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freizeit
12/13/2020

Steinreich: Warum Diamanten jetzt so gefragt sind

Sie werden bunter, makelloser – und teurer. Diamanten sind nicht nur „A Girl’s Best Friend“, sondern begehrte Objekte von Sammlern.

von Bernhard Praschl

Das Zeitalter der Super-Diamanten ist angebrochen. So vermeldeten es jüngst die einschlägigen Fachmagazine. Stimmt ja auch, Anfang Oktober wurde bei Sotheby’s in Hongkong ein 102,39-Karäter ersteigert, um 13,3 Millionen Euro. Noch dazu von einem Sammler, der bereits ein Jahr zuvor zugeschlagen hat. Damals war die Beute ein Diamant mit 88,22 Karat, der seither den Namen Manami Star trägt.

Beide Steine sind ein väterliches Geschenk an die Töchter des edlen Spenders,  Maiko und Manami.

Mehr über den Spender und die Empfängerinnen der hochkarätigen Zuneigung ist nicht bekannt. Was für ein Unterschied zu den Zeiten, als eine Marie Antoinette oder eine Elizabeth Taylor ihren Geschenken der Leidenschaft darüber hinaus noch Glanz verliehen.

Als blauer Hope Diamond und Taylor-Burton-Diamant sind sie seither Projektionsfläche vieler Fantasien. Oder der Koh-i-Noor? Von dem haben auch all jene schon einmal gehört, die noch nie in die Auslage eines Juweliergeschäfts geblickt haben.

Aus dem Bauch der Erde

Als härtestes Material der Erde und Zeichen der Macht zieht er Menschen seit Jahrtausenden in seinen Bann. Ebenso als Symbol für Schönheit und Reichtum. Dabei ist ein Diamant nur ein naher Verwandter des Grafits, eines Stoffes also, der im ganz gewöhnlichen Bleistift zum Einsatz kommt.

Chemisch betrachtet bestehen beide Materialien aus reinem Kohlenstoff. Aber eben mit unterschiedlichen Kristallstrukturen. Warum es in einem Fall Glas oder Stahl zerschneiden kann, im anderen hingegen  sich schon bei leichtem Druck abreibt, mag ein kurzer Abstecher in die Urzeit unseres Planeten erklären.

Vor Milliarden Jahren herrschten tief im Inneren der Erde vielerorts optimale Bedingungen für das Entstehen von Diamanten. Dort, wo es in einer Tiefe von 130 bis 700 Kilometern größere Mengen an reinem Kohlenstoff gab, verbanden sich diese zu Kohlenstoffatomen. Temperaturen von mehr als Tausend Grad Celsius und ein gigantischer Druck von 40.000 Bar lösten Prozesse aus, die Kohlenstoffatome in Form von Diamanten auskristallisierten.

Brüder im Geiste

Eine Laune der Natur: Lagen Temperatur und Druck  merklich darunter, entstand statt eines Diamanten die „ordinäre“ Version Grafit.

Einen gar nicht verdeckten Hinweis auf diese Verwandtschaft trägt übrigens ein weltbekannter Bleistift mit Wiener Wurzeln in seinem Namen: der „Koh-i-Noor Hardtmuth“.

Tränen der Götter

Mit dem Koh-i-Noor sollte um 2000 v. Chr. die Erfolgsgeschichte der Diamanten beginnen. Und das eher zufällig. In Indien, in den Flussbetten der heutigen Millionenstadt Hyderabad, fielen den Bewohnern erstmals auffällig schimmernde Steine auf. Rohdiamanten, die durch Erosion in die Flüsse gelangt waren. Einer der Funde soll auch ein 37,2 Gramm schwerer Brocken gewesen sein, der als Schmuckstück schließlich den Thron eines indischen Fürsten zierte.

Weitgehend unbehandelt von Steinschleifern, versprühte der später Koh-i-Noor oder „Berg des Lichts“ genannte Fund  wenig von der Faszination, die ihm noch zugeschrieben werden sollte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Diamant mehrmals seine Besitzer. Meistens zwischen Indien, Afghanistan und Persien, bis er 1849 in den Besitz der Britischen Ostindien-Kompanie überging. Von dort bis in den Besitz von Queen Victoria war es fast nur mehr ein Katzensprung. 

Erst dann wurde der Koh-i-Noor nach all den Regeln der Kunst neu geschliffen. Auch, weil so viele frühe  Betrachter geklagt hatten, dass der sagenumwobene Stein doch nicht so glänze, wie es immer hieß.
Indien blieb lange die einzige Quelle für Preziosen dieser Art. Im 18. Jahrhundert sorgten Diamantenfunde in Südamerika für einiges Aufsehen. Bis das Aufspüren gewaltiger Vorkommen in Südafrika ab 1866 ein regelrechtes „Diamantenfieber“ auslöste.

FILES-INDIA-BRITAIN-DIAMOND-COURT-HISTORY

Mehr als 30.000 Diamantensucher und Glücksritter machten sich damals in diese Region auf, um eines zu werden: richtig reich.

Darunter waren Männer wie der britische Staatengründer Cecil Rhodes oder die afrikaansprachigen De Beers-Brüder, die ihre Farm 1871, genau zum richtigen Zeitpunkt, an Schürfer verkauften. Vom Boom profitierten sie kaum, aber ihr Name ging als Firmenname des bis heute aktiven Diamantenriesen in die Geschichte ein.

Diamond Girls

Ab da dauerte es nicht mehr allzu lange, bis am New Yorker Broadway  eine gewisse Carol Channing fröhlich mit folgender Erkenntnis aufwartete: „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“. 1949 war das, vier Jahre, bevor Marilyn Monroe sich damit in der Musical-Verfilmung eindrucksvoll in Szene setzte.

Zu diesem Zeitpunkt war die erst 21-jährige Schauspielerin Elizabeth Taylor („Die Katze auf dem heißen Blechdach“) bereits zum zweiten Mal verheiratet. Sechs Ehen und zahlreiche Affären später hatte sie eine Diamantensammlung angehäuft, die Ende 2011, neun Monate nach dem Tod des schillernden Stars, für eine vierstündige Auktion von Christie’s sorgen sollte. Am Ende war jedes Schmuckstück der Leinwandlegende verkauft: Achtzig herausragende Sammlerstücke, 24 davon mit einem Wert von jeweils mehr als einer Million US-amerikanische Dollar.

Die Faszination von edlen Steinen ist also seit den Tagen des ersten Diamantenfiebers nicht getrübt, keine Spur. Bei der jüngsten Juwelen-Auktion des Wiener Dorotheum am 30. November wurden etwa für einen Bulgari-Diamantring mit 6,03 Karat immerhin 369.300 Euro geboten. Ganz schön üppig, angesichts dessen, dass der Schätzwert weit darunter lag, nämlich zwischen 200.000 und 300.000 Euro.    

Besagter Ring ist übrigens fast so besonders wie das in einschlägigen Kreisen bekannte Prachtexemplar Lesedi La Rona („Unser Licht“). Der Tennisball-große Diamant mit 302,37 Karat  wurde 2016 in einer Mine nördlich der Hauptstadt von Botswana entdeckt und gilt als der drittgrößte bekannte Rohdiamant.

„Der Bulgari-Ring ist zwar kleiner, weist jedoch dieselbe Güte wie der Lesedi La Rona auf“, weiß Astrid Fialka-Herics, Leiterin der Abteilung Schmuck und Uhren im Dorotheum. „Nur ein bis zwei Prozent aller natürlichen Diamanten weisen aufgrund ihrer Chemie den Typ IIa auf. Sie wurden über längere Zeiträume unter extrem hohem Druck gebildet und  haben nahezu keine Verunreinigungen.“

Der Kaiser war’s

Die Juristin und gelernte Goldschmiedin hatte ihren besonderen Moment, als im Dorotheum vor Jahren eine Brosche mit pikanter Geschichte eingebracht wurde: „Die Schratt-Brosche!  Ja, daran erinnere ich mich gerne. Ich freue mich über jedes neue Stück und wenn ich alte wiedersehe.“

Die vom k.u.k. Hoflieferanten A. E. Köchert gefertigte Fuchsiabrosche war ein Geschenk von Kaiser Franz Joseph I. an seine Geliebte.  Sie  befand sich 70 Jahre im Besitz einer Familie, deren Vater, ebenfalls Goldschmied, das gute,  aber schon unmoderne Stück der Schratt abgekauft hat. Beim Verkauf war der Name der Vorbesitzerin natürlich Gold wert, und zwar zur Überraschung der Einbringerin mehr als 200.000 Euro. 

Rosa Aussichten

Und der Ausblick in die Zukunft? Erst vor einem  Monat wurde mit dem Spirit of the Rose bei Sotheby’s in Genf ein Diamant erfolgreich versteigert, der zeigt, wohin die Reise geht. Es wird bunt!

Auktionator Benoit Repellin hatte den aus Ostsibirien stammenden Murmelstein-großen Diamanten als „Wunder der Natur“ bezeichnet. Weiters erwähnte er, dass die Preise für rosafarbene Diamanten steigen, da sie immer seltener werden. Gute Aussichten für alle, die die Welt gern rosa sehen.

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