freizeit
17.10.2015

Tarock von A bis Z

Sehr viele tun es, viele können es und manche können es sogar sehr gut. Tarock ist das Lieblingskartenspiel der Österreicher.

Sie glauben, der Quapil ist der Mann von der Hausbesorgerin? Und Vogerln fliegen stets in der freien Natur? Dann ist klar: Sie können nicht tarockieren. Denn sonst wüssten Sie, dass der Quapil, auch Marabu oder Wildsau genannt, der Tarock IIII ist. Gemeinsam mit dem Uhu ( Tarock II) und dem Kakadu (Tarock III, auch Kanari oder Pelikan) zählt der Quapil zu den Vogerln des Spiels. Der Gstieß, der alles sticht, Mond und Pagat bilden gemeinsam die Trull – eine wienerische Verballhornung von „tous les trois“ (alle drei).
Schon diese Bezeichnungen für das Blatt zeigen, dass Tarock das österreichischste aller Kartenspiele ist. Mehr als 100.000 tun es, die meisten davon in Wien und Oberösterreich. Am häufigsten wird das „Königrufen“ gespielt, die Variante, die Martin Vacha, selbst leidenschaftlicher Spieler, Trainer in Tarock-Seminaren und Autor des neu erschienenen „Handbuch Tarock“, als die „Luxusvariante“ bezeichnet. In Wien wiederum ist das „Zwanzigerrufen“ gebräuchlicher.

„Was das Spiel spannend macht, ist die Vielfalt“, sagt der Tarockfreund und Grafiker Peter Staud. „Es braucht irrsinnig viel Taktik und Strategie.“ Das ist auch eine der Ursachen, warum es oft vorkommt, dass sich Tarockrunden bis in die frühen Morgenstunden hinziehen. Es wird nicht fad und auch allzu viel Alkohol empfiehlt sich nicht, weil sonst die Konzentration dahin ist. „Die Karten merken muss man sich schon“, meint Staud.
Damit allein ist es aber nicht getan. Und es ist auch nicht so, dass wirklich jeder Tarockieren lernt. „Es dauert ungefähr 20 Stunden, bis ein Anfänger die Regeln beherrscht und unpeinlich mitspielen kann“, meint Lehrer Vacha. Mehr als ein Kartenhalter ist er aber nicht. Nach ungefähr drei Jahren mit guten Spielern kann man „solid“ tarockieren. Die nehmen das Tarockieren ernst und machen den Mitspieler auf Fehler aufmerksam. Gnadenlos. Wer sich über Siege in der immer gleichen Runde höchst mittelprächtiger Spieler freut, könnte einmal in einer guten Gruppe unsanft erwachen. Denn leider zeigt die Erfahrung von Kartencoach Vacha: „Mancher spielt 30 Jahre und lernt es nie.“ Was der Begeisterung aber keinen Abbruch tut.

Die wichtigsten Begriffe des Kartenspiels

Atout - Quasi die fünfte Farbe des Tarock. Bei der Entstehung des Spiels im 15. Jahrhundert wurden diese Karten "Trionfi" genannt. Auf Deutsch wurde das zu Trumpf, was wiederum die gleiche Bedeutung wie Atout hatte.

Bettler - der Spielaufnehmer darf keinen Stich machen.

Cavall - Figurenkarte Reiter. Die Reihenfolge der Figurenkarten nach der Wertigkeit: König, Dame, Cavall, Bube.

Kakadu - Tarock III.

Königrufen - Vier Spieler, 54 Blatt.

Laschieren - Es besteht Farb-, bzw. Tarockzwang, aber kein Stichzwang. Wenn zuvor schon mit einem höheren Tarock gestochen wird und man ein kleineres zugibt, heißt das laschieren (frz. lacher, loslassen).

Leichenstierln - In den letzten Stich Einsicht nehmen.

Lizitation - Die Vorhand eröffnet mit den Worten "Vorhand" oder "Mein Spiel" die Erststeigerung. Das wird Lizitation genannt.

Mond - Tarock 21, eines der drei Trullstücke. Der Namen leitet sich eigentlich vom frz. "monde" - Welt ab.

Neunzehnerrufen - 4 Spieler, 54 Blatt. Wird im Mostviertel sowie im Norden Nieder- und Oberösterreichs gespielt.

Pagat - Tarock I.

Pelikan - Tarock III, auch Kakadu oder Kanari.

Piccolo - Der Spielaufnehmer muss genau einen Stich machen.

Quapil - Tarock IIII, auch Marabu oder Wildsau.

Skatindeln - niedrige Farbkarten in rot absteigend von Ass (1er) bis zum 4er. Von ital. scarate, weglegen.

Sküs - Siehe -> Gstieß

Tarock - Bezeichnet eine ganz Spielfamilie, beispielsweise das französische Tarot, das italienische Tarocco, die Spiele Troggu und Troccas in der Schweiz und Cego, das im Schwarzwald gespielt wird. In Österreich zählen neben dem Königrufen auch das Zwanzigerrufen und das Strohmandeln dazu.

Trull - Besteht aus drei Karten, nämlich ->Gstieß, ->Mond und ->Pagat.

Uhu - Tarock II.

Vogerln - ->Pagat, ->Uhu, ->Kakadu und ->Quapil werden gemeinsam die Vogerln genannt.

Vorhand - der Spieler der rechts vom Geber sitzt.

Zwanzigerrufen - Vier Spieler, 40 Blatt. Nur im Osten Österreichs verbreitet.

Zwiccolo - Der Spielaufnehmer verpflichtet sich exakt zwei Stiche zu machen.