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freizeit
02/09/2021

Sex wie in „Bridgerton“: Wie dreht man das?

Wieder einmal nackt: Wie Netflix-Feschak Regé-Jean Page seine Familie vor seinen Sexszenen warnte.

von Alexander Kern

In der Hitserie „Bridgerton“ geht es heiß her. Der Herzog von Hastings und seine Daphne (Phoebe Dynevor) können voneinander nicht lassen. Dementsprechend oft ist Hauptdarsteller Regé-Jean Page nackt zu sehen. Die meistgesehene Netflix-Serie aller Zeiten machte den 31-Jährigen zum Star. Der Dreh einer zweiten Staffel ist bestätigt, Page ist für einen Screen Actors Guild Award nominiert, und sogar als neuer James Bond wird er gehandelt. Doch seine Familie musste er vor den hautnahen Szenen warnen – was nicht immer gelang.

In der Talkshow von Graham Norton plauderte der Feschak jetzt aus dem Nähkästchen. In seiner Familien-Chatgruppe auf WhatsApp verschickte er Emojis mit rot blinkendem Warnlicht oder Pfirsichen, wenn etwa mal wieder sein entblößter Allerwertester ins Bild wanderte. Das dürfte zu witzigen Chat-Dialogen geführt haben. „Bestimmte Leute haben damit gedroht, meinen Pfirsich zu bewerten“, so Page lachend.

Doch nicht immer kam die Warnung bei allen Verwandten an. Manche hatten keine Ahnung, was sie erwartet. „Sie schauten also die Serie und ich bekam dann eine sehr ernste Privatnachricht auf Instagram“, erzählt Page. „Die lautete: ,Es sollte wirklich eine Warnung für Cousinen und Cousins geben.‘“

Ein anderer ergriff die Flucht in die Küche, um sich Tee zu machen. Zwecklos. Ergriffen schrieb er Regé-Jean Page: „Ich verließ den Raum, um mir meine taktische Tasse Tee zu machen, kam wieder und du warst immer noch dabei!“

Ein bisschen peinlich also für alle Beteiligten, allein beim Ansehen. Wie mag da erst der Dreh von Sexszenen für einen Film ablaufen? Denn selbst wenn die intimen Momente bloß gespielt sind, ist die Situation delikat. Immerhin sieht den Darstellern eine ganze Filmcrew dabei zu, wie die sich hingebungsvoll zwischen den Laken wälzen.

Aus diesem Grund werden bei Dreharbeiten mittlerweile sogenannte Intim-Koordinatoren („Intimacy Coordinator“) eingesetzt. Diese sind etwa dafür zuständig, dass jeder weiß, wer wo angefasst wird und das auch in Ordnung geht. Abgeklebte Nippel, verdeckte Geschlechtsteile, rasierte Körperstellen – all das gehört zum Aufgabenbereich dieses Berufs. Sie helfen den Schauspielern, im Film nackt gut auszusehen. Aber vor allem stehen sie den Schauspielern mental zur Seite, sorgen dafür, dass sie sich beim Filmen wohlfühlen und mögliche Ängste abbauen.

Job nach #MeToo eingeführt

In Absprache mit der Regie proben sie die exakte Choreographie einer Szene. Auch das Einverständnis und der Dialog darüber, wo die persönlichen Schamgrenzen liegen, werden dabei beredet. Eine wichtige Aufgabe, die vor allem auf den Errungenschaften der #MeToo-Bewegung fußt. Immerhin ist bei dieser filmischen Herausforderung gegenseitiges Vertrauen oberstes Gebot.

 

So setzte etwa nach dem Dreh von „Blau ist eine warme Farbe“, der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, eine heftige Kontroverse ein. Dem tunesisch-französischen Regisseur Abdellatif Kechiche wurde von seinen Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adéle Exarchopoulos vorgeworfen, er ließ sie zehn Tage lang eine exzessive lesbische Sex-Szene drehen. „Nie wieder“, so Seydoux, werde sie mit Kechiche arbeiten.

Grenzüberschreitungen baut ein Intimacy Coordinator vor. Auch bei „Bridgerton“ war ein solcher Teil des Teams. „Wir sind die intimen Szenen wie akrobatische Kunststücke angegangen“, erzählte kürzlich Hauptdarstellerin Phoebe Dynevor. „Ich habe so lange mit Regé geübt, bis wir beide wussten, was wir da tun.“ Und auch Regé-Jean Page weiß die Hilfestellung bei gefilmtem Sex zu schätzen: „Das nimmt der Szene das Risiko und die Peinlichkeit.“

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