-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Wie ist das, wenn Sie ein Baby bekommen? Wird das Superman oder Wonder Woman?

Haha, sehr schön gesagt! Wir denken, das Wunder Mensch ist das Faszinierendste, das es auf dieser Welt gibt! Jedes Kind, das auf die Welt kommt, ist ein Superman oder eine Wonder Woman!

Ich hoffe, Mr. Koni Hundini darf im Flugzeug bei Ihnen am Schoß sitzen und muss nicht im Frachtraum hocken.

Da Koni Hundini, der ja mittlerweile mit uns auf der Bühne steht, der eigentliche Star der Show ist, darf er im Flugzeug vorne bei uns sitzen. Man muss ja sagen, Koni ist ein richtiger Vielflieger, dank seines Gewichts darf er im Passagierraum mitfliegen und macht das grandiose! Sobald wir den Flieger betreten, bekommt er sein eigenes kleines Bett und fliegt somit immer First Class.

Als Magierduo "The Clairvoyants" (dt. "Die Hellseher") versetzen Thommy Ten & Amélie van Tass die Menschen seit zehn Jahren ins Staunen. Kennengelernt haben sich die beiden, als Thommy für einen Auftritt bei der ORF-Talenteshow eine Bühnenpartnerin suchte. Ab Herbst haben sie als erste Österreicher eine eigene große Show in Las Vegas. Ein Jahr, 500 Auftritte!   

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